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12.03.2018 | ACC-Kongress 2018 | Nachrichten

Zwischenergebnisse der ANNEXA-4-Studie

Antidot für Faktor-Xa-Hemmer: Neue positive Studiendaten zur Wirksamkeit

Autor:
Peter Overbeck

Andexanet alfa ist ein speziell zur raschen Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Faktor-Xa-Hemmern entwickelter Wirkstoff.  Nach Untersuchungen an gesunden Probanden ist dieses potenzielle Antidot mittlerweile auch bei Patienten mit schwerwiegenden Blutungen erfolgreich getestet worden.

In der ANNEXA-4-Studie wird Andexanet alfa derzeit als spezifisches Antidot gegen direkte und indirekte Faktor-Xa-Hemmer auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten geprüft, bei denen  innerhalb von 18 Stunden nach letztmaliger Einnahme eines Faktor-Xa-Hemmers schwere akute Blutungen aufgetreten sind. Der kanadische Studienleiter Dr. Stuart Connolly, der bereits Mitte 2016  beim ESC-Kongress eine Analyse von Daten der ersten 67 Patienten vorgestellt hatte, war nun mit einer weiteren Zwischenanalyse auch beim ACC-Kongress in Orlando in einer „Late-breaking clinical Trials“-Sitzung vertreten.

In der noch laufenden Studie wird die  Wirksamkeit von Andexanet alfa anhand der Anti-Faktor-Xa-Aktivität im Blut sowie der klinisch beurteilten Hämostase in den ersten 12 Studien untersucht. Für die Bewertung der Sicherheit sind thrombotische Ereignisse und die Mortalität in den ersten 30 Tagen maßgebliche Kriterien.

Mittlerweile ist die Studienpopulation auf 227 Patienten angewachsen, deren Daten die komplette Basis für die Bewertung der Sicherheit bildeten („safety population“). Die Analyse der Wirksamkeit basiert auf Daten von 137 Patienten („efficacy population“). Die Aufnahme der Patienten  (Durchschnittsalter: 77 Jahre)  in die Studie erfolgte vor allem aufgrund von  intrakraniellen (61%)  und gastrointestinalen  Blutungen (27%).

Rasche Reduktion der Anti-Faktor-Xa-Aktivität

Andexanet alfa  ist als Bolus mit nachfolgender Infusion über zwei Stunden appliziert worden. Schon am Ende der Bolusgabe hatte  die Anti-Faktor-Xa-Aktivität im Blut der Patienten bei den zuvor mit  Rivaroxaban  (n=75) oder Apixaban (n=105) behandelten Patienten  um 88% respektive 91 % in Relation zum Ausgangswert abgenommen, berichtete Connolly. Am Ende der Infusion betrug die Reduktion  87% respektive 91%. Bei zuvor mit Enoxaparin behandelten Patienten (n=16) zeigte sich ein ähnlicher Effekt auf die  Anti-Faktor-Xa-Aktivität.  Gleich nach Ende der Infusion  bewegten sich deren Werte wieder in Richtung Ausgangswert. Bei 83 % aller Patienten wurde die anhand klinischer Kriterien bewertete Hämostase in den ersten 12 Stunden als „ausgezeichnet  bis gut“ eingeschätzt.

In den ersten  30 Tagen nach Behandlung mit Andexanet alfa  traten  bei 24 Studienteilnehmern (11 %) thrombotische Ereignisse (Schlaganfall, Herzinfarkt, Venenthrombose) auf.  In dieser Zeit war bei 129 Patienten (57%) wieder mit einer oralen Antikoagulation begonnen worden. Unter den 24 Patienten mit thrombotischen Komplikationen waren nur neun, bei denen zuvor eine Antikoagulation erneut eingeleitet  worden war.

30-Tage-Mortalität betrug 12%

In den ersten 30 Tagen waren zudem 27 Todesfälle (12%) zu verzeichnen, von denen 11 auf kardiovaskuläre Ursachen zurückzuführen waren. Connolly zeigte sich von der beobachteten Thrombose- und Mortalitätsrate nicht überrascht angesichts der Tatsache, dass  es mit relativ alte und  häufig multimorbide Patienten handelte, von denen viele nach dem Blutungsereignis ohne antithrombotischen Schutz durch Antikoagulation waren.

Das rekombinante Molekül  von Andexanet alfa  ähnelt dem menschlichen Faktor Xa (FXa), ohne dessen für die Wirkung auf die Gerinnung nötige GLA-Domäne zu besitzen. Andexanet alfa wirkt als eine Art Köder (decoy) und bindet mit hoher Affinität und kompetitiv zu humanem FXa im Blut vorhandene Faktor-Xa-Hemmer. Seine Wirkung richtet sich sowohl gegen direkte Faktor-Xa-Hemmer (Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban) als auch gegen indirekte Faktor-Xa-Hemmer wie Enoxparin aus der Gruppe der niedermolekularen Heparine.

Literatur

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