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28.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Nachrichten

Akuter Myokardinfarkt

US-App schafft STEMI-Diagnostik per Smartphone ohne Kabel

Autor:
Philipp Grätzel

Lässt sich ein ST-Hebungs-Infarkt auch per Smartphone diagnostizieren? Eine US-geführte Pilotstudie zeigt zumindest eine hohe Übereinstimmung zwischen App-Diagnose und dem 12-Kanal-EKG. In ländlichen Regionen könnten solche Systeme die Notfallversorgung beschleunigen.

Der Konzern Apple hat zuletzt viel Wind mit seiner noch laufenden Apple Heart Studie gemacht, bei der es um die Diagnostik von Vorhofflimmern geht. Dabei geht etwas unter, dass es in den USA mit AliveCor ein Unternehmen gibt, das bei den Herzrhythmus-Algorithmen schon sehr viel mehr Erfahrung besitzt und auf sehr viel mehr Daten aus klinischen Studien zurückgreifen kann als der Computerhersteller aus Cupertino.

Bei der AHA-Tagung in Chicago haben Kardiologen jetzt eine Studie vorgestellt, die an fünf Zentren in den USA und Argentinien durchgeführt wurde und die zeigt, dass Kardio-Apps perspektivisch mehr können als das relativ simple Erkennen einer absoluten Arrythmie.

Kommunikation mit ergänzender Elektrodenplatte

Konkret wurde eine bisher in den USA noch nicht als Medizinprodukt zugelassene App von AliveCor evaluiert, die darauf abzielt, einen ST-Hebungs-Infarkts (STEMI) zu diagnostizieren. Diese App arbeitet – wie auch einige andere Rhythmus-Apps des Unternehmens – nicht mit in Telefon oder Smartwatch integrierten Elektroden, sondern mit einer ergänzenden Elektrodenplatte, die mit der dazugehörigen App über Bluetooth kommuniziert.

Auf dieser Platte befinden sich zwei Elektroden, mit denen, wenn jeweils ein Finger aufgelegt wird, ein konventioneller Rhythmusstreifen abgeleitet wird, wie er etwa für die Vorhofflimmerdiagnostik ausreicht. Wenn allerdings mehrere Messungen vorgenommen werden, bei denen die Elektrodenplatte mit unterschiedlichen Körperteilen in Kontakt gebracht wird, lässt sich mit dieser einen Elektrodenplatte auch mehr als nur eine Ableitung generieren. Das ist dann kein ganz normales Mehr-Kanal-EKG, aber der multidimensionale EKG-Datensatz kann von einem Algorithmus in das Äquivalent eines konventionellen 12-Kanal-EKGs umgerechnet werden, das dann wiederum von einem Kardiologen ganz normal befundet werden kann.

Zumindest Annäherung an das 12-Kanal-EKG

In der bei der AHA-Tagung von Joseph Muhlenstein vom Intermountain Medical Center der Universität Utah vorgestellten ST LEUIS Studie wurden bei 204 Patienten mit akutem Brustschmerz sowohl ein (echtes) 12-Kanal-EKG als auch ein App-basiertes 12-Kanal-EKG aufgezeichnet. Beide EKGs wurden jeweils von für die Art der Aufzeichnung verblindeten Kardiologen befundet, wobei es entsprechend den Erfordernissen in der präklinischen Notfallmedizin nur drei Optionen gab, nämlich „STEMI/Linksschenkelblock“, „kein STEMI“ oder „nicht interpretierbar“.

In Summe zeigen die vorläufigen, noch nicht publizierten Daten, dass sich das Smartphone-EKG dem 12-Kanal-EKG zumindest annähert. Neun von zehn im 12-Kanal-EKG diagnostizierte STEMI bzw. Linksschenkelblocks entdeckten die Kardiologen auch auf Basis des Smartphone-EKGs. Die Spezifität betrug 84 Prozent, die positiv bzw. negativ prädiktiven Werte lagen bei 70% bzw. 95%. Nicht interpretierbar waren nur knapp 6% der Smartphone-EKGs, gegenüber 0,5% bei den 12-Kanal-EKGs.

Option für ländliche Regionen?

Die US-Kardiologen sehen die Einsatzszenarien einer solchen STEMI-Diagnose-Lösung insbesondere in ländlichen und unterversorgten Regionen. Dort könnten Risikopatienten mit App und Elektrodenplatte ausgestattet werden und im Falle von Brustschmerz mit Hilfe eines angebundenen, kardiologisch besetzten Telemedizinzentrums zuverlässigere Verdachtsdiagnosen gestellt werden. So ließen sich die nachfolgenden Rettungsmittel bis hin zum Hubschrauber gezielter zuteilen.

Literatur

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