Nachrichten 09.11.2022

Traditionelle Chinesische Medizin könnte bei STEMI von Nutzen sein

Tongxinluo, eine chinesische Arznei auf Pflanzenbasis, scheint als Ergänzung zur leitliniengerechten Therapie bei Patienten und Patientinnen mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) das Risiko für kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse zu senken, legt die randomisierte CTS-AMI-Studie nahe.

Trotz koronarer Revaskularisation und optimaler medizinischer Therapie haben von STEMI Betroffene immer noch ein hohes Risiko für Tod im Krankenhaus, unzureichende Myokardperfusion (No-Flow-Phänomen) und Reperfusionsschäden, ohne dass es bisher spezifische Medikamente gebe, gab Prof. Yuejin Yang von Peking Union Medical College in Peking beim diesjährigen Kongress der American Heart Association (AHA) zu bedenken. Zudem hinterlasse die unzureichende Umsetzung einer rechtzeitigen Revaskularisierung bei vielen Personen mit STEMI in China und anderen Entwicklungsländern eine beträchtliche Infarktgröße, so der Kardiologe.

In einer randomisierten, doppelblinden Studie zeigte das pflanzliche Arzneimittel Tongxinluo als Ergänzung zur leitliniengerechten Therapie bei solchen Patienten und Patientinnen vielversprechende Ergebnisse. Die aus der Traditionellen Chinesischen Medizin stammende Arznei ist seit 1996 in China für Angina pectoris und Schlaganfall zugelassen. Frühere präklinische Studien sowie die ENLEAT-Study von Zhang et al. weisen darauf hin, dass Tongxinluo das No-Flow-Phänomen und die Infarktgröße reduzieren und die Herzmuskelzellen schützen könnte.

Weniger MACCE nach 30 Tagen und nach einem Jahr

Für die CTS-AMI-Studie wurden knapp 3.800 Teilnehmende mit STEMI oder neu aufgetretenem Linksschenkelblock aus 124 chinesischen Kliniken randomisiert: Innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der Symptome erhielten sie entweder acht 2,08g-Kapseln Tongxinluo oder Placebo plus duale Plättchenhemmung, gefolgt von einer perkutanen Koronarintervention (PCI), Thrombolyse oder alleinigen medikamentösen Behandlung. Anschließend bekamen sie vier Kapseln Verum oder Placebo dreimal täglich plus leitliniengerechter Therapie für zwölf Monate.

Das relative Risiko für kardio- und zerebrovaskuläre Ereignisse (MACCE) nach 30 Tagen war in der Tongxinluo-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe signifikant um 36% reduziert (3,39 % vs. 5,24%). Für kardiovaskulär bedingten Tod war das Risiko in der Interventionsgruppe signifikant um 30% geringer (2,97 % vs. 4,24%), während es für einen erneuten Herzinfarkt signifikant um 65% niedriger war (0 vs. 9 Ereignisse). Die Anzahl der Schlaganfälle war in beiden Gruppen ähnlich (4 vs. 9 Ereignisse). Bei keinem der Teilnehmenden kam es innerhalb von 30 Tagen zu einer koronaren Revaskularisation.

Keine schweren Nebenwirkungen beobachtet

Auch schwere STEMI-Komplikationen (11,79% vs. 14,80%) und schwere Arrhythmien (7,84% vs. 10,20%) waren nach 30 Tagen in der Tongxinluo-Gruppe signifikant geringer, relativ um 20% bzw. 23%. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich beim Risiko für einen kardiogenen Schock oder für Komplikationen bei den Eingriffen. Nach einem Jahr war das Risiko für MACCE, kardiovaskulär bedingten Tod und erneuten Herzinfarkt in der Interventionsgruppe ebenfalls niedriger. Schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 41 Personen unter Tongxinluo und bei 52 Teilnehmenden unter Placebo auf, was keinen relevanten Unterschied ergab.

„Die Daten unterstützen die Verwendung von Tongxinluo als Zusatztherapie bei der Behandlung von STEMI, zumindest in China und anderen Entwicklungsländern“, lautete das Fazit von Yang. Prof. Kenneth Mahaffey von der Stanford School of Medicine in Kalifornien, der die Studie beim AHA-Kongress kommentierte, ergänzte, dass die Ergebnisse wahrscheinlich den Einsatz von Tongxinluo in China unterstützen werden, aber dass weitere Studien in anderen Bevölkerungsgruppen erforderlich seien.

Literatur

Yang Y. The Impact of Chinese Herbal Medicine, Tongxinluo in Patients with Acute Myocardial Infarction -  Results from the CTS-AMI-Trial. Late Breaking Science III. AHA Kongress 2022, 5. – 7. November 2022, Chicago

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