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19.03.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Phase-I-Studie abgeschlossen

Ticagrelor-Gegenmittel erfolgreich getestet

Autor:
Joana Schmidt

Der Plättchenhemmer Ticagrelor verringert das Risiko ischämischer Ereignisse bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Er kann aber auch zu spontanen Blutungen führen. Jetzt wurde erstmals ein Gegenmittel an Menschen getestet, das die Wirkung des P2Y12-Inhibitors rasch aufhebt.

In einer kleinen Phase-I-Studie wurde ein Antidot gegen Ticagrelor an gesunden Probanden  getestet. Es konnte die Wirkung des Plättchenhemmers schnell und dauerhaft aufheben. Bisher war das nur bei Gerinnungshemmern möglich. Untersuchungen des Forscherteams um Deepak Bhatt vom Brigham and Women's Hospital in Boston zeigten, dass sich die Thrombozytenfunktion der Teilnehmer verbesserte, wenn sie nach einer Ticagrelor-Vorbehandlung PB2452 statt eines Placebos einnahmen. Die Studie wurde am 17. März 2019 auf der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) vorgestellt.

PB2452 verbessert Thrombozytenfunktion signifikant

Für die Studie randomisierten die Forscher um Bhatt 64 gesunde Freiwillige im Alter von 18 bis 50 Jahren. Sie wurden entweder mit dem monoklonalen Antikörperfragment PB2452 oder mit Placebo behandelt. Die Ticagrelor-Vorbehandlung führte bei beiden Gruppen zu einer Verringerung der Thrombozytenaggregation um etwa 80%. Das intravenös verabreichte PB2452 war mit einem signifikant stärkeren Anstieg der Thrombozytenfunktion assoziiert als das Placebo, ergaben mehrere Tests.

Die aufhebende Wirkung von PB2452 erfolgte innerhalb von 5 Minuten und hielt mehr als 20 Stunden an. Unerwünschte Ereignisse in Verbindung mit dem Versuchsmedikament beschränkten sich hauptsächlich auf Probleme mit der Infusionsstelle.

Wirkung spezifisch für Ticagrelor

Nach Meinung der Forscher ist die Wirkung von PB2452 spezifisch für Ticagrelor. Sie vermuten, dass sie sich nicht auf irreversible P2Y12-Rezeptorantagonisten wie Clopidogrel oder Prasugrel übertragen lässt. Bhatt warnt außerdem, dass nicht sicher sei, ob die Ergebnisse bei Patienten mit atherosklerotischen Gefäßerkrankungen reproduziert werden können. Es sei noch nicht klar, ob die Aufhebung der plättchenhemmenden Wirkung von Ticagrelor durch PB2452 zu einer schnelleren Hämostase bei Patienten mit Blutungen führe oder Blutungen bei invasiven Eingriffen verhindere.

Ohne Gegenmittel für P2Y12-Inhibitoren bleibt jedoch lediglich die Alternative, 3 bis 5 Tage lang abzuwarten, bis ihre Wirkung nachlässt. „Das wiederum ist gefährlich für Patienten mit lebensbedrohlichen Blutungen oder einem hohen Thromboserisiko", erläutern die Forscher. Richtlinien empfehlen, die Thrombozytenhemmer 3 bis 7 Tage vor einem chirurgischen Eingriff abzusetzen, was jedoch bei Notfalloperationen nicht möglich ist, sodass ein Gegenmittel hilfreich wäre.

Literatur

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