Nachrichten 21.03.2019

Hochsensitive Troponine in der Routineversorgung. Segen oder Fluch?

In der Sitzung „High Sensitivity Troponin – Ready for Prime Time?“ beim ACC-Kongress 2019 ging es unter anderem um die Bedeutung hochsensitiver Troponin-Tests und damit potenziell einhergehende „Fallstricke“ unter den in den USA herrschenden Bedingungen der Routineversorgung.

In den USA wie auch weltweit ist die Zunahme bei den Troponin Bestimmungen über die letzten Jahre ist enorm groß. Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung von Dr. James A. de Lemos aus Dallas zum einen die Zunahme an kardiovaskulären Erkrankungen und die damit einhergehende Zunahme von Patienten in den Notaufnahmen.

Der zusätzlich zunehmende „juristische Druck“, insbesondere in den USA, begünstige diese Entwicklung noch weiter. Vor allem die Sorge, einen Myokardinfarkt zu übersehen, bedingt, dass Troponin-Bestimmungen in Notaufnahmen häufig auch bei Niedrig-Risiko-Patienten mit nicht-typischen kardialen Beschwerden durchgeführt werden. Das führt zu beträchtlichen und eventuell vermeidbaren Kosten und gelegentlich auch zu unnötigen weiteren, teils invasiven diagnostischen Maßnahmen. Gleichwohl ist die frühzeitige Detektion einer myokardialen Gewebeschädigung die entscheidende Voraussetzung für eine optimale Therapie.

In den USA führen niedrigere Schwellenwerte für hs-Troponin zu einer geringeren Spezifität des Tests als in Europa. Die Troponin-Werte müssen deshalb immer im Zusammenhang mit dem klinischen Bild des Patienten betrachtet werden, betonte Dr. Allan Jaffe von der Mayo-Klinik in Rochester. Risikoscores könnten helfen, unklare Troponin-Bestimmungen besser einzuordnen, entscheidend sei aber die korrekte und gewissenhafte klinische Beurteilung des Patienten. Um diese zu gewährleisten, liege es in der Verantwortung der erfahrenen Kardiologen, die jüngeren Kollegen klinisch fundiert auszubilden, so Jaffe.

In den USA wurden unterschiedliche Algorithmen zum Ausschluss eines akuten Koronarsyndroms entwickelt, wobei hs-Troponin aufgrund seiner hohen Sensitivität immer eine wesentliche Rolle spielt. Kritisch diskutiert wurde auch der Umgang mit Patienten, die unter unklaren Thoraxschmerzen leiden und Troponin negativ sind.

Die Follow-up-Versorgung im ambulanten Bereich scheint in den USA nicht so lückenlos gewährleistet zu sein, wie dies in Deutschland der Fall ist. Standardmäßige Vorstellung zu nicht-invasiven ambulanten Stress-Tests und Nachkontrollen in kardiologischen Facharztpraxen scheinen in den USA nicht die gleiche Wertigkeit zu haben wie in Deutschland. Dementsprechend herrschte auch über die Zeitfenster einer ambulanten Nachkontrolle im Anschluss an eine Vorstellung auf einer Notaufnahme Unsicherheit. Das betrifft Prozesse, wie wir sie in Deutschland in Rahmen von Kooperationsmodellen wie Chest Pain Units und Brustschmerz-Ambulanzen sowie stationären und ambulanten Heart Failure Units schon seit längerem definiert haben. Diese Modelle klinisch-ambulanter Versorgung können eben genau die Lücken in der Diagnostik schließen, welche zwangsläufig im Rahmen einer überlaufenen Notaufnahme unter Zeitdruck und mit einem überschaubaren Maß an Erfahrung entstehen können.

Literatur

Session 609: High Sensitivity Troponin – Ready for Prime Time? Kongress des American College of Cardiology, 16.–18. März 2019 in New Orleans

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell