Nachrichten 16.04.2020

COMPASS-Studie: Wer von der Rivaroxaban/ASS-Kombi besonders profitiert

Eine Rivaroxaban/ASS-Kombi schützte in der COMPASS-Studie Patienten mit stabiler atherosklerotischer Gefäßerkrankung besser vor kardiovaskulären Ereignissen als ASS allein. Davon profitierten Patienten mit Diabetes aufgrund ihres höheren Risikos absolut in besonderem Maß.

In der erstmals beim ESC-Kongress 2017 vorgestellten COMPASS-Studie (Cardiovascular Outcomes for People using Anticoagulation Strategies) konnte bekanntlich mit einer Kombination aus Rivaroxaban in niedriger „vaskulärer“ Dosierung (2,5 mg zweimal täglich) plus Acetylsalicylsäure (ASS 100 mg einmal täglich)) das Risiko für kardiovaskuläre Ereignissen bei Patienten mit stabiler koronarer oder peripherer Gefäßerkrankung (KHK, PAVK) stärker gesenkt werden als mit ASS alleine. Die Kombination aus Antikoagulans und Plättchenhemmer reduzierte die Inzidenzrate für den primären Studienendpunkt (kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall)  im Vergleich zur ASS-Therapie relativ um 24% (p < 0,001).

Studienteilnehmer mit und ohne Diabetes profitierten mit Blick auf die relative Risikoreduktion gleichermaßen von der dualen antithrombotischen Kombi-Therapie. Da allerdings die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Diabetes-Erkrankung erwartungsgemäß höher war, war in dieser Subgruppe auch der absolute Nutzen der Rivaroxaban/ASS-Behandlung entsprechend größer. Daten dazu hat Studienleiter Dr. Deepak Bhatt vom Brigham and Women’s Hospital in Boston beim „virtuellen“ ACC-Kongress (ACC20/WCC virtual) vorgestellt.

Wenig Unterschied bei der relativen Risikoreduktion …

An der COMPASS-Studienpopulation waren insgesamt 27.395 Patienten mit stabiler KHK oder PAVK beteiligt, darunter 10.341 mit und 17.054 ohne Diabetes. Für die von Bhatt nun präsentierte Substudie waren Daten von 6.922 Teilnehmern mit zu Beginn bestehender Diabetes-Erkrankung und 11.356 Teilnehmern ohne Diabetes herangezogen worden.

Die Rate für die kombinierten Ereignisse kardiovaskuläre Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall als Komponenten des primären Endpunktes war nach drei Jahren in der Subgruppe der Patienten mit Diabetes unter Rivaroxaban-Therapie signifikant um 26% niedriger als unter Placebo-Behandlung (8,4% vs. 10,7%; Hazard Ratio [HR] 0.74, 95% Konfidenzintervall [KI] 0,61- 0,90, p=0,002). In der Subgruppe der Patienten ohne Diabetes war die Rivaroxaban-Therapie zusätzlich zu ASS mit einer relativen Risikoreduktion um 23% assoziiert (5,8% vs. 7,2%; HR 0,77; 95% KI 0,64-0,93, p=0,005).

… aber größerer absoluter Nutzen bei Diabetes-Patienten

Aufgrund des an den Inzidenzraten ablesbaren höheren Risikos von Patienten mit Diabetes war die absolute Risikoreduktion durch Rivaroxaban in dieser Subgruppe numerisch größer als bei Patienten ohne Diabetes (2,3% vs. 1,4% für den primären Endpunkt nach drei Jahren).

Das Risiko für schwerwiegende Blutungskomplikationen (modifizierte ISTH-Klassifikation) war unter dualer antithrombotischer Therapie höher als unter ASS-Monotherapie, und zwar sowohl bei Patienten mit Diabetes (4,5% vs. 3,4%; HR, 1,70; 95% KI 1,25-2,31, p=0,0006) als auch bei Patienten ohne Diabetes (4,4% vs. 3,2%; HR 1,69; 95% CI, 1,33-2,15; p<0,0001). Allerdings ging die Rivaroxaban/ASS-Therapie mit keiner Zunahme von tödlichen oder intrakraniellen Blutungen einher.

Vorteil auch beim klinischen Nettonutzen

Zur Bestimmung des klinischen Nettonutzens (net clinical benefit) haben die COMPASS-Autoren außer den kardiovaskulären Ereignissen auch schwerste Blutungskomplikationen (tödliche Blutungen, symptomatische Einblutungen in kritische Organe)  in eine Gesamtbilanz aufgenommen. Da kein Unterschied im Blutungsrisiko bestand, fiel auch diese Bilanz – absolut betrachtet – in der Subgruppe der Patienten mit Diabetes besser aus als in der Subgruppe ohne Diabetes (absolute Risikoreduktion um 2,7% vs. 1,0% nach drei Jahren).

Gerade für kardiovaskuläre Hochrisiko-Patienten wie jenen mit manifester Diabetes-Erkrankung biete sich die zusätzliche Gabe von Rivaroxaban in niedriger Dosierung als „besonders attraktive“ Option für die antithrombotische Therapie an, schlussfolgerte Bhatt aus den Ergebnisse der neuen COMPASS-Analyse.  

Literatur

Vorgestellt in der Sitzung „Featured Clinical Research 1“ beim digital präsentierten Kongress des American College of Cardiology 2020 (ACC20/WCC Virtual)

Bhatt D.L. et al.: The Role of Combination Antiplatelet and Anticoagulation Therapy in Diabetes and Cardiovascular Disease: Insights from the COMPASS Trial. Circulation 2020,  10.1161/CIRCULATIONAHA.120.046448

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