Nachrichten 19.11.2019

Neue Herzinsuffizienz-Therapie: Dapagliflozin von konsistentem Nutzen in Subgruppen

Der klinische Nutzen des SGLT2-Hemmers Dapagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist unabhängig vom Alter und initialen Gesundheitsstatus der Patienten, belegen neue Subanalysen der viel diskutierten DAPA-HF-Studie.

Seit ihrer Erstpräsentation beim ESC-Kongress Anfang September 2019 ist die DAPA-HF-Studie auch unter Kardiologen ein heißes Thema. Hat sie doch gezeigt, dass der bislang als Antidiabetikum gehandelte SGLT2-Hemmer Dapagliflozin bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz-Verschlechterung und kardiovaskuläre Todesfälle (primärer kombinierter Endpunkt) signifikant um 26% reduzierte - auch bei Patienten ohne Diabetes.

Neue DAPA-HF-Subanalysen beim AHA-Kongress

Innerhalb kurzer Zeit sind inzwischen spezielle Aspekte der Dapagliflozin-Therapie bei Herzinsuffizienz in DAPA-HF-Subanalysen genauer beleuchtet worden. So zeigt eine von Prof. John McMurray von der University of Glasgow beim AHA-Kongress 2019 vorgestellte Analyse, dass die klinischen Ergebnisse bei Patienten ohne Diabetes (55% der Studienpopulation) mit denen bei an Typ-2-Diabetes erkrankten Patienten vergleichbar sind und somit der Diabetes-Status ohne Relevanz für die Wirksamkeit ist (wir berichteten).

In einer weiteren, von Dr. Felipe Martinez von der Universidad Nacional de Córdoba, Argentinien,  beim AHA-Kongress vorgestellten DAPA-HF-Analyse ist die Wirkung von Dapagliflozin auf den primären Endpunkt in Abhängigkeit von Alter der Patienten unter die Lupe genommen worden.

Ältere Patienten profitierten in besonderem Maß

Dazu sind 4744 Studienteilnehmer, die zwischen 22 und 94 Jahre alt waren (mittleres Alter 66,3 Jahre), in vier Altersklassen eingeteilt worden: <55 Jahre (13,4% aller Teilnehmer), 55 bis 64 Jahre (26,2%),  65 bis 74 Jahre (36,2%) und ≥75 Jahre (24,2%). Mit zunehmendem Alter erhöhte sich in der Placebo-Gruppe nicht überraschend die Inzidenzrate (pro 100 Personenjahre) für den primären Studienendpunkt, und zwar von 13,6% auf 15,7%, 15,1% und schließlich 18,0%.

In allen vier Altersklassen waren die entsprechenden Inzidenzraten in der Dapagliflozin-Gruppe jeweils deutlich niedriger, wobei die relative Rsikoreduktion 13% (Hazard Ratio 0,87), 21% (HR 0,71), 24% (HR 0,76) und 32% (HR 0,68) betrug. Daraus wird ersichtlich, dass in der höchsten Altersklasse nicht nur die relative Risikoreduktion, sondern aufgrund der vergleichsweise hohen Ereignisrate auch die absolute Risikoreduktion am stärksten war. Ausgerechnet bei dieser Altersgruppe, die mit am meisten profitieren würde, wird allerdings in der Praxis häufig therapeutische Zurückhaltung geübt.

Auch wenn unerwünschte Effekte und Therapieabbrüche mit zunehmendem Alter häufiger wurden, waren die entsprechenden Raten in keiner Altersgruppe unter Dapagliflozin signifikant höher als unter Placebo.

Die Konsistenz der Wirksamkeit kommt auch in einer Analyse zum Ausdruck, die Dr. Mikhail Kosiborod vom Saint Luke’s Mid America Heart Institute in Kansas City bei AHA-Kongress vorgestellt hat. Dabei ist zum einen die Wirkung von Dapagliflozin auf Herzinsuffizienz-Verschlechterungen und kardiovaskuläre Mortalität in Abhängigkeit von initialen Gesundheitszustand der Patienten untersucht worden. Zum anderen wurde die Wirkung von Dapagliflozin auf den jeweiligen Gesundheitszustand begutachtet.

Quantitativ erfasst wurde der allgemeine Gesundheitsstatus  (Symptome, körperliche Funktion, Lebensqualität) mit Hilfe eines validierten Fragebogens (Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire, KCCQ) zu Beginn sowie nach vier und acht Monaten. Auf Basis des initialen KCCQ-Messergebnisse (KCCQ-total symptom score) wurden 4443 Studienteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt.

Der „nächste Grundpfeiler“ der Herzinsuffizienz-Behandlung?

Unabhängig vom initialen Gesundheitszustand zeigte Dapagliflozin in allen drei Gruppen eine konsistente Wirkung auf klinische Ereignisse. Zugleich wurden Symptomatik, körperliche Funktion und Lebensqualität im Vergleich zu Placebo durch die Behandlung verbessert.

Dapagliflozin erfüllle nun alle drei Ziele der Herzinsuffizienz-Behandlung: Die Patienten lebten länger, sie  müssten seltener in die Klinik und sie fühlten sich besser, betonte Dr. Carolyn Lam vom National Heart Centre in Singapur, die als geladene Diskutantin die neuen Analysen zu bewerten hatte. Sollten diese Ergebnisse in weiteren Studien mit SGLT2-Hemmern bestätigt werden, könnte die SGLT2-Hemmung nach ihrer Ansicht der „nächste Grundpfeiler der HFrEF-Behandlung“ werden.

Literatur

Vorgestellt beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2019, 16. – 18. November 2019, Philadelphia

Kosiborod M. et al.: Effects of Dapagliflozin on Symptoms, Function and Quality of Life in Patients with Heart Failure and Reduced Ejection Fraction: Results from the DAPA-HF Trial, Circulation 2019, online 17. November

Martinez F.A. et al: Efficacy and Safety of Dapagliflozin in Heart Failure With Reduced Ejection Fraction According to Age: Insights From DAPA-HF. Circulation 2019, online 17. November


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