Nachrichten 29.03.2020

Burnout bei Kardiologen: In COVID-19-Zeiten könnte es noch schlimmer werden

US-Kardiologen litten 2019 noch häufiger an Burnout-Symptomen als in den Jahren zuvor. Die COVID19-Pandemie könnte die Situation verschärfen. Eine Kardiologin gibt Tipps, wie Ärzte mit der drohenden Überbelastung umgehen können.

Besorgniserregend hoch ist die Burnout-Rate unter US-Kardiologen. Mehr als jeder dritte kardiologisch tätige Arzt in den USA (35,4%) berichtete im letzten Jahr über entsprechende Symptome – Im Vergleich zu einer 2015 durchgeführten Studie ein Zuwachs von 32%. Nur 20,7% der befragen Ärzte gaben an, sich nicht gestresst zu fühlen.  

Verschärfte Situation mit COVID-19 

Die Studienautorin Dr. Laxmi Mehta befürchtet, dass sich die Situation in Zeiten von COVID-19 weiter verschärfen könnte. Das gesamte Personal im Gesundheitswesen sei mit Panik und Angst konfrontiert und hohen Stresslevel ausgesetzt, machte die Kardiologin von der Ohio State Universität bei einer digitalen Session im Rahmen des ACC-Kongresses deutlich. Dazu kommen Kontrollverlust, extreme Arbeitszeiten und hektische Bedingungen.

Diese Ärzte sind besonders gefährdet

Wie sich in der Studie von Mehta und Kollegen gezeigt hat, sind es gerade solche Rahmenbedingungen und weniger persönliche Faktoren oder Charaktereigenschaften, die bei Ärzten die Entwicklung von Burnout-Symptomen zu begünstigen scheinen.

So waren die Burnout-Raten signifikant höher bei Kardiologen, die lange Arbeitszeiten hatten oder in hektischer Umgebung arbeiteten. Ärzte mit Burnout machten eher Fehler und äußerten deutlich häufiger den Wunsch, ihren gegenwertigen Arbeitsplatz zu verlassen als nicht gestresste Ärzte. 

Frauen litten häufiger an Burnout als Männer (45,3 vs. 33,5%). Besonders gefährdet waren zudem die Ärzte, die sich in der Mitte ihrer Karrierelaufbahn befanden.

Insgesamt wurden für die Studie 19.348 ACC-Mitglieder angeschrieben, 2.025 beantworteten den Fragebogen, womit die Beteiligung bei gerade mal 14% lag und ein Selektionsbias nicht auszuschließen ist (etwa könnte es sein, dass sich die überlasteten Ärzte eher dazu veranlasst sahen, an der Umfrage teilzunehmen).

9 Tipps, wie Sie mit der COVID-19-Pandemie umgehen können

Im Umgang mit der COVID-19-Pandemie gibt Mehta ihren Kollegen und Kolleginnen folgende Ratschläge mit auf den Weg:

  1. Kontrollverlust akzeptieren: Fokussieren Sie sich auf das, was Sie kontrollieren können und akzeptieren Sie, dass COVID19 ein unbekanntes Terrain für alle darstellt.
  2. An vergangene Taten denken: Erinnern Sie sich daran, welche Herausforderungen Sie in der Vergangenheit gemeistert haben.
  3. Realistische Ziele stecken: Erwarten Sie nicht zu viel von sich und setzen sie sich nicht zu sehr unter Druck.
  4. Denkpausen gönnen: Treffen Sie sich auf eine Kaffeepause mit Kollegen und reden Sie 30 Minuten lang über etwas anderes als COVID-19.
  5. Ruhepausen: Verbringen Sie jeden Tag eine gewisse Zeit ohne Lärmbelastung.
  6. Gleichgewicht finden: Machen Sie jeden Tag etwas, was Ihnen gut tun und nichts mit ihrem Alltagsstress zu tun hat. 
  7. Auf den Körper achten: Bewegen Sie sich täglich körperlich zum Ausgleich und für einen guten Schlaf. 
  8. Glück empfinden: Fühlen Sie sich gut, weil sie anderen helfen. 
  9. Die eigene Linie finden: Erkennen Sie, dass Sie nicht alleine sind und sprechen Sie mit Kollegen über ihre Sorgen. Denken Sie daran, dass Social Distancing nicht mit sozialer Isolation gleichzusetzen ist.    

Literatur

Mehta L. Practice factors affecting cardiologists' wellbeing. Vorgestellt am 28.03.2020 in der Sitzung „Featured Clinical Research I“ beim digital präsentierten ACC-Kongress (ACC2020/WCC Virtual Experience)

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Bildnachweise
EuroPCR 2020/© ipopba / stock.adobe.com
Heart Failure 2020/© © ipopba / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH