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11.03.2018 | ACC-Kongress 2018 | Nachrichten

Kardio-Onkologie

Trastuzumab-Therapie: ACE-Hemmer und Betablocker bieten nur partiellen Herzschutz

Autor:
Philipp Grätzel

Eine prophylaktische Therapie mit Betablockern oder ACE-Hemmern kann die kardialen Folgen einer Brustkrebsbehandlung mit Trastuzumab nicht durchweg verhindern. Allerdings: Wer zuvor schon Anthrazykline eingenommen hatte, der hat wohl doch etwas davon.

Trastuzumab ist aus der Therapie von Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs nicht mehr wegzudenken. Es hat aber einen Haken: Bis zu einem Viertel der Frauen, die es verordnet bekommen, verspüren kardiale Symptome. Sie sind meist mild, aber im Einzelfall kann es bis zu einer symptomatischen Herzinsuffizienz gehen. Ärzte stehen insbesondere dann vor einer schwierigen Entscheidung, wenn die Frauen bereits vor Therapiebeginn eine eingeschränkte kardiale Auswurfleistung aufweisen.

Kein Unterschied bei der Herzfunktion …

US-Kardiologen haben beim ACC-Kongress 2018  in Orlando jetzt die Ergebnisse einer dreiarmigen randomisierten Studie vorgestellt, in der sie bei Frauen mit zuvor normaler Herzfunktion, die Trastuzumab erhalten sollten, untersucht haben, ob eine Begleittherapie mit entweder 10 mg Carvedilol oder 10 mg Lisinopril im Vergleich zu Placebo vor einer Verschlechterung der Herzfunktion schützt.

An der Studie nahmen 468 Patientinnen aus 165 Zentren in Nordamerika teil. Keine von ihnen nahm zuvor irgendwelche kardialen Medikamente. Die Frauen wurden während ihrer Trastuzumab-Therapie insgesamt zwei Jahre lang begleitet, in denen sie täglich ihr Studienmedikament einnahmen und alle drei Monate echokardiographisch untersucht wurden. Am Ende gab es im Gesamtkollektiv keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Herzfunktion jener Patientinnen, die Betablocker oder ACE-Hemmer einnahmen und jener, die Placebo bekommen hatten.

… aber Schutzeffekt in einer Subgruppe

Die Studienärzte um Professor Maya Guglin von der Abteilung für kardiovaskuläre Erkrankungen der Universität Kentucky unternahmen dann eine Subgruppenanalyse, in der sie jene Patientinnen separat untersuchten, die entweder parallel zu Herceptin noch ein Anthrazyklin bekamen oder aber zuvor schon eine anthrazyklinhaltige Chemotherapie über sich ergehen hatten lassen. Bei  diesen Patientinnen (etwa die Hälfte der Studienpopulation)  fand sich dann doch ein protektiver Effekt der kardialen Medikation: Die Abnahme der linksventrikulären Auswurfleistung war nur halb so ausgeprägt wie in der Placebo-Gruppe, was statistisch signifikant war. In Sachen Verträglichkeit schnitt Carvedilol etwas besser ab als Lisinopril.

Anthrazykline sind deutlich kardiotoxischer als Trastuzumab. Guglin spekulierte, dass die Herzen durch die vorherige Anthrazyklintherapie quasi vorgeschädigt wurden und dass Trastuzumab in dieser Konstellation schädlicher sei. In jedem Fall scheine es auf Basis der Studienergebnisse ratsam, bei Frauen, die Trastuzumab erhalten sollen und die vorher bereits Anthrazykline bekommen haben, begleitend entweder einen ACE-Hemmer oder einen Betablocker zu verordnen, so Guglin.

Umgekehrt mache der protektive Effekt der Herzmedikamente unter Umständen auch die Entscheidung für eine kombinierte Trastuzumab-/Anthrazyklin-Therapie leichter, betonte die Onkologin Dr. Pamela Munster, Mitautorin der Studie.

Literatur

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