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15.03.2018 | ACC-Kongress 2018 | Nachrichten

Terminale Herzinsuffizienz

Modernes Linksherzunterstützungssystem auch langfristig deutlich komplikationsärmer

Autor:
Veronika Schlimpert

Moderne Linksherzunterstützungssysteme könnten Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz auch längerfristig ein komplikationsarmes Überleben ermöglichen. Die 2-Jahres-Daten für das neue HeartMate 3-System sind jedenfalls vielversprechend.

Das moderne Linksherzunterstützungssystem HeartMate 3 könnte sich bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz auch zur dauerhaften Kreislaufunterstützung eignen. Die seit August 2017 von der FDA zugelassene kontinuierliche Zentrifugalpumpe hat sich in bisherigen Studien als deutlich komplikationsärmer erwiesen als das Vorgängermodell HeartMate II (kontinuierliche Axialpumpe).

Die 2-Jahresdaten der MOMENTUM 3-Studie machen nun deutlich, dass das neue System dem bisherigen Standard auch auf lange Sicht deutlich überlegen ist, resümierte der Studienautor Mandeep Mehra, der die Ergebnisse auf dem ACC-Kongress in Orlando präsentierte.  In der von Abbott gesponserten Studie hatten 366 Patienten aufgrund einer terminalen Herzinsuffizienz  (Klasse IIIb–IV) randomisiert entweder das HeartMate 3- oder das HeartMate II-System implantiert bekommen.

LVADs werden immer mehr zur Dauerlösung

Aufgrund des latenten Spendermangels sind immer mehr Menschen mit terminaler Herzinsuffizienz auf ein LVAD angewiesen. Die Systeme werden entweder als Überbrückung bis zur Herztransplantation (bridge-to-target) oder zur dauerhaften  Kreislaufunterstützung (destination therapy) eingesetzt, wenn eine Transplantation nicht mehr infrage kommt. Als Dauerlösung waren die bisherigen Pumpensysteme allerdings nur bedingt geeignet, da sich in deren Gehäuse häufig thrombotisches Material ablagerte. Pumpenthrombosen gehören zu den häufigsten Komplikationen von LVADs.

HeartMate 3 bisher ohne Pumpenthrombosen

Um diesem Problem Herr zu werden, wurde das  HeartMate 3-System mit einer speziellen Magnetschwebetechnik ausgestattet. Die Rotationspumpe wird über einen Magneten in der Schwebe gehalten, sodass der Kontakt mit Umgebung ausbleibt und das Blut ungehindert fließen kann. Eine weitere technische Raffinesse ist ein von der Pumpe durch abwechselndes Beschleunigen und Verlangsamen selbst erzeugter Puls. Dieser artifizielle Puls soll einen Blutstau in der Pumpe verhindern.  

Die ersten Lorbeeren für diese technischen Weiterentwicklungen erntete die Pumpe bereits beim AHA-Kongress 2016. Damals wurden die 6-Monats-Daten der MOMENTUM 3-Studie vorgestellt. In den sechs Monaten war es mit der modernen Zentrifugalpumpe zu keiner einzigen Pumpenthrombose gekommen, 18 solcher Komplikationen wurden bei dem HeartMate II-System berichtet.

2-Jahresdaten bestätigen Überlegenheit

Wie die 2-Jahresdaten der Studie nun deutlich machen, ist bei der modernen Pumpe auch auf lange Sicht mit deutlich weniger Komplikationen zu rechnen als mit dem Vorgängermodell. So waren zu diesem Zeitpunkt 79,5% der Patienten, die das HeartMate 3-System implantiert bekommen hatten, am Leben, ohne dass ein Schlaganfall mit nachfolgender Behinderung aufgetreten war oder eine erneute Operation, ein Austausch oder die Entfernung der Pumpe erforderlich waren. In der Gruppe mit der Axialpumpe überlebten 60% der Patienten ohne solche Komplikationen.

Damit war die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des primären Endpunktes – das komplikationsfreie Überleben nach 2 Jahren – mit dem neuen System mehr als doppelt so hoch wie mit dem Vorgängermodell (Hazard Ratio, HR: 0,46; p < 0,001 für Überlegenheit).

Erneute Operationen wegen Pumpen-Fehlfunktionen waren in der HeartMate 3-Gruppe deutlich seltener erforderlich (1,6 vs. 17,0%). Die Schlaganfall-Rate war um mehr als 50% reduziert (10,1 vs. 19,2%; HR: 0,47).

Allerdings  gab es während der zwei Jahre zumindest zwei Verdachtsfälle von Pumpenthrombosen in der HeartMate 3-Gruppe (1,1%).  Die Thrombosen könnten aber auch außerhalb der Pumpe entstanden  und erst nachträglich in die Pumpe gelangt sein, vermuten die Studienautoren in der zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ erschienenen Publikation. Deutlich häufiger wurde eine Pumpenthrombose bei Patienten mit dem Vorgängermodell vermutet, nämlich bei 27 Patienten (15,7%).

Literatur

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