Onlineartikel 12.03.2015

ACC-Kongress: Neue Weichenstellung in der Kardiologie?

Ab Samstag, den 14. März, wird San Diego in Kalifornien für drei Tage Dreh- und Angelpunkt der kardiologischen Fachwelt sein. Erwartet werden die neuesten Ergebnisse der klinischen kardiovaskulären Forschung.

An diesen drei Tagen werden beim Kongress des American College of Cardiology (ACC) unter anderem die Ergebnisse jener neuen Studien präsentiert, die es ob ihrer klinischen Bedeutung in den exklusiven Kreis der „Late-Breaking Clinical Trials“ geschafft haben.

Schon am ersten Tag gibt es mit PROMISE eine ebenso wichtige wie ungewöhnliche Studie. Verglichen werden zwei diagnostische Strategien bei stabilen symptomatischen Patienten mit Verdacht auf KHK: Zum einen die primäre Nutzung funktioneller Stresstests wie Stress-Echo und Belastungs-EKG, zum anderen die kardiale CT-Angiografie als diagnostische Erstmaßnahme. Die Hoffnung ist, dass die primäre Nutzung der CT-Angiografie, die mehr prognostisch relevante Informationen liefert, am Ende zu einer Reduktion „harter“ kardiovaskulärer Ereignisse führt. Rund 10.000 Patienten waren an der Studie beteiligt.

Große Ticagrelor-Studie

Gleich danach steht die PEGASUS-Studie auf dem Programm. Darin ging es um die Wirksamkeit des Plättchenhemmers Ticagrelor in der Langzeitprophylaxe bei Patienten mit einem bereit ein bis drei Jahre zurückliegenden Herzinfarkt. Nach Vorab-Informationen hat die Studie, an der mehr als 10.000 Patienten beteiligt waren, das Ziel im Hinblick auf den primären Studienendpunkt erreicht.

Ein zentrales Thema ist erneut die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI). Erwartet werden die finalen 5-Jahres-Ergebnisse der PARTNER-1-Studie und die 2-Jahres-Ergebnisse der CoreValve-US-Pivotal-Studie, deren beim ACC-Kongress 2014 vorgestellten 1-Jahres-Ergebnisse eine stärkere Reduktion der Mortalität durch TAVI im Vergleich zum chirurgischen Klappenersatz gezeigt hatten. Auch das deutsche GARY-Register ist mit neuen Daten im Kongress- Programm vertreten.

Thrombusaspiration bei STEMI?

In der TOTAL-Studie ist bei mehr als 10.000 Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) erneut geprüft worden, ob eine routinemäßige manuelle Aspirations-Thrombektomie im Rahmen einer primären perkutanen Koronarintervention (PCI) die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse zu reduzieren vermag. In der Mitte 2014 beim ESC-Kongress vorgestellten TASTE-Studie hatte diese Strategie klar enttäuscht.

PCI: Transradial oder transfemoral?

In der MATRIX-Studie sollten bei mehr als 7.200 Patienten mit akutem Koronarsyndrom gleich zwei Fragen geklärt werden. Zum einen ist untersucht worden, ob die Wahl des vaskulären Zugangswegs – transradial oder transfemoral – bei den Herzkatheter-Intervention von klinischer Bedeutung ist. Zum anderen sind erneut zwei antithrombotische Therapieregime – Bivalirudin versus Heparin plus GP-IIb/IIIa-Inhibitoren bei Bedarf - miteinander verglichen worden.

Eine Analyse von Daten aus zwei Phase-III-Studien (OSLER 1 und 2) wird möglicherweise erstmals Aufschluss darüber geben, ob eine starke Senkung des LDL-Cholesterins mit einem der neuen PCSK9-Hemmer – in diesem Fall Evolocumab – auch einen günstigen Einfluss auf die Inzidenz klinischer Ereignisse hat.

Literatur

American College of Cardiology, 64. Jahreskongress, 14.-16.3.2015, San Diego