Nachrichten 14.11.2019

LDL-Cholesterin trotz Statin-Therapie bei vielen Risikopatienten noch zu hoch

Nur bei etwa einem Drittel aller mit Statinen behandelten Patienten mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung lagen die LDL-Cholesterinwerte auf dem in Leitlinien empfohlenen niedrigen Niveau, ergab eine aktuelle Analyse von Daten eines großen US-Registers.

In der Sekundärprävention durch Lipidsenkung mit Statinen sehen US-Forscher um Dr. Dharam Kumbhani vom Southwestern Medical Center in Dallas noch Verbesserungsmöglichkeiten. Denn nach ihrer Analyse von zwischen 2013 und 2019 erhobenen Daten aus dem nationalen PINNACLE-Register in den USA liegen die LDL-Cholesterinwerte bei den meisten Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen trotz Statin-Behandlung nicht im empfohlenen Bereich unter 70 mg/dl – was diese Patienten einem weiterhin bestehenden Risiko (residual risk) aussetzt.

Die Studie der Gruppe um Kumbhani ist zur Präsentation beim Kongress der American Heart Association (AHA) Mitte November 2019 in Philadelphia vorgesehen. Sie bildet den Abschluss der ersten Phase der sogenannten TRANSFORM LDL-C Risk Initiative. Dabei handelt es sich um ein von der kardiologischen US-Fachgesellschaft ACC in Kooperation mit den Unternehmen Sanofi und Regeneron initiiertes Projekt, das auf Hochrisikopatienten mit manifesten kardiovaskulären Erkrankungen zielt. Bei ihnen sollen bestehende Barrieren für das Erreichen der in Leitlinien empfohlenen LDL-C-Werte analysiert und nach Möglichkeiten für eine Optimierung der Therapie gesucht werden.

Rund 20% ohne jede lipidsenkende Therapie

Das PINNACLE Outpatient Registry als Teil des National Cardiovascular Data Registry (NCDR) der ACC ist das weltweit größte Register zur Qualitätsverbesserung bei kardiovaskulären Patienten im ambulanten Bereich.

Bei ihrer aktuellen Analyse hat die Gruppe um  Kumbhani zunächst Daten von rund 1.9 Millionen Patienten mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen  aus diesem Register ausgewertet. Dabei stellten die Untersucher fest, dass immerhin 21,1%  aller Patienten zuvor nie eine lipidsenkende Therapie verordnet worden war und die gemessenen LDL-C-Werte in 84,5% aller Fälle nicht im empfohlenen Zielbereich von unter 70 mg/dl lagen. Zu möglichen Gründen der Nicht-Verordnung wie Statin-Intoleranz erlaubt das Register mangels Daten keine Aussagen.

Ein Viertel hatte LDL-C-Werte über 100 mg/dl

Die Forscher haben dann die Subgruppe der rund 1,3 Millionen Patienten ins Visier genommen, die eine lipidsenkende Therapie ausschließlich mit Statinen erhalten hatten. Nur bei 32,9% aller Patienten wurden unter dieser Therapie zufriedenstellende, weil leitlinienkonforme LDL-C-Werte unter 70 mg/dl erreicht. In 41,1%  der Fälle waren suboptimale Werte im Bereich zwischen 70 und 99 mg/dl gemessen worden. Bei weiteren 25,9%  der Patienten waren die Werte sogar höher als 100 mg/dl. Wie hoch dabei der Anteil an Patienten mit hoch dosierter Statin-Behandlung war, geht aus dem Register mangels Daten zur Dosierung nicht hervor.

Ein Blick in diverse Subgruppen offenbarte, dass vor allem bei jüngeren Patienten (18 bis 64 Jahre), bei Frauen, bei Patienten afroamerikanischer Abstammung sowie bei Patienten mit Hypertonie der in Leitlinien empfohlene LDL-C-Bereich unter der Statin-Therapie nicht erreicht wurde.

Es sei offenkundig, dass Defizite bezüglich der Umsetzung der Leitlinien-Empfehlungen bei bereits kardiovaskulär erkrankten Risikopatienten existierten und weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Situation nötig seien, so Kumbhani. Im nächsten Schritt wolle man im Rahmen TRANSFORM LDL-C Risk Initiative erkunden, welche Hindernisse der praktischen Umsetzung im Wege stehen und wie sich diese Barrieren beseitigen lassen.

Literatur

The TRANSFORM LDL-C Risk data presentation: „Assessing Low-Density Lipoprotein Cholesterol Risk in Secondary Prevention Patients Within The PINNACLE National Outpatient Registry,” zur Präsentation vorgesehen am 17. November beim AHA-Kongress 2019, 16. – 18. November 2019, Philadelphia

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