Nachrichten 11.03.2020

Das sind die 10 wichtigsten vermeidbaren kardiovaskulären Risikofaktoren

Die Kontrolle nur weniger Risikofaktoren könnte eine Vielzahl kardiovaskulär bedingter Todesfälle verhindern. Diese zehn Faktoren haben den größten Einfluss.

Etwa zwei Drittel der weltweit auftretenden kardiovaskulär bedingten Erkrankungen und Todesfälle sind auf modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen. Zu diesem Resümee kommen Prof. Salim Yusuf und Kollegen von der McMaster University in Hamilton nach Auswertung von Daten der bekannten epidemiologischen Studie PURE.

Der Einfluss der untersuchten Risikofaktoren ist je nach Land/Region unterschiedlich. Die aktuell in der Fachzeitschrift „Lancet“ publizierten Ergebnisse ergeben folgendes Ranking:

  • Den Platz 1 unter den wichtigsten kontrollierbaren Risikofaktoren belegt  die Hypertonie, auf die 22,3% der weltweiten kardiovaskulär bedingten Todesfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Fälle von Herzinsuffizienz (primärer Endpunkt) zurückzuführen sind. In den Industrieländern steht dagegen das Non-HDL-Cholesterin an erster Stelle der modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren (20,7%).
  • Platz 2: Ebenfalls beträchtlich zum weltweiten kardiovaskulären „Burden“ trägt das Non-HDL-Cholesterin bei (8,1%). In den Industrieländern ist Zigarettenrauch der zweitwichtigste modifizierbare Risikofaktor (15,7%).
  • Auf Platz 3 folgt bereits die Luftverschmutzung in den Haushalten, die immerhin für 6,9% der globalen Herz-Kreislauf-Ereignisse verantwortlich ist. Gerade erst haben Wissenschaftler aus Mainz auf diesen unterschätzen Risikofaktors aufmerksam gemacht (mehr dazu lesen Sie hier). In Industrieländern belegt die Hypertonie den dritten Platz (14,6%).
  • Platz 4: Zigarettenrauch mit 6,1% und Diabetes mit 7,8%.
  • Auf Platz 5 steht die Fehlernährung, die weltweit mit einem Anteil von 6,1% offenbar noch immer eine große Rolle für die Herz-Kreislauf-Gesundheit spielt. Das gegenteilige Problem macht den Industrieländern zu schaffen, dort steht die abdominale Adipositas mit 6,8% an fünfter Stelle der modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren.
  • Deutlich ins Gewicht fällt mit Platz 6 ein niedriger Bildungsstatus sowohl global als auch in den Industrieländern (5,8% bzw. 2,0%).
  • Platz 7 belegt global betrachtet die abdominale Adipositas (5,7%) und in den Industrieländern die Depression (1,1%).
  • Auf Platz 8 folgen Diabetes (5,1%) bzw. nachlassende Griffstärke (1,0%).
  • Platz 9: Nachlassende Griffstärke weltweit (3,3%) und Mangelernährung in Industrieländern (0,2%).
  • Platz 10: Zu geringe körperliche Aktivität fällt global mit einem Anteil von 1,5% und exzessiver Alkoholkonsum in Industrieländern mit 0,1% mäßig ins Gewicht fällt.

Weltweit gibt es Potenzial für Verbesserungen

Summa Summarum verdeutlichen diese Ergebnisse, dass weltweit noch Potenzial bestehe, die kardiovaskuläre Prävention durch die Reduktion modifizierbarer Risikofaktoren weiter zu verbessern, kommentieren Dr. Stephanie Read und Dr. Sarah Wild aus Kanada die Ergebnisse.  

Die Bedeutung der jeweiligen Risikofaktoren und damit verbunden deren Gewicht für die kardiovaskuläre Prävention ist von Land zu Land unterschiedlich. Etwa könnten sich Investitionen in Bildung und entsprechende Reformen weltweit auch in Bezug auf die kardiovaskuläre Gesundheit lohnen, ähnliches gilt für Programme zur Raucherentwöhnung. Dagegen könnte eine Verbesserung des Ernährungszustandes in der Bevölkerung und der Luftqualität vor allem in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommensverhältnissen die Herzgesundheit fördern.

In der PURE-Studie sind insgesamt 155.722 Patienten aus 21 Ländern in 5 Kontinenten im Mittel 9,5 Jahre nachverfolgt worden. In dieser Zeit kam es zu 7.980 kardiovaskuläre Ereignissen.

Literatur

Yusuf S et al. Modifiable risk factors, cardiovascular disease, and mortality in 155 722 individuals from 21 high-income, middle-income, and low-income countries (PURE): a prospective cohort study. Lancet. 2020 Mar 7;395(10226):795–808. doi: 10.1016/S0140-6736(19)32008-2. Epub 2019 Sep 3.

Read SH, Wild SH. Prevention of premature cardiovascular death worldwide. Lancet. 2020 Mar 7;395(10226):758–60. doi: 10.1016/S0140-6736(19)32034-3. Epub 2019 Sep 3.

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Bildnachweise
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