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16.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Myokardinfarkt und Komorbiditäten

Depressions-Screening nach Herzinfarkt ohne Effekt auf Lebensqualität

Autor:
Philipp Grätzel

Fast jeder zehnte Patient mit Herzinfarkt oder instabiler Angina pectoris leidet nach dem Ereignis an einer Depression. Betroffene über ein Screening zu identifizieren, hat keinen Effekt auf die Lebensqualität.

Eine Depression ist bei Patienten mit Myokardinfarkt oder instabiler Angina pectoris eine häufige Komorbidität. Patienten, die davon betroffen sind, hatten in mehreren Studien ein schlechteres kardiovaskuläres Outcome, teilweise auch eine erhöhte Sterblichkeit.

Bei der Jahrestagung der ACC in New Orleans hat Prof. Ian Kronish vom Center for Behavioral Cardiovascular Health der Columbia University jetzt die Ergebnisse der CODIACS-QOL-Studie vorgestellt, in der untersucht wurde, ob es mit Blick auf die Lebensqualität Sinn macht, Patienten mit akutem Koronarsyndrom auf Depression zu screenen.

Das war nicht der Fall. Patienten, die gescreent wurden, hatten über einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten keine bessere Lebensqualität – gemessen in qualitätsadjustierten Lebensjahren (QALY) – als Patienten, die nicht gescreent wurden. Das galt auch dann, wenn ein spezielles Versorgungsprogramm initiiert wurde, um die Depression zu behandeln.

Auch Zahl depressionsfreier Tage nicht unterschiedlich

Insgesamt hatten 1500 Patienten an der CODIACS-QOL-Studie teilgenommen. Alle waren innerhalb der vorausgehenden zwölf Monate wegen eines akuten Koronarsyndroms stationär behandelt worden. Die Randomisierung erfolgte in drei Gruppen. Ein Drittel der Patienten wurde versorgt wie immer. Bei einem weiteren Drittel erfolgte ein Depressions-Screening, und der Patient sowie dessen Arzt wurden informiert, wenn das Screening pathologisch ausfiel. Beide konnten dann gemeinsam entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Im dritten Arm der Studie schließlich wurden Patient und Arzt nicht nur informiert, sondern es wurde direkt ein spezielles Versorgungsprogramm für Depression initiiert.

Nicht nur bei den QALYs gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen, die mittlere Gesamtzahl depressionsfreier Tage über 18 Monate unterschied sich ebenfalls nicht signifikant. Auch bei den depressiven Symptomen nach neun Monaten schnitten die drei Gruppen gleich ab.

Kronish betonte, dass die Ergebnisse nicht zwangsläufig bedeuten, dass es keinen Sinn mache, nach einer Depression zu suchen. Die Studie zeige lediglich, dass entweder ein pauschales Screening nicht sinnvoll oder aber die Therapie der Depression nach einem akuten kardialen Ereignis nicht effektiv genug sei.

War die Studie unterpowert?

Insgesamt fiel der Depressions-Screening-Test in der CODIACS-QOL-Studie bei 7% der Patienten positiv aus. Das war weniger als in anderen Studien und deutlich weniger als angenommen: Die Studie war auf eine Depressionsinzidenz von 20% gepowert. Es könnte deswegen auch sein, dass die Studie schlicht unterpowert war und Unterschiede zwischen den Gruppen deswegen nicht entdeckt wurden. Der Studienleiter erklärte die niedrige Inzidenz damit, dass Patienten, die bereits eine antidepressive Therapie erhielten, nicht an der Studie teilnehmen konnten.

Literatur

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