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17.11.2017 | AHA-Kongress | Nachrichten

Herzoperationen

Schützt Botox vor postoperativem Vorhofflimmern?

Autor:
Veronika Schlimpert

Botulinumtoxin hat auch in der Kardiologie erste Erfolge gefeiert. In Pilotstudien war das Neurotoxin in der Lage, das Auftreten von Vorhofflimmern nach Herz-Operationen zu unterdrücken. Eine aktuelle randomisierten Studie bringt nun Ernüchterung.  

In Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, steckt viel mehr als nur ein Faltenglätter. Mittlerweile haben auch Kardiologen das Gift für ihre Zwecke ins Visier genommen. Erprobt wird das Neurotoxin als Therapieoption im Rahmen von Herzoperationen mit der Hoffnung, damit das Auftreten von postoperativem Vorhofflimmern unterdrücken zu können. Erste Ergebnisse aus kleineren Pilotstudien waren durchaus vielversprechend.

Doch wie so häufig in der klinischen Forschung stellt sich das Konzept nun in einer größeren randomisierten Studie als nur wenig wirksam heraus. Die Ergebnisse der TNT-POAF-Studie stellte Prof. Nathan Waldron beim Kongress der „American Heart Association“ (AHA) vor.

Postoperatives Vorhofflimmern ist ein klinisches Problem

Am Anfang seines Vortages stellte der an der Duke University School of Medicine tätige Anästhesist die klinische Problematik von postoperativem Vorhofflimmern heraus. „Mit einer unverändert hohen Inzidenz von 26 bis 40% ist Vorhofflimmern eine häufige Komplikation nach einer Herzoperation.“ Sowohl die kurz- als auch langfristige Prognose der Patienten verschlechtere sich in der Folge beträchtlich.  

Als Ursache für ein postoperatives Vorhofflimmern wird ein Ungleichgewicht des sympathischen und parasympathischen Nervensystems vermutet. Durch seine anticholinerge Wirkung könnte Botulinumtoxin der Arrhythmie-Entwicklung entgegenwirken.

In der doppelblinden randomisierten TNT-POAF-Studie gelang dies allerdings nur bedingt. 130 Probanden bekamen während einer Koronararterien-Bypass-Operation oder Klappen-Operation entweder Onabotulinum Toxin A in das epikardiale Fettgewebe injiziert oder eine Salzlösung.

Ergebnis statistisch nicht signifikant

Eine Woche nach dem Eingriff hatten 36,5% der Patienten mit der Botox-Behandlung Vorhofflimmern entwickelt, in der Kontrollgruppe waren es 47,8%. Der Unterschied von 11% war statistisch nicht signifikant (p=0,19). Signifikant geringer war die Dauer der ersten Vorhofflimmern-Episode (1,9 vs. 5,5 Stunden, p=0,01).

Trotz dieses unbefriedigenden Studienergebnisses gibt Waldron das Konzept nicht auf. Die Studie sei womöglich underpowered gewesen, um eine geringe, aber klinisch bedeutsame Risikoreduktion belegen zu können. Darüber hinaus handelte es sich um eine Hochrisikopopulation, bei der es im Vorfeld bereits zu Vorhofflimmern-Episoden gekommen war.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers besteht deshalb noch Hoffnung, dass epikardial injiziertes Botulinumtoxin das Risiko für postoperatives Vorhofflimmern senken kann. Diese Annahme müsse man nun in weiteren, großangelegten Studien prüfen.

Die gute Nachricht: In dieser Studie waren keine Sicherheits-Risiken durch die Botox-Behandlung erkennbar. Weder die die Krankenhausverweildauer noch die postoperativen Komplikationsraten und die Mortalität unterschieden sich zwischen beiden Gruppen.

Ob die Sicherheit aber auch langfristig gewährleistet ist, bleibt abzuwarten.

Literatur

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