Nachrichten 19.11.2021

Blutdruckkontrolle in USA seit der Pandemie deutlich zurückgegangen

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Versorgung anderer Erkrankungen aus. So legt eine aktuelle Studie aus den USA eine rückläufige Blutdruckkontrolle bei Hypertonie-Patienten nahe.

Das Management von Bluthochdruckpatienten hat sich in den USA seit Ausbruch der Corona-Pandemie verschlechtert. Jedenfalls lässt sich das aus einer aktuellen beim AHA-Kongress präsentierten Analyse schließen.

„Die Blutdruckkontrolle sank beträchtlich während der COVID-19-Pandemie“, berichtete Studienautorin Prof. Alanna Chamberlain von der Mayo Clinic in Rochester beim Kongress.

Für die Analyse wurden Daten von 1,7 Millionen Patienten mit Bluthochdruck aus 24 verschiedenen US-amerikanischen Gesundheitssystemen ausgewertet. Die entsprechenden Daten wurden von einem klinischen Netzwerkprogramm (PCORnet) über regelmäßige standardisierte Abfragen angefordert, von den beteiligten Zentren an das Netzwerk übermittelt und dort gesammelt.

Blutdruckkontrolle variierte schon vor der Pandemie

Dabei stellten die Wissenschaftler um Chamberlain fest, dass die Blutdruckkontrolle im Allgemeinen zwischen den beteiligten Gesundheitssystemen stark variiert. Es habe auch schon vor der Corona-Pandemie ein Auf und Ab gegeben, bemerkte Chamberlain. Mit Beginn der Pandemie nahmen die Kontrollraten jedoch auffällig stark ab im Vergleich zum Vorjahr. So betrug der Anteil an Bluthochdruckpatienten, bei denen der Blutdruck in der letzten Messung ˂ 140/90 mmHg gelegen hatte, im Jahr 2019 noch 60,5%. Im Jahr 2020 waren es nur noch 53,3% – ein Rückgang von 7,2%.

Doch seit 2020 zeigt sich ein deutlicher Rückgang

Auch der Anteil an Patienten, deren unkontrollierter Bluthochdruck unter Kontrolle gebracht werden konnte, ging laut Chamberlain „dramatisch“ zurück: Ein Rückgang von knapp 6% im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr (29,7% vs. 23,8%). Das wiederum scheint wenig verwunderlich, wenn man sich die Arztkontakte der Patienten mit einem unkontrollierten Hypertonus anschaut. Denn hier zeigt sich ein drastischer Abfall mit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Besuche nahm zwar im weiteren Verlauf wieder zu, erreichte aber nicht mehr das Ausgangsniveau vor der Pandemie, wie Chamberlain berichtete (Patientenanteil mit Folgekontakt innerhalb von 4 Wochen: 36,7% vs. 31,7%).

Es benötige nun eine fortlaufende Untersuchung, ob sich dieser Rückgang in der Blutdruckkontrolle in der Zukunft auch auf die kardiovaskulären Ereignisraten auswirke, erläuterte die Wissenschaftlerin die nächsten Schritte.  

Literatur

Chamberlain A: Disruption in Blood Pressure Control With the Covid-19 Pandemic: A Study of 24 Us Health Systems in the PCORnet Blood Pressure Control Laboratory, Late Breaking Science Session 2, AHA Congress, 13.-15. November 2021

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