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10.03.2018 | ACC-Kongress 2018 | Nachrichten

Risikofaktor-Screening

EKG-Pflaster verdreifacht Detektionsrate von Vorhofflimmern

Autor:
Philipp Grätzel

In einem Risikokollektiv für Vorhofflimmern wird die Herzrhythmusstörung bei Einsatz eines EKG-Pflasters für knapp zwei Wochen deutlich häufiger entdeckt als bei Standardversorgung. Es werden auch mehr Patienten antikoaguliert.

EKG-Pflaster, die Ein-Kanal-EKGs aufzeichnen, kommen derzeit in einer ganzen Reihe prospektiver klinischer Studien zum Einsatz, bei denen es darum geht, Vorhofflimmern zu entdecken. Die im vergangenen Jahr gestartete Apple Heart Study in den USA nutzt EKG-Pflaster des Unternehmens BioTelemetry als zweite Screening-Stufe bei Patienten, bei denen ein Apple Watch-Algorithmus einen Verdacht auf Vorhofflimmern gemeldet hat.

In Deutschland soll bald, gefördert vom Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung die SCREEN-AF-Studie starten, bei der Patienten von ihren Hausärzten das EKG-Pflaster Zio von iRhythm zum Screening auf Vorhofflimmern einsetzen.

mSToPS-Studie: Rekrutierung per Post

Bei der Jahrestagung des American College of Cardiology in Orlando wurden jetzt die Ergebnisse einer ähnlich gestrickten US-amerikanischen Studie vorgestellt, der mSToPS-Studie, in der ebenfalls das Zio-Pflaster zum Einsatz kam. Es besitzt eine FDA-Zulassung. 1732 Probanden mit moderat erhöhtem  Risiko für Vorhofflimmern  – der mediane CHA2DS2-VASc-Score betrug 3 Punkte – nahmen teil. Die Teilnehmer wurden nicht über Ärzte rekrutiert, sondern per Post und Telefon über die Health Maintenance-Organisation Aetna.

Die Patienten wurden anhand der Versicherungsdatenbank mit einer doppelt so großen Anzahl von Probanden gematcht, die dasselbe Alter, Geschlecht und Risikoprofil hatten, aber kein Pflaster zugeschickt bekamen. Das Pflaster wurde in der Interventionsgruppe im Mittel zwölf Tage getragen, danach in einem vorfrankierten Umschlag an die Versicherung zurückgeschickt und ausgewertet. Primärer Endpunkt war die Inzidenz von Vorhofflimmern nach einem Jahr.

Deutlich höhere Detektionsrate

Diese betrug in der Interventionsgruppe 6,3%, in der Kontrollgruppe 2,3%. Vorhofflimmern wurde also annähernd dreimal so oft entdeckt, wenn das Pflaster einmalig für ein bis zwei Wochen getragen wurde.

Nicht bei jedem, aber doch bei einem Teil der Patienten zogen die behandelnden Ärzte daraus auch Konsequenzen: 5,4% der Patienten in der Interventionsgruppe, aber nur 3,4% in der Kontrollgruppe waren am Ende der Studie oral antikoaguliert. Und 0,8% bzw. 0,3% der Patienten nahmen antiarrhythmische Medikamente. Diese Unterschiede waren jeweils statistisch signifikant.

Patienten waren 99 Prozent der Zeit im Sinusrhythmus

Das Ganze ging erwartungsgemäß einher mit etwas häufigeren Besuchen beim Hausarzt beziehungsweise in den kardiologischen Ambulanzen. Keinen Unterschied gab es bei Besuchen in der Notaufnahme oder bei Krankenhauseinweisungen.

Ebenfalls (noch?) keinen Unterschied gab es bei klinischen Endpunkten, namentlich Schlaganfälle und Embolien. Dr. Steven R. Steinhubl, Leiter Digitale Medizin am Scripps Translational Science Institute in La Jolla, Kalifornien, betonte in Orlando, dass dies bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von derzeit acht Monaten nicht verwunderlich sei. Insgesamt sollen die Studienteilnehmer zwei Jahre begleitet werden.

Die Wissenschaftler werteten die EKG-Streifen auch im Hinblick auf die Dauer des Vorhofflimmerns aus. Im Mittel hatten die Patienten, bei denen mit dem Pflaster Vorhofflimmern gefunden wurde, nur ein Hundertstel der Messzeit Vorhofflimmern, die restliche Zeit Sinusrhythmus. Dies spreche dafür, dass die Prävalenz nicht detektierten paroxysmalen Vorhofflimmerns in der Allgemeinbevölkerung höher sein könnte als bisher angenommen, so Steinhubl.

Literatur

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