Onlineartikel 02.02.2015

„Bridging“ erhöht Blutungsrisiko bei Ablation

Wie sollte die periprozedurale Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern (VF) im Rahmen einer Katheterablation gehandhabt werden? Stoppen, „bridgen“ oder einfach weiter so?

Das Management der Antikoagulation bei interventionellen Eingriffen wie der Katheterablation ist immer eine schmale Gratwanderung zwischen Blutung und thromboembolischem Ereignis. „Nach den Daten des Ablationsregisters sind solche Komplikationen aber höchst selten“, sagte Privatdozent Dr. Boris A. Hoffmann vom universitären Herzzentrum in Hamburg. Das Risiko für einen zerebralen Insult liege bei 0,24%, das für eine größere Blutung mit Interventionsbedarf bei 0,75%.

Bridgen oder Fortführung der OAK?

Grundsätzlich gibt es für das periprozedurale Antikoagulationsmanagement verschiedene Strategien: Unterbrechung der oralen Antikoagulation bei Gabe eines Vitamin K-Antagonisten mit konsekutivem NMH-Bridging, das Fortsetzen der Antikoagulation mit einem Vitamin K-Antagonisten oder die eintägige Pause bei Gabe eines NOAK.

In der COMPARE-Studie wurde bei 1.584 VF-Patienten, die mit einen Vitamin-K-Antagonisten antikoaguliert wurden und eine Katheterablation erhielten, eine Unterbrechung der Antikoagulation inkl. Bridging mit einer Fortführung der oralen Antikoagulation vergleichen. Während in der ersten Gruppe 39 thromboembolische Ereignisse auftraten, waren es bei Fortführung der Antikoagulation nur 2 Ereignisse. „Als optimal erwies sich ein INR-Wert von 2–2,5“, so Hoffmann.

In einer anderen Studie wurde die nicht unterbrochene Vitamin-K-Antikoagulation (INR 2,0–3,0) mit einem NOAK, nämlich Rivaroxaban bei 624 Patienten verglichen, wobei Rivaroxaban letztmalig am Abend vor der Antikoagulation und ab 3 Stunden nach der Intervention wieder gegeben wurde. 

In beiden Behandlungsgruppen trat nur bei 0,3% der Patienten ein thromboembolisches Ereignis auf. Bei einem Vergleich von Dabigatran mit dem Vitamin-K-Antagonisten wurde in beiden Gruppen kein thromboembolisches Ereignis dokumentiert. Und in einer Metaanalyse fand sich auch hinsichtlich schwerwiegender Blutungen keinerlei Unterschied zwischen Warfarin und Dabigatran.

Mehr Blutungen unter dem Bridging

Ein Vergleich zwischen einer Fortführung der OAK und einer Unterbrechung inkl. Bridging zeigte in einer Metaanalyse keinen Unterschied bei den thromboembolischen Komplikationen. Doch die Gesamtblutungsrate war unter dem Bridging signifikant höher, nämlich um das 5-Fache, und die Rate schwerwiegender Blutungen stieg unter der NMH-Gabe um das 3,6-Fache. 

Zusammenfassend empfiehlt sich periprozedural nach den vorliegenden Studienergebnissen bei einem NOAK ein kurzer Stop, bei einem Vitamin-K-Antagonisten ein „einfach so weiter“ ohne Bridging“, so Hoffmann.

Literatur

Dresdner Herz-Kreislauf-Tage, 24.1.2015 in Dresden