Nachrichten 13.03.2018

TAVI: Künftig eine Option auch bei „Low-risk“-Patienten?

Neue 5-Jahres-Daten der NOTION-Studie sprechen dafür, dass sich die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) auch bei Patienten mit niedrigem Operationsrisiko zu einer Alternative zum chirurgischen Aortenklappenersatz entwickeln könnte.

In den letzten Jahren ist die Indikation zum transvasalen Aortenklappenersatz (TAVI) bei schwerer Aortenklappenstenose zunehmend erweitert worden. Zu Beginn war diese interventionelle Therapiemethode noch ausschließlich schwerstkranken Patienten vorbehalten, die für eine operative Therapie nicht mehr infrage kamen.

Nachdem zunächst operable Patienten hohem Risiko und dann auch Patienten mit mittlerem Risiko mittels TAVI erfolgreich behandelt werden konnten, stellten die Autoren der NOTION-Studie um den dänischen Herzchirurgen Dr. Gustav Thyregod jetzt erstmals auf dem ACC-Kongress in Orlando 5-Jahres-Daten von mit TAVI behandelten Patienten mit einem niedrigen Operationsrisiko vor.

Eingeschlossen wurden in diese „all comer study“ Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose, die über 70 Jahre alt waren und sowohl für eine TAVI Prozedur als auch einen chirurgischen Klappenersatz infrage kamen. insgesamt wurden 280 Patienten randomisiert, die alle über fünf Jahre nachbeobachtet werden konnten. Der STS-Risikoscore war bei den Teilnehmern mit unter 4 % in der Tat sehr niedrig.

Nahezu Gleichheit nach fünf Jahren

Weder beim primären Endpunkt Gesamtsterblichkeit, Schlaganfall und Herzinfarkt (39,2 vs. 35,8 %) noch bei sekundären Endpunkten zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen interventionellem Klappenersatz und chirurgischem Klappenersatz. Die Gesamtsterberate war mit 27,7 % in beiden Gruppen gleich und so niedrig wie in keiner früheren TAVI-Studie mit so langer Beobachtungsdauer.

Auffällig war jedoch eine signifikant höhere Anzahl an Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach chirurgischem Aortenklappenersatz auf der einen Seite und eine deutlich höhere periinterventionelle Schrittmacherpflichtigkeit nach TAVI auf der anderen Seite.

Ein weiterer Unterschied war die signifikant größere Aortenklappenöffnungsfläche nach TAVI, welche allerdings auch mit einem höheren Maß an Aortenklappeninsuffizienz vergesellschaftet war. Diese Aortenklappeninsuffizienzen hatten in der Initialphase nach Intervention einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Patienten, welche sich jedoch bis zum Jahr Fünf wieder egalisierte.

Relativ kleines Studienkollektiv

Zusammengefasst konnte die NOTION-Studie zwar nur an einem relativ kleinen Patientenkollektiv, aber dafür auch schon sehr früh (Beginn der Studie 2009) auf eindrucksvolle Weise nachweisen, dass die TAVI Prozedur auch bei Patienten mit einem niedrigen operativen Risiko eine sinnvolle und wahrscheinlich auch gleichwertige Behandlungsmethode im Vergleich zum konventionellen operativen Klappenersatz darstellt.

Sicherlich müssen jetzt noch Langzeitdaten abgewartet werden, die insbesondere bei einem relativ gesunden Patienten mit Aortenstenose, die noch eine relativ lange Lebenserwartung haben, von ganz besonderer Bedeutung sind. Die hohe Rate an Schrittmacherimplantationen von über 40% wird hoffentlich durch Verbesserung der Implantationstechniken sowie Optimierung der Klappenprothesen mittelfristig deutlich gesenkt werden können.

Literatur

Präsentation beim Kongress des American College of Cardiology (ACC), 10.–12. März 2018 in Orlando. H. G. H. Thyregod für die NOTION Investigators.

Neueste Kongressmeldungen

Wie sich Herzinsuffizienz-Patienten anhand eines EKGs erkennen lassen

Künstliche Intelligenz kann vieles erkennen, was für Menschen kaum oder gar nicht nachvollziehbar ist. Eine randomisierte Studie deutet nun darauf hin, dass ein mit Maschinenlernen hinterlegtes EKG dabei helfen kann, Herzinsuffizienz auf Hausarztebene früher zu erkennen.

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Expertenblickpunkt/© DoxaDigital / Getty Images / iStock [M]
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell