Nachrichten 17.11.2021

Vorhofflimmern-Ablation: Macht es Sinn, das Vorhofohr direkt mit zu verschließen?

Wer wegen Vorhofflimmerns mit Pulmonalvenenisolation behandelt wird, hat eher keinen Vorteil, wenn zusätzlich das Vorhofohr verschlossen wird. Darauf deutet die aAMAZE-Studie hin. Ein Experte möchte den Ansatz trotzdem nicht aufgeben.

Die aMAZE-Studie, deren Ergebnisse jetzt beim AHA-Tagung im Detail vorgestellt wurden, war eine randomisierte Multicenterstudie mit 610 Teilnehmern in den USA. Es handelte sich um Patienten mit teils lange bestehendem, persistierendem, symptomatischem Vorhofflimmern. 

Untersucht wurde, ob die Patienten einen Vorteil haben, wenn nicht nur eine Pulmonalvenenisolation (PVI), sondern zusätzlich noch ein Vorhofohrverschluss erfolgte. Für Letzteren wurde ein epikardialer Verschluss des Vorhofohrs mit dem LARIAT-System vorgenommen, eine Art Schlinge, die den Vorhofohreingang von außen abschnürt und die perkutan eingesetzt wird.

„Leider kein Vorteil zu sehen“

Leider habe sich gezeigt, dass diese Kombination der Verfahren im Hinblick auf „Freiheit von persistierenden atrialen Arrhythmien“ nach 12 Monaten, den primären Endpunkt, keinen statistisch signifikanten Vorteil gehabt habe, sagte Prof. David J. Wilber von der Elektrophysiologie an der Loyola Universität in Chicago. Der Endpunkt war definiert als keine Vorhofflimmern-, Vorhofflattern- oder atriale Tachykardie-Episoden von mehr als 30 Sekunden Dauer sowie keine neue antiarrhythmische Therapie.

Der Unterschied zwischen den Gruppen war lediglich numerisch: 59,9% der Patienten in der PVI-Gruppe erreichten den Endpunkt gegenüber 64,3% bei Kombination von PVI und Vorhofohrverschluss. Das reichte nicht, um eine Überlegenheit des invasiveren Kombinationsansatzes zu demonstrieren. Technisch war der Vorhofohrverschluss bei 81% der Patienten erfolgreich gewesen, bzw. sogar bei 99%, wenn Erfolg als Residual-Jet von 5 mm oder weniger definiert wurde.

Nutzen womöglich in Subgruppen

Weber betonte, dass es in einigen Subgruppen einen Nutzen des kombinierten Ansatzes geben könnte. Dies seien aber keine prädefinierten Subgruppen gewesen, insofern sei das nur hypothesengenerierend. Konkret ging es dabei zum einen um Patienten mit noch kurzer Dauer des Vorhofflimmerns, zum anderen um Patienten mit einem eher großen Vorhof von 133 cm³ oder mehr.

Ansatz trotzdem nicht aufgeben

Prof. Usha Tedrow von der Elektrophysiologie am Brigham and Women’s Hospital in Boston betonte in einem Kommentar zur Studie, dass es aus elektrophysiologischer Sicht Sinn mache, das Vorhofohr bei PVI-Patienten zusätzlich zu adressieren und dass dieser prinzipielle Ansatz nach dem negativen Ergebnis der aMAZE-Studie noch nicht aufgegeben werden sollte. Möglicherweise könnten zusätzliche Ablationen in Kombination mit dem Vorhofohrverschluss den gewünschten Erfolg bringen. Sie wies auch darauf hin, dass die Erfolgsrate in der PVI-Kontrollgruppe ungewöhnlich hoch gewesen sei, was den Nachweis eines signifikanten Unterschieds erschwert haben könnte.

Literatur

Wilber DJ. Outcomes of Adjunctive Left Atrial Appendage Ligation Utilizing the LARIAT Compared to Pulmonary Vein Antral Isolation Alone – the aMAZE trial. Session Late Breaking Science 03, AHA Congress, 13.-15. November 2021

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