Nachrichten 03.07.2019

Vorhofflimmern-Kardiomyopathie: Klappt die Ablation, erholt sich der Vorhof

Bei Patienten, die an einer mit Vorhofflimmern assoziierten Kardiomyopathie leiden, verbessert eine erfolgreiche Ablation nicht nur die linksventrikuläre Pumpfunktion: Auch das Vorhofmyokard zeigt in der CAMERA-MRI-Studie deutliches Remodelling.

An der Catheter Ablation Versus Medical Rate Control in Atrial Fibrillation and Systolic Dysfunction – Magnetic Resonance Imaging (CAMERA-MRI) Studie hatten Patienten mit permanentem Vorhofflimmern und anders nicht zu erklärender, linksventrikulärer Dysfunktion teilgenommen. Sie wurden entweder per Katheterablation behandelt oder, im Sinne einer Frequenzkontrolle, rein medikamentös. In der Studie verbesserte sich bei erfolgreicher Ablation die LV-Funktion im Einklang mit anderen randomisierten Studien bei ähnlichen Patienten deutlich. Unklar war bisher jedoch, was sich – abgesehen von der Wiederherstellung des Sinusrhythmus – auf Ebene der Vorhöfe tut.

Vorhofflimmernlast ging um 90% zurück

Das haben sich die CAMERA-MRI-Autoren jetzt in einer Subgruppenanalyse genauer angesehen, und zwar bei 15 Patienten, bei denen sowohl zu Studienbeginn als auch im Follow-up – im Mittel nach 23 Monaten – ein rechtsatriales elektroanatomisches Mapping unter Einsatz des CARTO-3-Systems erfolgt war. Bei allen Patienten dieser Subgruppenanalyse war die Ablation rhythmologisch erfolgreich: Die Vorhofflimmerlast war durch den Kathetereingriff um jeweils mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Die linksventrikuläre Pumpfunktion war bei diesen selektierten Patienten im Mittel von 34 Prozent auf 54 Prozent angestiegen, und die LV-Fibrose im MRT war rückläufig.

Vorhof erholte sich elektrisch und strukturell

Dies ging einher mit einer deutlichen Verbesserung der meisten elektrischen und strukturellen Parameter auf Vorhofebene. So verringerten sich die linke und rechte Vorhoffläche jeweils signifikant. Die Voltage-Messungen legten durchweg zu, was vor allem in posterioren und septalen Regionen auch das Signifikanzniveau erreichte. Die Zahl komplex fraktionierter atrialer Elektrogramme sank. Lediglich bei den (globalen wie regionalen) Leitungsgeschwindigkeiten tat sich wenig.

Insgesamt deuteten diese Befunde darauf hin, dass sich bei Patienten mit Vorhofflimmern und damit assoziierter LV-Kardiomyopathie durch eine Vorhofflimmerablation parallel zur Verbesserung der LV-Funktion auch das Vorhofmyokard elektrisch und strukturell erhole, so die Autoren. Dies könne unter Umständen erklären, warum gerade bei dieser Patientengruppe so gute Langzeitergebnisse mit einer Vorhofflimmerablation erzielt würden.

Literatur

Sugumar H et al. Atrial Remodelling Following Catheter Ablation for Atrial Fibrillation-Mediated Cardiomyopathy. JACC: Clinical Electrophysiology 2019; 5:681-8

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

STEMI – mein Alptraum – aus Fehlern lernen

Prof. Dr. Christoph Liebetrau, UK Heidelberg

Erstes Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer jetzt in Deutschland verfügbar

Andexanet-alfa, das erste in der EU zugelassene Faktor-Xa-Inhibitor-Antidot zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen bei Antikoagulation mit  Rivaroxaban oder Apixaban, ist seit dem 1. September verfügbar, teilt die Portola Deutschland GmbH mit

Neuartiger Lipidsenker besteht Test in erster Phase-III-Studie

Über positive „Top Line“-Ergebnisse  der ersten Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des innovativen Cholesterinsenkers Inclisiran  informiert aktuell der Hersteller. Im Detail wird die Studie in Kürze beim europäischen Kardiologenkongress vorgestellt.

Aus der Kardiothek

Auffälliges MRT bei 33-Jähriger – wie lautet Ihre Diagnose?

Ausgeprägtes „Late Gadolinium Enhancement“ (LGE) im MRT bei einer 33-jährigen Patientin, die mit ventrikulärer Tachykardie und eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) aufgenommen wurde. Wie lautet Ihre Diagnose?

Risikoadjustierter Vergleich zwischen transapikaler TAVI und chirurgischem Aortenklappenersatz

PD Dr. Peter Stachon, UK Freiburg – Sprecher
vs. 
Prof. Rüdiger Autschbach, UK Aachen – Diskutant

Live Cases

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK