Nachrichten 08.04.2022

Herzinsuffizienz-Therapie: Was nützen Kaliumbinder?

Kann ein oraler Kaliumbinder dazu beitragen, dass Patienten mit Herzinsuffizienz und erhöhtem Hyperkaliämie-Risiko ihre RAAS-Blocker ohne Dosisreduktion einnehmen? Die DIAMOND-Studie versuchte, darauf eine Antwort zu geben.

RAAS-Inhibitoren verbessern Morbidität und Mortalität bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF). Allerdings besteht ein erhöhtes Hyperkaliämie-Risiko, vor allem bei alten und multimorbiden Patienten, bei Diabetes und chronischer Niereninsuffizienz, erläuterte Prof. Javed Butler, Präsident des Baylor, Scott & White Health University Medical Center in Dallas, Texas. Erhöhte Kaliumwerte führen oft dazu, dass RAAS-Inhibitoren in der Dosis reduziert werden, insbesondere Mineralkortikoid-Rezeptor-Blocker (MRA). Dies könnte den prognostischen Nutzen schmälern.

In der randomisierten doppelbinden DIAMOND-Studie wollte man der Frage nachgehen, ob die Gabe des oralen Kaliumbinder Patiromer bei Herzinsuffizienz eine gute Kalium-Kontrolle gewährleistet, die Therapie mit RAAS-Blockern optimieren kann und klinische Komplikationen verhindert. Randomisiert wurden 878 Herzinsuffizienzpatienten, die entweder aktuell oder anamnestische eine Hyperkaliämie unter einer RAAS-Blocker-Therapie entwickelt hatten.

Option bei hohem Hyperkaliämie-Risiko

„Wenn Hyperkaliämie der primäre Grund ist, RAAS-Blocker nicht in leitliniengerechter Dosierung zu verschreiben, können wir mit einer Patiromer-Behandlung eine adäquate Herzinsuffizienztherapie sicherstellen und gleichzeitig das Risiko für Hyperkaliämien senken“, fasste Butler beim ACC-Kongress die Studienergebnisse zusammen. Butler sieht für die Behandlung ein Potenzial für eine Prognoseverbesserung.

Endpunkte während der Studie verändert

Allerdings hat die Corona-Pandemie die Studie verhagelt, sie wurde nicht wie geplant durchgeführt. Eigentlich hatte man als primären Endpunkt „Tod oder Krankenhausbehandlung aus kardiovaskulärer Ursache“ gewählt, ein angesichts der Patientenzahl (n=878) und Behandlungsdauer (27 Wochen) nahezu aussichtsloses Unterfangen. Aufgrund der Pandemie-bedingten Verwerfungen modifizierte man den primären Endpunkt bei laufender Studie in die Änderung des Kaliumwertes am Studienende. Damit lag die Latte aber reichlich tief.

Kaliumwerte signifikant gesenkt

Entsprechend gelang der Sprung darüber: Die Patienten der Patiromer-Gruppe wiesen in allen Subgruppen signifikant niedrigere Kaliumwerte auf, ihr Risiko für Hyperkaliämien (>5,5mEQ/L) war signifikant geringer (13,9% vs. 19,4%). Gleichzeitig musste bei ihnen die MRA-Dosis signifikant seltener reduziert werden (13,9% vs. 18,9%). 92% (Verum) vs. 87% (Placebo) der Patienten erhielten Dosierungen von MRA, ACEi, ARB oder ARNi, die über 50% der Zieldosis lagen. Vertragen wurde die Kaliumbindertherapie gut.

Keine Daten zu harten Endpunkten

Ein Blick auf die Endpunkte zeigte keine Unterschiede zwischen Verum und Placebo. Numerisch waren die Zahlen für Gesamtmortalität oder Krankenhauseinweisung aus kardiovaskulärer Ursache unter Patiromer höher. Allerdings waren, wie bereits gesagt, Patientenzahl und Therapiedauer kaum geeignet, hier valide Aussagen zu treffen.

Literatur

Butler J: DIAMOND Trial: Patiromer for the Management of Hyperkalemia in Subjects Receiving Renin-angiotensin-aldosterone System Inhibitor Medications For Heart Failure With Reduced Ejection Fraction. Late-Breaking Clinical Trials III, American College of Cardiology 2022 Scientific Session, 3. April in Washington

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