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13.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Highlights | Nachrichten

Ein Kommentar

Apple Watch ist zugelassen – die Jagd auf die rhythmologische Volksseuche ist eröffnet!

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat der neuen Apple Watch ihren „Segen“ für eine EKG-Funktion und als Methode zur Erkennung von Vorhofflimmern erteilt. Teils hat dieses Urteil für Erstaunen gesorgt ­– ein Kommentar.

Viele von uns kennen (leidvoll) die Tausende von Freizeitsportlern, die uns ungebeten seitenlange Ausdrucke von Punkten, Strichen und Balken mit Pulsschlägen Herzfrequenzprofilen und fraglichen Rhythmusirregularitäten unter die Nase halten und um sofortige Diagnosestellung bitten.

Immerhin ist die Uhr ziemlich genau

Häufig wurden und werden damit mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet und der tatsächliche medizinische Nutzen ist fragwürdig. Bei der neuen Apple Watch, und andere Devices, die schon in den Startlöchern stehen, erscheint zumindest die diagnostische Genauigkeit größer. Denn die Uhr kann offensichtlich tatsächlich ein EKG aufzeichnen und solide Hinweise auf Vorhofflimmern liefern. In dem Original FDA-Brief steht allerdings explizit, dass sie nicht die herkömmliche, ärztlich basierte Diagnostik, ersetzen kann.

Die große Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist die der klinischen Relevanz. Mit den neuen Devices werden abertausende an neuen Vorhofflimmern-Diagnosen gestellt werden. Aber was sind die Konsequenzen daraus? Eine Antwort darauf haben wir bisher nicht.

Vorhofflimmern-Diagnosen werden zunehmen

In den vergangenen Jahren konnten wir anhand unterschiedlicher Studien mit verschiedenen Techniken (REHEARSE-AF, mSToPS, Reveal AF) bessere Einblicke in die tatsächliche Epidemiologie von Vorhofflimmern bekommen. Auch durch die Auswertung von Schrittmacher- und ICD-Speicher wissen wir um eine große Anzahl subklinischer Vorhofflimmern-Episoden. Allerdings handelt es sich dabei immer um in irgendeiner Art und Weise herzkranke Patienten.

Mit den neuen „Smart Devices“ bekommen wir plötzlich Einblick in ein potenziell „herzgesundes“ Kollektiv. So haben die Autoren der „Apple Heart Study“ mit der Macht eines milliardenschweren Konzerns eine Studie mit 500.000 Apple Watch-Benutzern aufgelegt, um aufzeigen zu können, was die Uhr alles leisten kann.

Fantastische Innovation, aber was machen wir damit?

Grundsätzlich ist diese Innovation sicherlich begrüßenswert. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn Konzepte und Empfehlungen zum Umgang mit all den aufkommenden Vorhofflimmern-Diagnosen im Vorfeld etabliert worden wären. Wer soll künftig auf dem Boden welcher Evidenz entscheiden, ob jeder asymptomatischer Apple Watch-Träger (Nicht Patient!) mit einem CHADS2 VASC-Score von 2 lebenslang antikoaguliert werden soll? Wer trägt die Kosten dafür? (Apple wohl nicht…) Und wer stellt all die Kardiologen zur Verfügung, die sich die unendlichen Daten, die generiert werden, betrachten müssen und bezahlt diese? (Apple wohl nicht…).

Wollen wir das wirklich der Unterhaltungsbranche überlassen?

Ich denke, dass solche Innovationen fantastisch sind und sie der nächste logische Schritt nach implantierbaren Eventrekordern sind. Aber ich halte es für fatal, wenn Konzerne der Unterhaltungsbranche ihre innovative Kraft Nutzen, um in dem medizinischen Device-Sektor einzusteigen und die Ärzteschaft die Konsequenzen daraus tragen muss. Dieses dann noch durch eine „FDA Clearance“ zu adeln, macht die Sache in meinen Augen nicht besser.

Literatur

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