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28.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

REDUCE-IT-Folgeanalyse bestätigt Nutzen

Icosapent-Ethyl in hoher Dosis: Wirksame „Fischöl“-Prophylaxe, die erneut beeindruckt

Autor:
Peter Overbeck

Werden die „richtigen“ Patienten mit Eicosapentaensäure in Reinform und hoher Dosierung behandelt, kann das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse substanziell gesenkt werden. Den Beweis lieferte jüngst die REDUCE-IT-Studie. Eine erweiterte Analyse ihrer Daten zeugt nun erneut von der erstaunlichen Wirksamkeit dieser Art der Prävention.  

In der REDUCE-IT-Studie ist nach einer langen Serie von enttäuschenden Studien mit „Fischöl“-Präparaten erstmals gezeigt worden, dass das Behandlungskonzept der Substitution von marinen Omega-3-Fettsäuren  in  der Prävention von  kardiovaskulären Ereignissen  tatsächlich  von  klinischem Nutzen sein kann.  In der Studie kam bekanntlich ein verschreibungspflichtige Präparat namens Vascepa® in hoher Dosis (2 × 2 g täglich) zum Einsatz. Es enthält Eicosapentaensäure (EPA) in reiner Form (Icosapent-Ethyl) und nicht, wie in anderen Präparaten üblich, in Kombination mit Docosahexaensäure.

Kardiovaskuläre Ereignisse um 25% reduziert

Für die Studie sind nach definierten Kriterien insgesamt  8.179 Teilnehmer ausgewählt worden. Sie mussten  erhöhte Triglyzerid-Werte (150 bis maximal 500 mg/dl) und relativ niedrige LDL-Cholesterinwerte  (40 bis 100 mg/dl) unter Behandlung mit Statinen aufweisen. Bedingung war auch, dass entweder schon eine kardiovaskuläre Erkrankung oder ein Diabetes in Kombination mit mindestens einem weiteren Risikofaktor vorlagen (Sekundärprävention bei rund 70%, Primärprävention  bei rund 30% der Teilnehmer).

Nach knapp fünfjähriger Behandlungsdauer  war bei 17,2% der mit Icosapent-Ethyl und bei 22% der mit Placebo Behandelten ein Ereignis des primären kombinierten Endpunktes zu verzeichnen (kardiovaskulär verursachter Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall, Hospitalisierung wegen instabiler Angina oder koronare Revaskularisation): Die hoch dosierte EPA-Supplementierung  hatte damit eine signifikante relative Risikoreduktion um 25 Prozent bewirkt (Hazard Ratio, 0,75; 95%-KI: 0,68–0,83; p < 0,001). Das entspricht einer NNT (Number Needed to Treat) von nur 21.

Erweiterter Zeithorizont  der aktuellen Analyse

Beim ACC-Kongress 2019 in New Orleans hat Studienleiter Prof. Deepak L. Bhatt von der Harvard Medical School in Boston nun Ergebnisse einer neuen  REDUCE-IT-Analyse vorgestellt. Anders als in der Originalanalyse, bei der nur die Zeit zwischen Randomisierung und  dem Auftreten eines Ereignisses des primären Endpunktes berücksichtigt wurde, ist der zeitliche Horizont bei der aktuellen Auswertung weiter gesteckt worden. In diese Analyse sind nämlich zusätzlich alle im Studienverlauf registrierten Ereignisse  eingegangen, die in der Folgezeit nach einem nicht tödlichen  primären Endpunkt-Ereignis aufgetreten waren.

Dabei kam man auf eine Gesamtzahl von  2.909 Ereignissen, von denen  1.606  primäre Endpunkt-Ereignisse  (55%) und 1.303 Folgeereignisse  (45%) waren.  Eine Differenzierung  der Folgeereignisse ergab, dass es sich dabei zu  60% um koronare Revaskularisationen, zu 17% um tödliche oder nicht tödliche Myokardinfarkte, zu 10% um kardiovaskuläre Todesfälle, zu 7% um Klinikaufnahmen wegen instabiler Angina pectoris  und zu  6% um tödliche oder nicht tödliche  Schlaganfälle handelte.

Folgeereignisse signifikant um 30% reduziert

Zwar nahm die Therapieadhärenz bezüglich Einnahme der zugewiesenen Studienmedikation mit zunehmender Studiendauer erwartungsgemäß ab. Dennoch offenbarte auch die Analyse der  Folgeereignisse eine anhaltende  Wirksamkeit von Icosapent-Ethyl. Wie schon erwähnt, reduzierte diese Behandlung das Risiko für ein primäres Ereignis relativ um 25%.  

Als Folgeereignisse gab es 762 zweite, 272 dritte und 269 vierte oder mehr Ereignisse. Das Risiko für eine zweites Ereignis wurde durch Icosapent-Ethyl im Vergleich zu Placebo um 32% (HR 0,68, 95% CI 0,60-0,78) und das Risiko für ein drittes  Ereignis um 31%  gesenkt (HR 0,69, 95% CI 0,59-0,82). Und selbst das Risiko  für ein vierte oder gar fünftes  Ereignis war relativ um 48% niedriger ((Relative Risk 0,52, 95% CI 0,38-0,70). Bezogen auf die Gesamtzahl aller rund 1.600 Folgeereignisse ergab sich eine hochsignifikante relative Risikoreduktion um 30% durch  EPA-Prophylaxe (RR 0,70, 95% CI 0,62-0,78).

Der absolute Nutzen in Zahlen

Die REDUCE-IT-Analyse der Gesamtzahl aller Ereignisse einschließlich klinischer Folgekomplikationen offenbare das hohe Ausmaß an ischämischen Ereignissen selbst bei mit Statinen behandelten Patienten  mit erhöhten Triglyzeridwerten, betonte Bhatt. Sie zeige aber auch, dass eine Prophylaxe mit täglich 4 g  Icosapent-Ethyl die Gesamtereignisrate weiter senken könne.

Bhatt präsentierte folgende, auf Rasis der REDUCE-IT-Daten vorgenomme absolute Nutzenberechnung: Pro 1.000 Patienten, die fünf Jahre lang  Icosapent-Ethyl erhalten, werden  durch diese Behandlung 12 kardiovaskuläre Todesfälle, 42 Herzinfarkte, 14 Schlaganfälle, 76 koronare Revaskularisationen und 16 Klinikeinweisungen wegen instabiler Angina verhindert.

Literatur

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