Nachrichten 14.03.2018

SGLT2-Hemmer: „Real world“-Analyse deutet auf Mortalitäts-Vorteil hin

In einer großen Fall-Kontroll-Studie mit mehr als 470.000 Typ-2-Diabetikern hat sich an einem breiten Patientenkollektiv aus der Praxis („Real World“) erneut gezeigt, dass SGLT2-Hemmer-Therapie mit weitaus weniger kardiovaskulären Komplikationen assoziiert sind als andere Antidiabetika.

Mit der EMPA-REG-OUCOME-Studie und der CANVAS-Studie liegen bisher zwei prospektive Interventionsstudien vor, deren Ergebnissen zufolge die Behandlung mit den SGLT2-Inhibitoren Empagliflozin oder Canagliflozin bei Typ-2-Diabetikern mit kardiovaskulären Risikofaktoren die Risiken für Tod, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt und Schlaganfall reduziert. Die Ergebnisse einer weiteren großen Studie dieser Art, diejenigen der DECLARE-TIMI-58-Studie mit Dapagliflozin bei 17.150 Patienten, erwartet man 2019.

In der Zwischenzeit werden die Ergebnisse großer pharmako-epidemiologischer Registerstudien des von der Firma AstraZeneca gesponsorten CVD-REAL-Programmes vorgelegt, die an breiten Patientenkollektiven im Praxisalltag erhoben werden, aufgrund ihres Fall-Kontroll-Designs aber eine nachgelagerte methodische Wertigkeit aufweisen im Vergleich zu prospektiven Doppelblindstudien.

Über eine solche Studie mit ca. 90.000 Diabetikern aus skandinavischen Ländern wurde letztes Jahr berichtet (CVD-REAL Nordic). In der Studie hatte man knapp 23.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes unter SGLT2-Inhibitoren mit ca. 70.000 „gematchten“ Patienten verglichen, welche auf andere Antidiabetika eingestellt wurden. Unter den SGLT2-Inhibitoren dominierte Dapagliflozin mit 94 %. Im Verlaufe von nur 0,9 Jahren wurde eine um fast 50 % reduziertes relatives Risiko für die kardiovaskuläre Mortalität in der Gruppe mit SGLT2-Inhibitoren beobachtet.

Die CVD-REAL 2-Studie mit 470.000 Patienten

Die nun bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) präsentierte „CVD-REAL 2 Study“ basieren auf Daten von über 400.000 Patienten aus den Ländern Südkorea, Japan, Australien, Kanada und Israel. Erneut wurden mit dem statistischen Verfahren des Propensity-Score-Matchings Patienten, die neu auf SGLT2-Inhibitoren oder andere Antidiabetika eingestellt worden waren, bezüglich kardiovaskulärer Endpunkte in der Folgezeit verglichen. In der SGLT2-Gruppe waren die Patienten zu 70,6 % mit Dapagliflozin behandelt worden, zu 13,2 % mit Empagliflozin, zu 4,3 % mit Canagliflozin in 12 % mit anderen Vertretern der Substanzklasse.

Beeindruckend in dieser Studie ist vor allem die um 49 % geringere Gesamtmortalität unter SGLT2-Hemmern. Der Unterschied war in allen Einzelländern erheblich und signifikant, in Australien und Israel lag die Hazard Ratio für das Sterberisiko unter SGLT2-Inhibitoren im Bereich von 0,3 bis 0,4.

Signifikante Risikosenkung auch für Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Infarkt

Darüber hinaus wurden das relative Risiko für Hospitalisation wegen Herzinsuffizienz um 36 %, das Myokardinfarktrisiko um 19 % und das Schlaganfallrisiko um 32 % reduziert.

Je 235.000 Patientenpaare sind miteinander verglichen worden. Die Patienten wiesen eingangs zu 25 % eine kardiovaskuläre Erkrankung und zu 50 % mikrovaskuläre Komplikationen auf.

Literatur

American College of Cardiology 67th Annual Scientific Session, Orlando, 10.–12. März 2018; Kosiborod M et al. The CVD-REAL 2 Study.
Simulatan veröffentlicht in: Kosiborod M et al. Lower Cardiovascular Risk Associated with SGLT-2i in >400,000 Patients: The CVD-REAL 2 Study. Mar 2018, https://doi.org/10.1016/j.jacc.2018.03.009

Neal B et al. N Engl J Med. 2017;377:644-657

Zinman B et al. N Engl J Med. 2015;373:2117-28

Birkeland KI et al. Cardiovascular mortality and morbidity in patients with type 2 diabetes following initiation of sodium-glucose co-transporter-2 inhibitors versus other glucose-lowering drugs (CVD-REAL Nordic): a multinational observational analysis. Lancet Diab Endocrinol. 2017;5(9):709-17, https://doi.org/10.1016/S2213-8587(17)30258-9

Neueste Kongressmeldungen

Herzinsuffizienz-Patienten scheinen erhöhtem Krebsrisiko ausgesetzt

Haben Herzinsuffizienzpatienten ein erhöhtes Risiko, an einem Tumor zu erkranken? Eine große Studie aus Deutschland lässt das vermuten. Ein deutscher Kardiologe hält einen kausalen Zusammenhang für möglich.

Herzinsuffizienz: Sind ältere Patienten untertherapiert?

Über 80-Jährige mit Herzinsuffizienz scheinen seltener die nötigen Therapien zu erhalten als jüngere Patienten. Welche Behandlungen sich besonders unterscheiden und woran das liegen könnte, zeigen neue Daten vom Heart Failure Kongress.

Herzschutz durch „Fischöl“: Neue Daten, anhaltende Kontroverse

Die Debatte über den kardioprotektiven Nutzen einer Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs (“Fischöl”) hat mit einer jüngst beim ACC-Kongress präsentierten sekundären Analyse der STRENGTH-Studie neuen Diskussionsstoff erhalten.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

DGK-Jahrestagung 2021 on demand

Alle Vorträge der DGK-Jahrestagung 2021 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. Die wichtigsten Studien und Neuigkeiten haben wir außerdem für Sie redaktionell zusammengefasst. 

AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
DGK.Online 2021/© DGK