Nachrichten 18.11.2021

Spezielles Fischöl nützt bei COVID-19 (wahrscheinlich) nichts

Für Patienten, die an Corona erkrankt sind, aber nicht ins Krankenhaus müssen, gibt es kaum Therapieoptionen. Eine aktuelle Studie wird daran wohl nichts ändern. Denn das darin untersuchte Fischöl hat wenig bis gar nichts gebracht.

Die Einnahme eines speziellen Fischöls hat die Situation von ambulant betreuten an COVID-19 erkrankten Patienten nicht wirklich verbessern können. Zwar hab es in der PREPARE-IT-2-Studie, wie Studienautor Prof. Rafael Diaz beim AHA-Kongress berichtete, in allen untersuchten Endpunkten einen Trend zugunsten des Fischöls gegeben. Doch diese waren alle nicht signifikant, wie der Kardiologe aus dem argentinischen Rosario hinzufügte.

Icosapent-Ethyl mit Sonderstellung

Untersucht wurde in der randomisierten PREPARE-IT-2-Studie Icosapent-Ethyl, welches kardiologisch tätigen Ärzten ein Begriff sein wird. Das ausschließlich Eicosapentaensäure (EPA) enthaltene Präparat hatte sich in der REDUCE-IT-Studie überraschend positiv auf die kardiovaskuläre Prognose der Teilnehmer ausgewirkt. Noch immer wird über diese Studie kontrovers diskutiert, vor allem deshalb, weil sie unter den Pulk an Fischöl-Studien als fast die einzige positiv ausgefallen war (mehr dazu lesen Sie hier).

Nun geht es nicht um die kardiovaskuläre Prävention, sondern um COVID-19. Auch hier existierten, wie Diaz beim AHA ausführte, gewisse Hinweise, dass sich Icosapent-Ethyl auf Inflammation- und Infektionsparameter positiv auswirken könnte. In der 2020 veröffentlichten PREPARE-IT-1-Studie hatte die prophylaktische Einnahme der Omega-3-Fettsäure bei Patienten mit einem Infektionsrisiko die COVID-Erkrankung allerdings nicht verhindern können.

Keine signifikanten Unterschiede

In der PREPARE-IT-2-Studie sollte nun eine potenzielle Wirkung des Fischöls bei bereits erkrankten COVID-19-Patienten im ambulanten Setting aufgezeigt werden. Doch auch das gelang nicht. 2.000 mit SARS-CoV-2 infizierte Patienten sind für die Studie randomisiert worden, bei allen bestand keine klare Indikation für eine Krankenhauseinweisung. Die eine Hälfte sollte in den ersten drei Tagen Icosapent-Ethyl in einer Dosis von 8 g/Tag (4 Kapseln jede 12 Stunden) zu sich nehmen, gefolgt von 4 g/Tag (2 Kapseln alle 12 Stunden) für weitere 24 Tage. Die anderen Studienteilnehmer erhielten stattdessen Placebo-Kapseln.

Während der folgenden 28 Tage mussten 11,16% der mit dem Fischöl behandelten Patienten wegen der COVID-Erkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen werden oder sind daran verstorben. In der Placebo-Gruppe lag die Rate für diesen primären Endpunkt bei 13,69%. Das entspricht zwar einer relativen Risikoreduktion von 16% (Hazard Ratio, HR: 0,84), die jedoch eindeutig nicht signifikant war (p=0,17).

Ein ähnliches Bild ergab sich auch bei den sekundären Endpunkten: Tendenziell fielen diese geringfügig zugunsten des Fischöls aus, aber in allen Fällen konnte keine statistische Signifikanz nachgewiesen werden, wie Diaz betonte.

Negative Effekte hatte die Omega-3-Fettsäure in dieser Studie keine gehabt. Das Medikament sei sehr gut toleriert worden, resümierte der Studienautor, wenngleich die permanente Abbruchrate in der Fischöl-Gruppe signifikant höher war als in der Placebo-Gruppe.

Weitere Studie ist „unrealistisch“

Diaz möchte das spezielle Fischöl – trotz des zumindest statistisch gesehen neutralen Ausgangs der Studie – in der Indikation COVID-19 nicht ganz aufgeben: „Größere randomisierte Studien, die für eine relative Risikoreduktion von circa 15% gepowert sind, sind notwendig, um herauszufinden, ob Icosapent-Ethyl in dem Management von ambulanten COVID-19-Patienten eine Rolle spielen kann“, lautete sein Fazit. Etwa 8.000 Patienten müssten seiner Einschätzung nach hierfür rekrutiert werden. Eine solche Studie auf den Weg zu bringen, hält Diez zum jetzigen Zeitpunkt allerdings für unrealistisch, wie er in der anschließenden Diskussion zugab.

Angesichts der zahlreichen Fehlschläge mit Fischöl sieht Prof. Donald Lloyd-Jones die Durchführung einer solchen Studie prinzipiell kritisch. „Ich bin etwas besorgt, dass wir eine Unwirtschaftlichkeit erschaffen, speziell in dringlichen Zeiten wie der COVID-Pandemie“, äußerte sich Epidemiologe von der Feinberg School of Medicice dazu beim AHA. Die Frage, die er sich stellt: Sollte man Patientenressourcen für solche klinischen Studien verbrauchen, wenn kein wirklicher Nutzen zu erwarten ist? „Ich denke, wir sollten unser Vorgehen überdenken“, erwiderte er darauf, und dabei ethische und ökonomische Aspekte mit einbeziehen, so sein Schlusswort.

Literatur

Diaz R: PREPARE-IT 2 - Icosapent Ethyl Versus Placebo In Outpatients With Covid-19: The Main Results Of PREPARE-IT 2, Late Breaking Science Session 6, AHA Congress, 13.-15. November 2021

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