Nachrichten 25.01.2021

„Man kann nicht übergewichtig und gesund sein“

Sind fitte Übergewichtige gesünder als faule Schlanke? Frühere Studien konstatierten beiden eine ähnliche kardiovaskuläre Gesundheit. Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch, dass selbst ein körperlich aktiver Lebensstil die schädlichen Effekte von überschüssigem Körperfett nicht beseitigt. 

Es gibt Hinweise darauf, dass körperliche Fitness die negativen Effekte von Übergewicht auf die Herzgesundheit möglicherweise abschwächen könnte. Das habe spanischen Forschern zufolge zu umstrittenen gesundheitspolitischen Vorschlägen geführt, bei denen körperliche Aktivität Vorrang vor Gewichtsverlust hatte. Eine große, neue Studie legt jedoch nahe, dass sportliche Betätigung allein die negativen Auswirkungen von Übergewicht nicht rückgängig macht.

Studie mit 530.000 Teilnehmern

Forscher um Dr. Pedro Valenzuela von der Universität Alcalá in Madrid nutzten für die Studie Daten von fast 530.000 Spaniern, die eine Versicherung gegen Berufsrisiken abgeschlossen hatten. 32% waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 42 Jahren. Das Forscherteam ermittelte BMI, körperliche Aktivität und kardiovaskuläre Gesundheit der Teilnehmer.

Etwa 42% der Probanden waren normalgewichtig (BMI < 25), 41% übergewichtig (BMI 25 – 30) und 18% adipös (BMI > 30). 24% waren regelmäßig aktiv, definiert als das von der WHO empfohlene Minimum von wöchentlich mindestens 150 Minuten mäßiger oder 75 Minuten starker Aktivität. 12% bewegten sich nicht ausreichend, mit einigen Aktivitäten pro Woche, die jedoch unter dem Minimum lagen, und die meisten waren gar nicht aktiv (64%). Etwa 30% hatten Hypercholesterinämie, 15% Bluthochdruck und 3% Diabetes.

Jede körperliche Aktivität zählt

In allen BMI-Gruppen war jede körperliche Aktivität, egal ob sie das Minimum erfüllte, mit einem geringeren Risiko für Diabetes, Bluthochdruck oder hohe Cholesterinwerte assoziiert, verglichen mit keinerlei Bewegung. Je mehr Aktivität, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für eine der Erkrankungen, galt über alle BMI-Gruppen hinweg.

Die übergewichtigen und adipösen Personen hatten jedoch unabhängig von ihrem Aktivitätsniveau ein höheres kardiovaskuläres Risiko als normalgewichtige Gleichaltrige. Etwa hatten aktive Übergewichtige verglichen mit inaktiven Normalgewichtigen rund doppelt so häufig hohe Cholesterinwerte, viermal häufiger Diabetes und fünfmal häufiger Bluthochdruck. „Man kann nicht gleichzeitig übergewichtig und gesund sein“, fassen Valenzuela und sein Team zusammen.

Gewichtsverlust nicht vernachlässigen

Sport scheine die negativen Effekte von Übergewicht und Adipositas nicht zu kompensieren. Das wurde in separaten Analysen sowohl bei Männern als auch bei Frauen beobachtet. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, konnte jedoch kein kausaler Zusammenhang bewiesen werden.

„Das Bekämpfen von Adipositas und Inaktivität ist gleichermaßen wichtig. Es sollte eine gemeinsame Schlacht sein. Der Gewichtsverlust sollte neben dem Fördern eines aktiven Lebensstils ein vorrangiges Ziel der Gesundheitspolitik bleiben”, schließen Valenzuela und Kollegen.

Literatur

Valenzuela P et al. Joint association of physical activity and body mass index with cardiovascular risk: a nationwide population-based cross-sectional study. European Journal of Preventive Cardiology 2021. https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwaa151

ESC-Pressemitteilung: Being fat linked with worse heart health even in people who exercise. 22.01.2021

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