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07.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Rosarote Brille?

Ärzte schätzen Angina-pectoris-Frequenz ihrer Patienten oft falsch ein

Autor:
Philipp Grätzel

Hören Kardiologen ihren Patienten wirklich zu? Die US-amerikanische APPEAR-Studie erlaubt gewisse Zweifel daran. Sie zeigt, dass Kardiologen die Angina-pectoris-Frequenz ihrer Patienten oft anders wahrnehmen als die Patienten, oder sie anders interpretieren.

Über Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient gibt es bergeweise Literatur. In der Koronarkardiologie ist das mit dem Kommunizieren noch vergleichsweise einfach, sollte man meinen. Entweder ein KHK-Patient hat Angina pectoris, oder er hat sie nicht.

Dass es nicht ganz so einfach ist, zeigt die APPEAR-Studie, bei der in 25 kardiologischen Praxen in den USA insgesamt 1.257 KHK-Patienten nach Verlassen der Praxis zu ihren Angina-Beschwerden befragt wurden. Gleichzeitig wurde der Kardiologe gefragt, ob und, wenn ja, wie häufig der Patient über Angina pectoris Beschwerden klage.

Dabei gab es gewisse Unterschiede. Wurden die Patienten direkt gefragt, gaben 67 % an, im letzten Monat keine AP-Beschwerden gehabt zu haben, 25 % berichteten von etwa monatlichen Beschwerden und 8 % von wöchentlichen oder täglichen Beschwerden. Bei den Ärzten waren die Quoten etwas anders: Sie gaben bei 76 % der Patienten an, dass diese keine Angina hätten. Bei 7 % gingen die Ärzte von einer etwa einmal monatlichen AP aus, und bei 17 % von wöchentlicher oder täglicher.

Mehr Beschwerden, als vom Arzt wahrgenommen

Insgesamt hatten also mehr Patienten Beschwerden, als von den Ärzten angenommen, wobei es sowohl Patienten gab, bei denen die Beschwerden unterschätzt wurden, als auch solche, bei denen die Beschwerden überschätzt wurden.

Insgesamt ging der Trend jedoch eindeutig in Richtung Unterschätzung der Beschwerden. So sagten die Ärzte bei jedem vierten Patienten, der über tägliche oder wöchentliche Angina berichtete und bei knapp jedem zweiten, der über monatliche Angina berichtete, dass im letzten Monat gar keine Angina aufgetreten sei.

Bei den Patienten, die keine Beschweren hatten, gab es dagegen eine hohe Rate an Übereinstimmung: Nur bei 7 % dieser Patienten sagten die Kardiologen, dass Beschwerden vorlägen. Die deutlichen Unterschiede in der Einschätzung der Beschwerden sind umso bemerkenswerter, als die Kardiologen wussten, dass die Studie lief und auch wonach gefragt wurde. 

Literatur

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