Nachrichten 29.11.2019

PCI bei stabiler KHK und schwerer Niereninsuffizienz ohne Zusatznutzen

Bei stabiler KHK kann eine invasive Revaskularisation zwar nicht die Prognose verbessern, wohl aber die Lebensqualität. Leidet der KHK-Patient zusätzlich an Niereninsuffizienz, ist eine perkutane Koronarintervention (PCI) weder prognostisch noch symptomatisch von Vorteil, zeigt die ISCHEMIA-CKD-Studie.

Wie soll man Patienten mit deutlicher Niereninsuffizienz (GFR < 30 ml/min/1,73m2) kardial behandeln, wenn sie eine stabile KHK aufweisen und der kardiale Stress-Test  den Nachweis einer mindestens moderaten Ischämie erbringt? Dieser Frage ist in der randomisierten ISCHEMIA-CKD nachgegangen worden, deren Ergebnisse beim Jahreskongress 2019 der American Heart Association (AHA) in Philadelphia vorgestellt wurden.

„Wir hatten gehofft, dass wir in dieser Hochrisiko-Patienten-Gruppe einen Vorteil für eine invasive Behandlung finden und wollten sichergehen, dass die Nieren dadurch keinen Schaden nehmen“, erläuterte Studienautor Dr. Sripal Bangalore, University of New York Langone Health, die Zielsetzung der Studie.

777 Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz der Stadien 4 und 5 waren randomisiert worden, gut die Hälfte waren Dialyse-Patienten. Die invasive Strategie bestand in einer Herzkatheter-Untersuchung plus ggf. einer Revaskularisierung additiv zu einer optimalen medikamentösen Therapie. In der Kontrollgruppe wurden nur die Medikamente gegeben. Letztlich erhielten 85% der Patienten des invasiven Studienarmes eine Herzkatheter-Untersuchung  und 50% eine Revaskularisierung, im konservativen Arm war dies bei 22% und 12% der Fall.

Mehr Schlaganfälle nach PCI

Nach einer medianen Beobachtungszeit von zwei Jahren zeigte sich im primären Endpunkt (Tod oder Herzinfarkt)  kein Unterschied zwischen beiden Gruppen (Inzidenz: 36,4% vs. 36,7%). Gleiches galt für die meisten sekundären klinischen Endpunkte. Eine Ausnahme bildete das Schlaganfall-Risiko, welches in der invasiv behandelten Gruppe deutlich erhöht war (HR: 3,76, p=0,004). Allerdings traten die Schlaganfälle später als einen Monat nach der PCI auf und waren damit höchstwahrscheinlich nicht auf den Eingriff zurückzuführen, so Bangalore.

Subgruppenanalysen zeigten eine Konsistenz der Ergebnisse bei verschiedenen Risikokonstellationen (Diabetes: Ja/nein, Dialyse ja/nein, Gute Compliance ja/ein) - mit einer Ausnahme: Die invasive Strategie schien für Patienten mit schwerer Ischämie günstiger zu sein, während bei Patienten mit mäßiger Ischämie bessere Ergebnisse erzielt wurden, wenn sie konservativ behandelt wurden.

Symptomarmes Kollektiv

Im Gegensatz zur großen ISCHEMIA-Studie bei nierengesunden KHK-Patienten hatten die nierenkranken Patienten der ISCHEMIA-CKD-Studie von der invasiven Strategie auch keinen symptomatischen Nutzen. Allerdings war die Symptomlast bei ihnen insgesamt gering, die Hälfte der Patienten hatte von vornherein keine pektanginösen Beschwerden.

Literatur

Vorgestellt beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2019, 16.-18. November 2019, Philadelphia 

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