Nachrichten 19.03.2018

Betablocker schützt nicht wirklich vor Chemotherapie-bedingten Herzschäden

Eine kardiotoxische Chemotherapie kann schwerwiegende Herzschäden verursachen. Betablocker könnten hier eine Schutzwirkung entfalten. Der durchschlagende Erfolg dieser prophylaktischen Maßnahme blieb in einer Studie allerdings aus.

Chemotherapien können eine Kardiomyopathien verursachen. Solche Komplikationen sind verhältnismäßig zwar relativ, dafür umso bedrohlicher. Insbesondere unter Anthracyclin-Gabe wird eine Verschlechterung der linksventrikulären Funktion gefürchtet. In der Senologie spielt dieses Thema eine besonders große Rolle, da das Mamakarzinom mit 30% die häufigste Krebsart bei Frauen ist und mit fast 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland einen substanziellen Anteil an den Malignomerkrankungen aufweist.

In verschiedenen Studien sind unterschiedliche medikamentöse Ansätze gewählt worden, um einem chemotherapieinduzierten Myokardschaden entgegenzuwirken. Wenig konkrete Daten existieren bisher zu dem potenziellen Nutzen einer Betablocker-Gabe. Daher war das Ziel der CECCY (Carvedilol for Prevention of Chemotherapy-Induced-Cardiotoxity)-Studie, die Effekte einer Betablockergabe auf die linksventrikuläre Funktion im Rahmen einer Anthracyclin-Therapie bei Patientinnen mit Brustkrebs zu untersuchen.

 Hierfür wurden über 11.000 Patientinnen gescreent, um schlussendlich 200 Patientinnen in die Studie einschließen zu können. Der Grund für die geringe Rekrutierungsquote war, dass alle Patientinnen mit kardial wirksamen Substanzen wie ACE-Hemmern oder Aldosteron-Antagonisten (ARB) ausgeschlossen wurden, um Nebeneffekte zu vermeiden. Von den ursprünglich 200 Patientinnen wurden schließlich 96 in die Placebogruppe und 96 in die Serumgruppe randomisiert. Die mittlere Carvedilol-Dosis betrug 18,5 + 17,6 mg/d.

Kein Schutz vor Verschlechterung der Pumpfunktion

Ein über 10%iger Verschlechterung der LV-Funktion – der primäre Endpunkt – trat unter Carvedilol-Therapie nicht seltener ein als unter Placebo. Mit 14% in der Placebogruppe und 15% im Therapiearm war die Ereignisrate insgesamt geringer, als von den Autoren angenommen.

Ein Unterschied zeigte sich lediglich in einem moderat höheren Anstieg des Troponins (sekundärer Endpunkt) unter maximaler Anthracyclin-Gabe in der Placebogruppe. Allerdings handelte es sich dabei um sehr diskrete Veränderungen, sodass eine klinische Relevanz hier fraglich erscheint. Ebenfalls zeigte sich eine diskret verbesserte diastolische Funktion unter Betablockertherapie.

Biomarker-Veränderungen von fraglicher Relevanz

Insgesamt konnte in dieser Studie – bei einer erfreulich geringen Ereignisrate – kein durchgreifender Erfolg der Betablockertherapie nachgewiesen werden. die unter klinischen Aspekten allerdings sehr niedrig dosiert gewesen ist. Die diskreten Veränderungen im Troponin sind eher von fraglicher Relevanz, bedenkt man, dass man ähnliche Anstiege häufig auch bei Marathonläufern findet. Wichtig hingegen erscheint eine Fortführung der Kontrolle der linksventrikulären Funktion, da unter Anthracyclin-Gabe durchaus mit Langzeitschäden zu rechnen ist. Insofern warten wir mit Spannung auf die von den Autoren versprochenen zwei Jahres Follow-up-Ergebnisse.

Literatur

American College of Cardiology’s 67th Annual Scientific Session, Orlando, 10.-12. März 2018

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