Onlineartikel 29.04.2014

Advanced Heart Failure Unit schließt Versorgungslücke

Am Herzzentrum Heidelberg wurde die erste spezialisierte stationäre Einrichtung gegründet, die explizit auf die Versorgung von Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz zugeschnitten ist. Den Erkenntnissen der ersten zwei Jahre zufolge bewährt sich das Konzept.

Advanced Heart Failure Unit schließt Versorgungslücke.
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Springer Verlag GmbH

In der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Herzzentrum Heidelberg wurde im März 2012 eine Advanced Heart Failure Unit (AHFU) etabliert, die sich ausschließlich der Behandlung der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz widmet. Als eine Intermediate Care Station sind wir in der Lage, mit Ausnahme der invasiven Beatmung, alle Therapie- und Überwachungsoptionen einer modernen Intensivstation anzubieten. Alle acht Behandlungsplätze der AHFU verfügen über die Möglichkeit, gängige hämodynamische Messverfahren (invasive Blutdruckmessung, PICCO, Swan-Ganz-Katheter) am Patientenbett anzuwenden. Sollte sich der Zustand eines Patienten verschlechtern, stehen neben der etablierten Ballonpumpe auch perkutane Kreislaufunterstützungssysteme und ein miniaturisiertes extrakorporales Life-Support-System (ECLS) zu jeder Zeit zur Verfügung. Überdies können an jedem Patientenbett eine nicht invasive Beatmung und eine Hämodialyse oder Ultrafiltration erfolgen.

Behandlung durch ein interdisziplinäres Team

Innerhalb der ersten zwei Jahre seit der Gründung der AHFU wurden 280 Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz durch das interdisziplinäre Team behandelt. Durch die enge Kooperation innerhalb des Herzzentrums Heidelberg ist es möglich, optimale und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Therapiekonzepte zu erarbeiten. Dieser Therapieansatz ist notwendig, da Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz häufig nicht mehr adäquat auf die durch die Leitlinien empfohlenen Therapiekonzepte ansprechen.

Die zwei häufigsten Gründe für eine Aufnahme auf die AHFU waren eine kardiale Dekompensation und eine Herztransplantationsevaluation. Weitere Gründe waren die Therapieoptimierung nach einer Herztransplantation, ein kardiogener Schock und eine geplante Herzklappenintervention.

Nach der Aufnahme in die AHFU erfolgt je nach bestehenden Vorbefunden eine eingehende Diagnostik zur Klärung der Genese und zur Abschätzung der Schwere der Herzinsuffizienz.

Therapeutisch wird je nach Schwere der Erkrankung zunächst die leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie ausgeschöpft. Ein Großteil der auf der AHFU betreuten Patienten konnte konservativ durch Optimierung der medikamentösen Therapie erfolgreich behandelt werden.

Ferner führten wir in etwa jedem zehnten Fall eine perkutane Koronarintervention durch, einige der Patienten wurde mit einem neuen aktiven Rhythmusimplantat ausgestattet, und jeder zwanzigste Patient erhielt eine Herzklappenintervention (überwiegend endovaskuläre Mitralklappenrekonstruktion mittels MitraClip bei funktioneller Mitralinsuffizienz als Folge der Herzinsuffizienz).

Gute Ergebnisse nach Herztransplantation

Der Goldstandard zur Behandlung der therapierefraktären Herzinsuffizienz ist weiterhin die Herztransplantation. Etwa 20 Prozent der Patienten konnten erfolgreich bei Eurotransplant gelistet werden. Von diesen Patienten wurden aufgrund der Schwere der Erkrankung fast 80 Prozent (17% aller AHFU-Patienten) im Status „High-Urgency“ (HU) gelistet. Hiervon konnten wiederum 70 Prozent erfolgreich einer Herztransplantation unterzogen werden, sieben Prozent erhielten ein Assist-Device, neun Prozent wurden aus verschiedenen Gründen wieder entlistet und 14 Prozent starben während der Wartezeit. Verglichen mit den Zahlen aus anderen Eurotransplant-Ländern (HU-Mortalität 18,8%) liegt die Überlebensrate auf der HU-Liste somit über dem Durchschnitt.

Gute Ergänzung zu den bisher etablierten Einrichtungen

Insgesamt sehen wir die AHFU als eine Ergänzung zu den bisher etablierten kardiologischen Behandlungseinrichtungen. Durch ein ganzheitliches Therapiekonzept eingebettet in einem Herzzentrum der Maximalversorgung, konnten optimale Strukturen geschaffen werden, um eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungsqualität von Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz zu gewährleisten.

Die durchschnittliche Auslastung der Station von 96 Prozent zeigt, dass durch die AHFU eine Lücke in der Versorgung dieser schwerstkranken Patienten geschlossen werden konnte.

Ramon Tschierschke präsentierte diese Erkenntnisse am Donnerstag, den 24. April 2014, um 16.15 Uhr in Saal 8.

Literatur

80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 23.-26. April 2014 in Mannheim

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Advanced Heart Failure Unit schließt Versorgungslücke./© Springer Verlag GmbH