Skip to main content
main-content

27.07.2017 | Ablationstherapie | Nachrichten

Sicherer als Vitamin-K-Antagonisten

Vorhofflimmern-Ablation: NOAK muss nicht unterbrochen werden

Autor:
PD Dr. Boris Schmidt

Die Katheterablation von Vorhofflimmern könnte mit NOAK noch einfacher werden. Die Prozedur ließ sich in der RE-CIRCUIT-Studie damit sicherer durchführen als mit einem Vitamin-K-Antagonisten. Ein Experte kommentiert, was das für die Praxis bedeutet.

Elektrophysiologische Interventionen inklusive Aggregatimplantationen und Katheterablationen werden bei Patienten mit Vorhofflimmern standardmäßig unter fortgesetzter therapeutischer Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) durchgeführt. Blutungs- als auch thrombembolische Komplikationen werden dadurch reduziert. Unklarheit herrscht, wie mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) umgegangen werden soll. Bis vor kurzem gab es dazu nämlich nur eine kontrollierte Untersuchung (VENTURE-AF).

Die nun publizierte, multizentrische, prospektiv randomisierte RE-CIRCUIT-Studie hat hier mehr Klarheit gebracht. Bei 635 Patienten wurde aufgrund von paroxysmalen Vorhofflimmern eine Katheterablation vorgenommen. Die Patienten in der Kontrollgruppe wurden vier bis acht Wochen vor und acht Wochen nach der Ablation mit Warfarin behandelt (Ziel-INR: 2–3). In der Verumgruppe wurde zweimal täglich 150 mg Dabigatran für den gleichen Zeitraum verabreicht. Am Tag des Eingriffes wurde die Studienmedikation nicht unterbrochen.

Was die Sicherheit betrifft, scheint der NOAK Vorteile zu haben: In der Dabigatran-Gruppe kam es zu weniger schweren Blutungen (5 [1,6 %] vs. 22 [6,9 %]; relative Risikoreduktion: 77,2 %). Insgesamt trat nur ein thrombembolisches Ereignis auf, und zwar in der Warfarin-Gruppe.

Kommentar: Mehr Sicherheit im Alltag

Der meisten Patienten, die sich heutzutage zu einer Katheterablation von Vorhofflimmern vorstellen, werden mit DOAK behandelt. Die Ergebnisse der RE-CIRCUIT-Studie liefern daher ein wichtiges Puzzleteil für den Umgang mit DOAKs im klinischen Alltag. Die ununterbrochene Gabe des direkten Thrombininhibitors Dabigatran scheint im Rahmen von Vorhofflimmern-Ablationen sicher im Hinblick auf das Risiko für schwere Blutungen zu sein.

Allerdings muss einschränkend angemerkt werden, dass keine der aufgetretenen Blutungen so schwerwiegend war, dass der monoklonale Antikörper Idarucizumab zum Einsatz kommen musste. Diesbezüglich sollten folglich die Daten der Registerbeobachtungen abgewartet werden.

Die Autoren geben zu bedenken, dass die Studie ohne Nullhypothese geplant wurde, d. h. lediglich beschreibender Natur ist, da aufgrund der niedrigen Inzidenzen des primären Endpunktes – dem Auftreten von schweren Blutungen – befürchtet werden musste, eine zu große Anzahl an Patienten einschließen zu müssen. Dennoch ist aus den Ergebnissen ableitbar, dass prozedurale Blutungskomplikationen (Leiste, Perikarderguss usw.) unter Dabigatran gut beherrschbar sind.

Die Frage nach der äquipotenten Wirksamkeit, nämlich die Vermeidung thrombembolischer Komplikationen im Rahmen der Ablation, kann nicht vollständig beantwortet werden. Erfreulicherweise trat kein derartiges Ereignis im Dabigatran-Arm auf. Doch die Zahl der analysierten Patienten ist naturgemäß zu gering.

Für den klinischen Alltag bleibt jedoch die Erkenntnis, dass ein mit Dabigatran antikoagulierter Patient die Therapie nicht unterbrechen muss oder gar komplizierte Bridging-Maßnahmen mit subkutan applizierten, niedermolekularen Heparinen durchführen muss. Trotz kleiner methodischer Mängel wird die RE-CIRCUIT-Studie das Management von Patienten, die sich einer VHF-Ablation unterziehen, weiter vereinfachen.

Literatur

Weiterführende Themen

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

Expertenrückblick auf die letzten Kongresse – das sollten Sie wissen

Fischöl ist anscheinend hochwirksam und der Mitraclip wirkt doch. Eine Expertenrunde hat in Leipzig die Highlights des diesjährigen AHA- und TCT-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

Aus der Kardiothek

09.12.2018 | Expertenvorträge | Onlineartikel

Expertenrunde diskutiert aktuelle Studienlage und die Praxisrelevanz

Eine Expertenrunde hat sich mit den Highlights des diesjährigen ESC-Kongresses auseinandergesetzt – kritisch, kurz und präzise. Was ist praxisrelevant, was nicht? 

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise