Onlineartikel 01.04.2016

Ablation bei Vorhofflimmern: Druckmessung machte keinen Unterschied

Lassen sich Vorhofflimmerrezidive nach Pulmonalvenenisolation durch den Einsatz von Kathetern mit Anpressdruckmessung verhindern? Eine Studie vom Deutschen Herzzentrum München setzt ein Fragezeichen hinter diese These.

Die Erfolgsraten der Pulmonalvenenisolation bei Vorhofflimmern variieren stark von Patient zu Patient und von Zentrum zu Zentrum. Etwa 20 bis 50 Prozent der Patienten entwickelten Rezidive, betonte Dr. Tilko Reent vom Deutschen Herzzentrum München. Häufigste Rezidivursache seien rekonnektierte Pulmonalvenen, also erneute leitende Verbindungen über die Ablationslinie hinweg.

Zu den Ansätzen, die Rezidivquote zu senken, zählen steuerbare Schleusen, eine längere Wartezeit, die medikamentöse Provokation, eine Stimulation entlang der Ablationslinie und Katheter mit besserer Spülung („enhanced irrigation“). Außerdem wird versucht, mit Kathetern, die kontinuierlich den Anpressdruck messen, die Ablation weniger lückenhaft zu gestalten.

In einer randomisierten Studie mit 120 Patienten, die Reent bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim vorstellte, haben die Münchener Elektrophysiologen jetzt die Ablation mit einem anpressdruckkontrollierten Smarttouch Katheter unter Einsatz des CARTO-Systems mit einer konventionellen Pulmonalvenenisolation unter Einsatz von 3D-Mapping und einem „enhanced irrigation“-Katheter verglichen. Primärer Endpunkt war die Anzahl der rekonnektierten Pulmonalvenen 20 Minuten nach Ablation unter Einsatz von Adenosin. Zu den sekundären Endpunkten zählten die Zeit bis zum ersten Rezidiv sowie diverse prozedurale Parameter.

Im Ergebnis habe es weder beim primären noch bei den sekundären Endpunkten statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen gegeben, so Reent in Mannheim. Pro Patient fanden sich in der Kontroll- beziehungsweise Interventionsgruppe im Mittel 1,3 bzw. 1,4 Rekonnektionen. Und 78% der Patienten in der Kontrollgruppe bzw. 72% in der Interventionsgruppe waren nach zwölf Monaten rezidivfrei.

Insgesamt lasse sich zumindest aus dieser Studie keine Empfehlung für den Einsatz anpressdruckgesteuerter Katheter ableiten, so Reent. Kritisch diskutiert wurde bei der Veranstaltung allerdings die Frage, inwieweit wirklich an allen Punkten entlang der Ablationslinie ein ausreichend hoher Druck erzielt worden sei. Dies habe sich zum Zeitpunkt der Studie noch nicht gut objektiv überprüfen lassen, so Reent. In Zukunft könnten möglicherweise Kathetersysteme, die Anpressdruckmessung und „enhanced irrigation“ kombinieren, bessere Ergebnisse erzielen, so Reent. 

Literatur

82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; 1. April 2016; Hotline-Session; 11.30h