Onlineartikel 16.02.2016

Abdominales Aortenaneurysma – erhöhte Gefahr für Asthmatiker

Offenbar sind ältere Asthmatiker besonders gefährdet, ein Bauchaortenaneurysma zu entwickeln. Verantwortlich für dieses Risiko scheinen Entzündungsprozesse zu sein, vermuten Wissenschaftler, die auf eine Assoziation zwischen beiden Erkrankungen gestoßen sind.

Ältere Asthmatiker scheinen einer aktuellen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines abdominalen Aortenaneurysmas (AAA) und für eine Aneurysmaruptur zu haben. Diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler um Cong-Lin Liu von der Zhengzhou-Universität in China in zwei voneinander unabhängigen Kohorten beobachtet.

Ruptur bei Asthmatikern häufiger

In dem Nationalen Dänischen Patientenregister fanden sich 15.942 Personen mit AAA (im Mittel 74 Jahre alt), bei 4.497 von ihnen kam es zu einer Ruptur des Aneurysmas. Adjustiert auf AAA-Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck, Myokardinfarkt, schwere Nierenerkrankungen usw. ergab die Analyse, dass Patienten, die im vergangenen Jahr oder innerhalb der letzten sechs Monate vor Eintreten des AAA eine Asthma-Diagnose in der Klinik gestellt bekommen hatten, ein höheres Rupturrisiko aufwiesen als jene ohne eine solche Atemwegserkrankung (Odds Ratio, OR: 1,51–2,06).

Die Verwendung von Bronchodilatatoren wie Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika oder beides (seit jeher bis 90 Tage vorher) sowie die ärztliche Verordnung antiasthmatischer Substanzen war ebenfalls mit einem erhöhten Rupturrisiko assoziiert (OR: 1,10–1,31 und 1,09–1,48). 

Asthma-Medikation als unabhängiger Risikofaktor 

Allerdings, darauf weisen die Studienautoren hin, seien in der dänischen Kohorte Informationen zum Raucherstatus – einem wichtigen Risikofaktor für eine Aneurysmaruptur – nicht dokumentiert worden, sodass das Ergebnis womöglich verzerrt sei. Deshalb nahmen die Wissenschaftler eine externe Adjustierung auf Basis von Daten der „Viborg Vascular-Screening“-Studie (VIVA) mit 619 AAA-Patienten vor; hier war der Raucherstatus aller Teilnehmer einschließlich der Kontrollpersonen, die kein AAA hatten, bekannt. Nach entsprechender Adjustierung verstärkte sich der Zusammenhang zwischen der Verwendung antiasthmatischer Substanzen bzw. Bronchodilatatoren und der Entstehung eines AAA sogar noch. Denn die Patienten, die Bronchodilatatoren verwendeten, hätten eher seltener geraucht als Personen ohne diese Medikation, schreiben die Studienautoren.

Eine zusätzliche Analyse der VIVA-Daten, ebenfalls auf den Raucherstatus adjustiert, erbrachte ein um 45% höheres Risiko für Patienten mit antiasthmatischer Medikation (Beta-2-Sympathomimetika oder Glukokortikoide), ein Bauchaortenaneurysma zu entwickeln. Selbst nach Adjustierung auf weitere Risikofaktoren blieb die Asthma-Medikation ein unabhängiger und signifikanter Risikofaktor für ein AAA (OR=1,46). 

Inflammation als Ursache?

Aufgrund der Daten zweier unabhängiger Kohorten meinen die Studienautoren, einen neuen Zusammenhang zwischen zwei scheinbar nicht verwandte Erkrankungen – dem Asthma und abdominalem Aortenaneurysma – gefunden zu haben. Ihrer Ansicht nach könnten inflammatorische Prozesse, die bei der Atemwegserkrankung in Gang gesetzt werden, für diese Wechselbeziehung verantwortlich sein. So würden Mastzellen womöglich die Entstehung eines AAA begünstigen, indem die von ihnen sezernierten Zytokine und Proteasen Gefäßzellen aktivieren und dadurch den Zusammenhalt der extrazellulären Matrix in den Arterien beeinträchtigen, spekulieren Liu und Kollegen. Zudem seien sowohl bei Asthmatiker als auch bei Patienten mit AAA erhöhte IgE-Level im Plasma gefunden worden.

Screening-Kriterien überdenken.

Wenn sich diese Hypothese bestätigt, könnten auch andere Erkrankungen, die mit einer Entzündung einhergehen wie die atopische Dermatitis, allergische Rhinitis oder Allergien, ein Risiko für die Entstehung eines Bauchaortenaneurysmas bergen. Daher sollte man über effektive Strategien nachdenken, mit denen sich spezielle Risikogruppen identifizieren lassen, schließen Liu und Kollegen, um dadurch die Prävention, Screening-Kriterien und die Behandlung des Aortenaneurysmas optimieren zu können.

Literatur

Liu CL, et al. Asthma associates with human abdominal aortic aneurysm and rupture Arterio Thromb Vasc Biol 2016; DOI: 10.1161/ATVBAHA.115.306497.