Nachrichten 13.03.2018

Die Defibrillatorweste hilft – aber nicht gegen arrhythmogenen Herztod

VEST ist die erste randomisierte kontrollierte Studie zur Herztod-Prophylaxe mit einer tragbaren Defibrillatorweste bei Postinfarktpatienten mit linksventrikulärer Dysfunktion. Die Ergebnisse sorgen für Diskussionen.

Der plötzliche Herztod nach durchgemachtem Myokardinfarkt bleibt eine der großen kardiologischen Herausforderungen auch im 21. Jahrhundert. Studien mit implantierbaren Defibrillatoren (ICD) in der frühen Postinfarktphase (< 40 Tage) wie IRIS und DINAMIT konnten keinen Benefit mit Blick auf den arrhythmogenen Tod oder gar die Gesamtmortalität nachweisen.

Der VEST-Studie adressiert nun die Frage, ob mit Hilfe einer tragbaren Defibrillatorweste (WCD) der plötzliche Herztod bei Patienten mit relevant eingeschränkter kardialer Pumpfunktion (EF < 35 %) in der frühen Postinfarktphase vor einem arrhythmogenen Herztod schützen und damit die Lücke bis zur endgültigen Entscheidung über einer ICD-Indikation schließen kann. Dafür wurden 2.302 Patienten (27 % weiblich) mit und ohne WCD-Therapie für einen Zeitraum von 90 Tagen nach Studieneinschluss, der spätestens binnen sieben Tage nach Krankenhausentlassung erfolgen musste, nachbeobachtet.

Der primäre Endpunkt als Kombination aus plötzlichem Herztod und Tod aufgrund einer ventrikulären Tachyarrhythmie wurde mit 1,6 % (WCD-Gruppe) vs. 2,4 % (Kontrollgruppe) überraschenderweise verfehlt (p = 0,18). Auch die sekundären Endpunkte wie nicht kardialer Tod und herzinsuffizienzbedingte Hospitalisation waren nicht unterschiedlich.

Erstaunlicherweise findet sich aber ein signifikanter Mortalitätsvorteil nach 90 Tagen zugunsten der WCD-Gruppe, was vor dem Hintergrund des verfehlten primären Endpunkts Fragen bezüglich der zugrundeliegenden Mechanismen aufwirft. Diese konnten auch in der anschließenden Diskussion nicht befriedigend beantwortet werden.

Ein weiterer, das Ergebnis möglicherweise negativ beeinflussender Faktor scheint die Patientencompliance gewesen zu sein. So nahm über die Nachbeobachtungszeit nicht nur die absolute Zahl an Patienten ab, die den WCD nutzten, sondern bei den verbliebenen Patienten auch die Tragedauer auf im Mittel nur 14,1 Stunden/Tag

Das Auftreten von insgesamt vier Schlaganfällen in der Kontrollgruppe versus keinem Schlaganfall in der WCD-Gruppe wirft die Frage nach einer potenziell besseren Rhythmusüberwachung mittels Defibrillatorweste auf.

Insgesamt überrascht die VEST-Studie mit einer signifikanten Reduktion der 90-Tage-Mortalität bei gleichzeitigem Verfehlen seines primären Endpunkts, der Reduktion des plötzlichen, tachyarrhythmisch bedingten Herztods. Auch wenn ein Effizienznachweis des Systems erbracht wurde, bleibt seine Überlegenheit unklar und es bedarf einer besseren Identifizierbarkeit von Patienten, die von seiner Nutzung profitieren. Wichtig ist ganz sicher auch die Motivierung der Patienten zur Verbesserung der „Tragecompliance“.

Literatur

Präsentiert von Dr. Jeffrey E. Olgin bei der 67. Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) 2018, 10.–12. März 2018, Orlando, FL

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