Nachrichten 20.11.2017

Rückenwind für Shunt-Device bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion

Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with Preserved Ejection Fraction) scheint nach enttäuschenden pharmakologischen Ansätzen ein neues katheterbasiertes Therapiekonzept, das die Anlage eines interatrialen Shunts beinhaltet, mehr Erfolg zu versprechen.

Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion ist ein sehr relevantes Problem im klinischen Alltag und rückt zunehmend in den Fokus wissenschaftlichen Interesses. Ein erhöhter linksatrialer Druck ist vermutlich einer der Schlüsselmechanismen, die bei HFpEF zur Entwicklung von Dyspnoe und Belastungsintoleranz sowie zur erhöhten Morbidität und Mortalität beitragen.

Vor dem Hintergrund fehlender medikamentöser Behandlungserfolge bei HFpEF sowie der klinischen Beobachtung, dass Patienten mit Mitralstenose und gleichzeitig vorliegendem ASD geringer symptomatisch sind als Patienten mit alleiniger Mitralstenose, wurde das Behandlungskonzept eines iatrogenen interatrialen Shunts entwickelt. Durch die kathetergestützte Schaffung eines künstlichen interatrialen Links-rechts-Shunts mittels Implantation eines Drahtdevices, das ein ca. 8 mm großes Loch im interatrialen Septum schafft, soll der erhöhte linksatriale Druck gesenkt und so die damit assoziierte Herzinsuffizienz-Symptomatik verbessert werden.

Dieser neue Therapieansatz ist nun erstmals in einer randomisierten kontrollierten Studie (REDUCE LAP-HF) in Hinblick auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft worden. Die Ergebnisse sind beim Kongress der American Heart Association (AHA) in Anaheim vorgestellt worden.

Bei 44 Patienten mit einer durchschnittlichen linksventrikulären Ejektionsfraktion von ca. 60 %, einem erhöhtem PCWP (Lungenkapillarverschlussdruck) und einem NYHA-Stadium III wurde nach der Randomisierung entweder das Interatriale Shunt-Device implantiert oder eine Scheinprozedur als Kontrolle durchgeführt. Ziel der Studie war der Nachweis, dass das Device sicher und ohne relevante Komplikationen implantiert werden kann und nach einem Monat der PCWP als Ausdruck des erhöhten linksatrialen Drucks unter Belastung abnimmt.

Der Device konnte ohne relevante Komplikationen bei allen bis auf einen Patienten erfolgreich implantiert werden. Auch in Hinblick auf die im Follow-up untersuchten Sicherheitsparameter wie Schlaganfall, systemische Embolisation, kardiale Perforation oder vaskuläre Komplikation waren keine Ereignisse zu verzeichnen. In Hinblick auf die hämodynamischen Parameter wurde eine signifikante Reduktion des PCWP bereits bei dem Beine-Hochlagern Manöver und unter ergometrischer Belastung festgestellt.

Diese Pilotstudie konnte eine signifikante Reduktion erhöhter Lungenkapillarverschlussdrucke bei Patienten mit HFpEF nachweisen, bei denen ohne relevante Komplikationen ein Interatriales Shunt-Device implantiert wurde. Wenngleich die Nachbeobachtungszeit mit nur einem Monat sehr kurz war, sind dies vielversprechende Daten zu einem neuen interventionellen Therapieansatzes. Etwas schade ist, dass die Autoren keinerlei Daten zum klinischen Verlauf der Patienten in Hinblick auf die Herzinsuffizienz-Symptomatik und Leistungsfähigkeit vorgestellt haben. Zukünftige Studien müssen sicherlich auch auf diese Parameter und die potentiellen Auswirkungen des Shunt-Devices auf die rechtsventrikuläre Funktion und die Nierenfunktion fokussieren.

Literatur

Präsentation beim Kongress der American Heart Association, 11-15. November 2017 in Anaheim

Sanjiv J Shah für die REDUCE LAP-HF I Investigators

Neueste Kongressmeldungen

Wie sich Herzinsuffizienz-Patienten anhand eines EKGs erkennen lassen

Künstliche Intelligenz kann vieles erkennen, was für Menschen kaum oder gar nicht nachvollziehbar ist. Eine randomisierte Studie deutet nun darauf hin, dass ein mit Maschinenlernen hinterlegtes EKG dabei helfen kann, Herzinsuffizienz auf Hausarztebene früher zu erkennen.

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021 und der 87. Jahrestagung 2021 live und on demand.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Neuer Therapieansatz für Herzerkrankungen: Was nützen Ketone?

Ketonkörper haben einen schlechten Ruf, da sie an der diabetischen Ketoazidose beteiligt sind. In einer neuen Studie zeigen sie aber auch schützende Effekte bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen. Experten könnten sich sogar einen neuen Therapieansatz vorstellen.

COVID-19: Studie mit Colchicin wegen fehlender Wirkung gestoppt

Colchicin wurde als potenzieller neuer Hoffnungsträger für die COVID-19-Therapie lanciert. Nun der Rückschlag: Der Colchicin-Arm des RECOVERY-Programms wurde wegen fehlender Wirksamkeit gestoppt

Nach Herzinfarkt haben Rheuma-Patienten eine schlechtere Prognose

Nach einem Myokardinfarkt ist das Sterbe- und Reinfarkt-Risiko bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis auf lange Sicht höher als bei Infarktpatienten ohne Rheuma-Erkrankung, zeigt eine Studie aus Finnland.

Aus der Kardiothek

80-jähriger Patient im CT – wie lautet Ihre Diagnose?

Kardiale Computertomografie bei einem 80-jährigen Patienten nach STEMI – was ist zu sehen?

62-Jähriger mit Schrittmacher – was ist im Röntgen zu sehen?

62-jähriger Patient mit Zustand nach 2-Kammer-Schrittmacher, aufgenommen bei respiratorischer Insuffizienz. Was ist auf den Röntgenbildern zu sehen?

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Expertenblickpunkt AHA Kongress 2017/© kardiologie.org
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell
DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen