Skip to main content
main-content

13.11.2017 | AHA-Kongress | Nachrichten

Studie prüft Natriumbikarbonat und Acetylcystein

Nierenschäden durch Kontrastmittel: Zwei verbreitete Präventionsstrategien fallen glatt durch

Autor:
Peter Overbeck

Sowohl  intravenös verabreichtes Natriumbikarbonat als auch oral gegebenes Acetylcystein werden bei Angiografien  zum Schutz vor Kontrastmittel  induzierten akuten Nierenschäden eingesetzt. Ergebnisse einer großen kontrollierten Studie lassen nun beide Präventionsstrategien als wirkungslos erscheinen.

Vor allem bei Patienten mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion kann die Gabe von Röntgenkontrastmittel  im Rahmen einer Angiografie zu akuten Nierenschäden  und Nierenversagen führen. Einzig akzeptierte Form der Prophylaxe von Nierenschädigungen  infolge  Kontrastmittelgabe ist derzeit die Hydratation durch Gabe von isotonischer Natriumchloridlösung.

Auch Natriumbikarbonat und Acetylcystein wird nachgesagt, bei der Verhinderung von durch Kontrastmittel induzierten Nephropathien helfen zu können. Die überwiegend auf kleineren Untersuchungen basierende Studienlage ist aber in beiden Fällen nicht eindeutig.

Studie mit mehr als 5.000 Teilnehmern

Jetzt ist beim Herzkongress der American Heart Association (AHA) im kalifornischen Anaheim die mit Abstand größte Studie zur Frage der Verhinderung von Nierenschäden nach Kontrastmittelgabe vorgestellt worden. Als geprüfte Strategien sind bei diesem Test sowohl die periprozedurale intravenöse Gabe von Natriumbikarbonat  als auch die orale Acetylcysteingabe glatt durchgefallen.

In der PRESERVE getauften Studie sind 5177 für eine Angiografie (davon zu  90% Koronarangiografien) vorgesehene Patienten mit hohem Risiko für renale Komplikationen aufgenommen worden. Bei allen bestand eine chronische Niereninsuffizienz im Stadium 3 (eGFR 30 – 59,9 ml/min) oder Stadium 4 (eGFR 15 – 29,9 ml/min). Patienten mit einer eGFR im Bereich 45 – 59,9 ml/min mussten zudem einen Diabetes mellitus  aufweisen.

Kein signifikanter Unterschied beim primären Endpunkt

Die im 2×2-faktoriellen Design angelegte Studie beinhaltete zwei Vergleiche: Bei 2.511 Teilnehmer ist Natriumbikarbonat mit  Natriumchlorid als periprozedural infundierte Lösung verglichen worden, bei 2.495 Teilnehmern Acetylcystein (1.200 mg zweimal täglich) als fünftägige orale Therapie mit Placebo. Primärer Studienendpunkt war die Rate für die kombinierten Ereignisse  Tod, Notwendigkeit einer Dialyse oder anhaltender Anstieg der Serumkreatinins um mindestens 50 % zum Zeitpunkt nach 90 Tagen.

Nachdem bei einer Zwischenanalyse keine Aussicht auf Erfolg versprechenden Unterschiede zwischen den Gruppen auszumachen waren, ist die Studie vorzeitig gestoppt. Ein als primärer Endpunkt definiertes Ereignis  war bis dahin bei 110 Patienten (4,4 %) der Natriumbikarbonat-Gruppe und bei 116 Patienten (4,7 %) der Natriumchlorid-Gruppe aufgetreten (Odds Ratio, 0,93; p = 0,62). In der Acetylcystein-Gruppe waren es 114 Patienten (4,6 %) im Vergleich zu 112 (4,5 %) in der Placebo-Gruppe  (OR 1,02; p = 0,88).

Auch akute Nierenschädigung nicht verhindert

Auch im Hinblick auf  eine Kontrastmittel-assoziierte akute  Nierenschädigung, definiert als Anstieg des Serumkreatinins um mehr als 25 % bis zum dritten bis fünften Tag nach der Angiografie, bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.  Im Unterschied zu vorangegangenen kleineren Studien war diese Art der Nierenschädigung in der aktuellen Studien nur ein sekundärer Endpunkt. In erster Linie sollte dagegen anhand der im primären Endpunkt kombinierten Ereignisse  der potenziell Einfluss  vermeintlich protektiver Behandlungsstrategien auf die klinischen Folgekomplikationen einer  akuten Nierenschädigung untersucht werden. Doch weder bei der renalen Akutschädigung noch bei daraus resultierenden klinischen Komplikationen zeigten sich  relevante Unterschieden zugunsten von Natriumbikarbonat oder Acetylcystein.

Was bedeutet das für die Praxis? Nach Ansicht von Studienleiter Dr. Steven Weisbord  aus Pittsburgh sollten  künftig mit Blick auf die Vermeidung von Konstrastmittel induzierten Nierenschäden und damit verbundenen klinischen Komplikationen folgende Standards gelten: Zum einen die intravenöse Behandlung mit isotonischer Natriumchloridlösung, zum anderen der Verzicht auf Acetylcystein.

Literatur

Neueste Kongressmeldungen

16.04.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Nachrichten

„Kardiovaskuläre Inflammation“ ist das Motto für die DGK-Frühjahrstagung 2019

DGK-Kongresspräsident Prof. Stephan Baldus betont im Interview zentrale Herausforderungen für die Zukunft der Kardiologie: Nachwuchsförderung, Versorgungsforschung und Qualitätssicherung.

11.04.2019 | Kardiologische Kongresse | Nachrichten

Mitteldeutscher Echokardiographie-Kongress der DGK 2019

Die DGK veranstaltet erstmals den Mitteldeutschen Echokardiographie-Kongress in Leipzig.

04.04.2019 | ACC-Kongress 2019 | Nachrichten

Steht ein Strategiewechsel in der Plättchenhemmer-Therapie nach PCI bevor?

Neue Studien stützen das Konzept, die plättchenhemmende Therapie nach perkutaner Koronarintervention zu verschlanken. Danach scheint es von Vorteil zu sein, die derzeit empfohlene längerfristige duale Antiplättchen-Therapie zu verkürzen, dann ASS abzusetzen und die Therapie nur mit einem  P2Y12-Hemmer fortzusetzen.

Neueste Kongresse

ACC-Kongress 2019

"ACC.19 is More Than a Meeting! It's an Experience!" lautet die Botschaft des diesjährigen Kongresses des American College of Cardiology vom 16. bis 18. März in New Orleans. Und so können sich die Besucher auch dieses Jahr wieder in spannenden Symposien und digitalen Sessions über die neuesten Studienergebnisse und Trends informieren. Auswählte Highlights des Kongresses finden Sie in diesem Dossier.

AHA-Kongress 2018

"New 3-Day Meeting. New Experience. New Sessions." lautete das Motto des diesjährigen AHA-Kongresses in Chicago. Und um neue Trends und die digitale Zukunft der Kardiologie ging es deshalb auch in zahlreichen Sessions und Symposien. Die Highlights des Kongresses finden Sie in unserem Dossier.

DGK Herztage 2018

Mit einem neuen Besucherrekord von fast 3.300 Teilnehmern sind am 13. Oktober die DGK Herztage zu Ende gegangen. Alle Highlights der Herbsttagung 2018 finden Sie in unserem Kongressdossier. 

Bildnachweise