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12.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Wie wichtig sind Kohlenhydrate?

Mehr Vorhofflimmern bei Low-Carb-Ernährung

Autor:
Joana Schmidt

Sich kohlenhydratarm zu ernähren liegt aktuell im Trend. Aber schadet das dem Herzen? Wer zu wenige Kohlenhydrate aufnimmt, entwickelt häufiger Vorhofflimmern, legt eine neue Studie nahe.

Viele Diäten wie Paleo oder die Atkins-Methode setzen darauf, Kohlenhydrate wegzulassen. Die Teilnehmer verzichten auf Zucker, Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und stärkehaltiges Gemüse oder reduzieren den Konsum dieser Lebensmittel. Das hat möglicherweise ungeahnte Folgen. Forscher um Dr. Xiaodong Zhuang von der Sun Yat-Sen-Universität Guangzhou in China fanden heraus, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert war. Durch welche Proteine oder Fette die Kohlenhydrate ersetzt wurden, spielte dabei keine Rolle.

„Die Langzeitwirkung von kohlenhydratarmer Ernährung ist immer noch umstritten, besonders inwiefern sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst“, sagt Dr. Xiaodong Zhuang, Hauptautor der Studie und Kardiologe in der Klinik der Sun Yat-Sen-Universität, in einer Pressemitteilung des American College of Cardiology (ACC). „In Anbetracht des möglichen Einflusses auf Arrhythmien legt unsere Studie nahe, dass diese beliebte Methode zur Gewichtskontrolle vorsichtig empfohlen werden sollte.“

1900 Fälle von Vorhofflimmern in 22 Jahren

Für die Studie, die am 16. März bei der Jahrestagung des ACC präsentiert wird, wurden Daten von fast 14.000 Menschen ausgewertet. Sie stammten aus der ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities) des National Institutes of Health. Zu Beginn der Studie litt kein Teilnehmer an Vorhofflimmern, im Laufe des 22-jährigen Follow-ups waren jedoch 1900 Personen davon betroffen.

Die Teilnehmer füllten Fragebögen über ihre Ernährung aus, die die Forscher zusammen mit der Harvard Nutrient Database verwendeten, um die tägliche Kohlenhydrataufnahme zu bestimmen. Durchschnittlich machten Kohlenhydrate etwa die Hälfte der verbrauchten Kalorien aus. Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmer anschließend in drei Gruppen ein, unterschieden nach niedriger, mittlerer und hoher Kohlenhydratzufuhr. Niedrig bedeutete weniger als 44,8% der täglichen Kalorien waren Kohlenhydrate, bei der mittleren Gruppe waren es 44,8% bis 52,4% und hoch bedeutete mehr als 52,4%.

Je weniger Kohlenhydrate, desto höheres Risiko für Vorhofflimmern

Das Ergebnis: Die Teilnehmer mit niedriger Kohlenhydratzufuhr hatten eine um 18% höhere Wahrscheinlichkeit, Vorhofflimmern zu bekommen, als diejenigen mit mittlerer Kohlenhydrataufnahme und eine um 16% höhere Wahrscheinlichkeit als die Personen mit hoher Kohlenhydratzufuhr.

„Für diesen Zusammenhang gibt es mehrere mögliche Erklärungen“, sagt Zhuang. Möglicherweise nehmen Menschen mit kohlenhydratarmer Ernährung weniger Obst, Gemüse und Getreide zu sich. Diese Nahrungsmittel reduzieren entzündliche Prozesse im Körper, sodass es ohne sie zu stärkeren Entzündungsreaktionen kommen kann, was Vorhofflimmern begünstigen könnte. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass der vermehrte Konsum von Eiweiß und Fett statt Kohlenhydraten oxidativen Stress auslöst, was ebenfalls in Beziehung zu Vorhofflimmern stehen könnte. Auch könnte der Effekt auf ein erhöhtes Risiko für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sein.

Literatur

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