Nachrichten 17.11.2017

PCSK9-Inhibitoren bei Hochrisikopatienten besonders wirksam

Die neuen PCSK9-Inhibitoren sind teuer und ihr Einsatz streng limitiert. Eine Analyse der FOURIER-Studie zufolge könnte es Sinn machen, die potenten Lipidsenker gezielter bei Patienten einzusetzen, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind.

Die außergewöhnliche lipidsenkende Wirkung der PCSK9-Inhibitoren hat ihren Preis. Daher ist es wichtig, jene Patienten zu identifizieren, die am meisten von den neuen Lipidsenkern profitieren.

Einer aktuell beim Kongress der „American Heart Association“ (AHA) vorgestellten Analyse der FOURIER-Studie könnte sich die durch die Antikörper zusätzlich zur Statintherapie gewonnene LDL-Cholesterinsenkung vor allem bei Hochrisikopatienten auszahlen. Die Daten von 22.351 Patienten wurden hierfür ausgewertet.

Generell hat die Therapie mit dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab  bei allen Patienten mit Myokardinfarkt in der Vorgeschichte das Risiko für einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder kardiovaskulären Tod im Vergleich zu Placebo relativ um 18% gesenkt.  

Subgruppen, die besonders profitieren

Besonders profitierten dabei die Patienten, bei denen das Ereignis vor noch nicht allzu langer Zeit stattgefunden hatte (< 2 Jahre), jene mit mehreren Infarkten in der Vorgeschichte und solche mit Mehrgefäßerkrankung. Die relative Risikoreduktion (RRR) betrug in diesen Fällen 24%, 21% und 30%.

Bei jeder dieser Subgruppen war ein signifikanter Unterschied gegenüber den Patienten ohne dem jeweiligen Risikofaktor nachzuweisen (RRR von 13% bei Infarkt > 2 Jahre, 16% für 1 Infarkt, 11% für Eingefäßerkrankung).  

In der multivariablen adjustierten Analyse betrug die Hazard Ratio (95%-KI) für einen Myokardinfarkt <2 Jahre 1,36, für mehr als einen Infarkt 1,9 und für eine Mehrgefäßerkrankung  1,24.

Anders ausgedrückt: Bei Patienten mit einem weniger als zwei Jahre zurückliegenden Infarkt  müssten 35 Personen behandelt werden, um ein entsprechendes Ereignis zu verhindern  (Number Needed to Treat, NNT: 35). Liegt das Ereignis schon mehr als zwei Jahre zurückliegt, wären es dagegen 101 Personen, denen die Therapie angeboten werden müsste.

Auch in der primären Analyse der FOURIER-Studie war die durch den PCSK9-Hemmer erreichte Risikoreduktion deutlicher, wenn zumindest ein kardiovaskulärer Risikofaktor vorgelegen hatte (bei 63% der Patienten), mit einer RRR von 22% im Vergleich zu 6%, wenn das nicht der Fall war.

Die Untersuchung der Subgruppen bestätigt somit die bereits etablierte Ansicht, dass Hochrisikogruppen am meisten von einer Reduktion des LDL-Cholesterins profitieren.

Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Therapie gezielter bei solchen Hochrisikopatienten einzusetzen. Denn die dadurch ließe sich die NNT für diese kostspielige Therapie deutlich senken.

Literatur

M.  Sabatine "Clinical Benefit of Evolocumab in Patients with a History of MI: An Analysis from FOURIER", Kongress der American Heart Association, 11-15. November 2017, Anaheim

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