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13.11.2017 | AHA-Kongress | Nachrichten

TRICS-III-Studie vergleicht zwei Strategien

Bluttransfusion bei Herzoperation: Es geht auch auf restriktive Weise

Autor:
Peter Overbeck

Herzoperationen verursachen Blutverluste. Die Zahl der Bluttransfusionen lässt sich in solchen Fällen durch eine restriktive Indikationsstellung im Vergleich zu einer großzügigeren Anwendung erheblich verringern, ohne dass die Patienten dadurch Schaden erleiden, belegen jetzt Ergebnisse einer großen Vergleichsstudie.

Blutverluste lassen sich bei Herzoperation kaum vermeiden. Bluttransfusionen können eine Anämie verhindern, die bekanntlich mit einer erhöhten Mortalität assoziiert ist. Andererseits gehen Transfusionen von Fremdblut  aber auch mit Risiken einher.  Soll in dieser Situation  also eher nach restriktiven oder liberalen Kriterien über eine Transfusion entschieden werden? Nach derzeitige Studienlage gibt es darauf keine definitive Antwort.

Die jetzt beim Kongress der American Heart Association (AHA) von Dr. Cyril David  Mazer aus Toronto vorgestellte TRICS-III-Studie (Transfusion Requirements in Cardiac Surgery) sollte deshalb  eine wichtige Entscheidungshilfe liefern. Nach ihren Ergebnissen ist eine restriktive Praxis der Transfusion von roten Blutzellen bei Herzoperationen einer eher liberalen Transfusionsstrategie in klinischer Hinsicht „nicht unterlegen“.

Studie bei mehr als 5.000 Herzoperierten

In dieser Studie sind 5243 für eine Herzoperation vorgesehene Patienten mit einem mittleren bis hohen Operationsrisiko auf zwei Gruppen mit unterschiedlicher Transfusionsstrategie randomisiert  worden.  In der Gruppe mit restriktiver Indikation erhielten die Patienten Bluttransfusionen, sobald das Hämoglobin (Hb) im Operationssaal oder auf der Intensiv- und  Normalstation auf unter 7,5 g/dl gefallen war. In der Gruppe mit  liberaler Strategie  erfolgte eine Transfusion bereits  dann, wenn der Hb-Wert auf unter 9,5 g/dl (unter 8,5 mg/dl auf der Normalstation) gesunken war.

Je nach Strategie war der Anteil der Patienten, die eine oder mehrere Bluttransfusionen erhalten hatten, in beiden Gruppen erwartungsgemäß unterschiedlich:  Bei restriktiver Indikation war er mit 52,3% auch nicht gerade niedrig, bei liberaler Indikation mit 72,3% aber deutlich höher.

Nachweis der „Nicht-Unterlegenheit“ gelungen

Auf den klinischen Verlauf wirkte sich dieser Unterschied allerdings nicht aus. Maßgeblich für dessen Beurteilung war die Rate der Ereignisse Tod, Myokardinfarkt, Dialyse wegen neu aufgetretenem Nierenversagen und neue fokale neurologische Defizite (primärer kombinierter Endpunkt) zum Zeitpunkt der Klinikentlassung bzw. nach vier Wochen. Mit  11,4% (restriktive Indikation) und 12,5% (liberale Indikation) unterschieden sich  die entsprechenden Ereignisraten nur geringfügig. 

Mit Ausnahme von Herzinfarkten fielen die Ergebnisse bei allen anderen Komponenten des primären Endpunkts zumindest numerisch zugunsten der restriktiven Vorgehensweise aus. Etwas überraschend schien diese Strategie speziell bei älteren Patienten  besonders vorteilhaft gewesen zu sein.

Die definierten statistischen Kriterien für „Nicht-Unterlegenheit“ der restriktiven Strategie wurden damit  klar erfüllt. Auch im Hinblick auf sekundäre Endpunkte wie Dauer des Klinikaufenthalts, akute Nierenschädigung oder Infektionen gab es keine nennenswerten Unterschiede.

Nach diesen Ergebnissen kann somit bei Herzoperationen auf viele Bluttransfusionen ohne Nachteil für die Patienten verzichtet werden. Das wirkt sich auch auf die Behandlungskosten vorteilhaft aus:  Studienleiter Mazer taxierte die allein im Rahmen der Studie mit der restriktiven Strategie erzielte Kosteneinsparung auf rund 3 Millionen Dollar.

Literatur

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