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03.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Hypertonie

„Koppler“-Therapie: vaskulärer „Kurzschluss“ senkt Blutdruck

Autor:
Peter Overbeck

Ein neues technisches Verfahren zur Blutdrucksenkung bei „resistenter“ Hypertonie hat in einer kleinen Studie die erste Bewährungsprobe bestanden. Dabei wird ein „Kurzschluss“ zwischen zentraler arterieller und venöser Strombahn geschaffen, um günstige mechanische Eigenschaften des Gefäßsystems nutzen zu können.

Zentrale Gefäße wie Aorta und Beckenarterien tragen normalerweise durch ihre Elastizität dazu bei, die starke Druckschwankung zwischen Systole und Diastole zu verringern. Bei chronischem Bluthochdruck kommt es infolge einer Hypertrophie in der Gefäßwand jedoch zu einer Abnahme der arteriellen Compliance und zu einer Erhöhung des Gefäßwiderstands.

Restaurierung des Windkessels

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen ROX Medical hat ein neues Verfahren entwickelt, mithilfe dessen ein Teil des venösen Gefäßsystems mit seinen günstigen mechanischen Eigenschaften – hohe Elastizität und niedriger Gefäßwiderstand – an die arterielle Strombahn gekoppelt wird. Auf diese Weise soll die sogenannte Windkesselfunktion wieder verbessert werden, was dann, so die Erwartung, eine rasche und anhaltende Senkung des Blutdrucks zur Folge hat.

Bei dieser Methode wird mithilfe eines über die Femoralarterie eingeführten Gefäßkatheters eine arteriovenöse Anastomose im Bereich der Beckengefäße geschaffen. Offengehalten wird dieser Shunt zwischen distaler Arteria iliaca und Vena iliaca durch ein „Koppler“ (Coupler) genanntes winziges Metallimplantat, das mittels Katheter vor Ort platziert wird. Für den in Lokalanästhesie durchgeführten Eingriff veranschlagt der Hersteller des Koppler-Systems weniger als eine Stunde.

Test in Studie erfolgreich

Eine Forschergruppe um Dr. Melvin Lobo aus London hat die neue Methode in einer offenen randomisierten kontrollierten Studie (ROX CONTROL HTN Study) bei Probanden mit therapierefraktärer Hypertonie auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Beteiligt waren 83 Patienten, deren Blutdruckwerte trotz Behandlung mit mindestens drei Antihypertensiva noch immer erhöht waren.

Bei 44 Patienten, die weiterhin ihre antihypertensive Medikation erhielten, wurde der arteriovenöse „Koppler“ implantiert. Weitere 39 Patienten, die nur medikamentös behandelt wurden, bildeten die Kontrollgruppe. Primäres Wirksamkeitskriterium war die Blutdrucksenkung nach sechs Monaten.

Während die Blutdruckwerte in der Kontrollgruppe nur minimal sanken, waren die Reduktionen in der Gruppe mit „Koppler“-Implantat jeweils signifikant ausgeprägter. So ergab die Analyse der in Praxen vorgenommenen Messungen eine um 23,4 mmHg stärkere Senkung des systolischen und eine um 17,7 mmHg stärkere Senkung des diastolischen Blutdrucks.

Bei der ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung wurden relative Reduktionen um 13,0 mmHg (systolisch) und 13,4 mmHg (diastolisch) beobachtet.

Bei den Patienten mit interventionell angelegter a.v.-Anastomose wurde zudem die medikamentöse Therapie häufiger reduziert und seltener intensiviert als bei Patienten der Kontrollgruppe. Deshalb könnte der Unterschied zugunsten der „Koppler“-Behandlung in Wirklichkeit sogar noch größer sein, als in der Studie zum Ausdruck kam.

Nicht frei von Komplikationen

Die „Koppler“-Therapie war allerdings nicht frei von Komplikationen. Immerhin 12 Patienten (29 Prozent) entwickelten Ödeme in den unteren Extremitäten, die auf spät aufgetretene ipsilaterale Venenstenosen proximal der Anastomose zurückzuführen waren.

Diese Stenosen konnten aber in allen Fällen mit konventionellen Mitteln (Venoplastie, venöses Stenting) erfolgreich beseitigt werden.

Noch ist es zu früh, über die berichtete starke Blutdrucksenkung in Jubel auszubrechen. Schließlich versetzte auch die renale Denervation zunächst mit sehr positiven Ergebnissen aus kleinen Studien viele Experten in Verzückung. Als dann mit SYMPLICITY-HTN-3 die erste Studie mit Scheinintervention in der Kontrollgruppe keine Wirkung dokumentieren konnte, war die Enttäuschung groß. 

Weitere Studien erforderlich

Auch der aktuellen Studie mangelt es an einer entsprechenden „Sham Control“. Deshalb halten auch ihre Autoren weitere Studien zur Erforschung der „Koppler“-Methode für erforderlich, bevor diese Einzug in die Praxis halten kann.

Einen Unterschied gibt es allerdings: Während der technische Erfolg der renalen Denervation wegen der sich erst verzögert einstellenden Blutdrucksenkung nicht unmittelbar überprüfbar ist, gibt es dafür bei der „Koppler“-Therapie einen guten Indikator. Denn nach dieser Behandlung kommt es meist zu einem sofortigen Blutdruckabfall, was nach Ansicht der Studienautoren gegen einen Placeboeffekt spricht.

Literatur

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