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02.03.2017 | Akutes Koronarsyndrom, ACS | Nachrichten

Geringe Leitlinien-Adhärenz

Patienten nach Herzinfarkt zu bewegungsfaul

Autor:
Veronika Schlimpert

Nach einem Infarkt lassen sich Betroffene offenbar nur widerwillig zu mehr Bewegung motivieren. In einer Studie hielten sich nur wenige Patienten an die Leitlinien-Vorgaben.

Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil in der Sekundprävention eines akuten Koronarsyndroms (ACS). Doch in einer aktuellen Studie schaffte es noch nicht mal jeder fünfte ACS-Patient, die von den Leitlinien empfohlene Intensität an körperlicher Aktivität einzuhalten.  

In den Leitlinien der US-amerikanischen Kardiologie-Gesellschaften (ACC/AHA) wird ACS-Patienten geraten, bereits in den nächsten zwei Wochen nach der Entlassung sich mindestens 30 Minuten am Tag an mindestens fünf Tagen pro Woche moderat zu bewegen, also etwa schnelles Gehen.

Doch nun ergab eine Studie mit 330 Patienten, die aufgrund eines Myokardinfarktes oder einer unstabilen Angina in eine Klinik aufgenommen waren, dass nach fünf Wochen gerade mal 16% der Patienten die Zielvorgabe der ACC/AHA-Leitlinie erreicht hatten. Etwa ein Viertel der Teilnehmer (27,5%) schaffte es, diese zumindest teilweise zu befolgen (mind. 30 Minuten moderate bis hohe körperliche Aktivität an 1% bis 65% der Tage). Mehr als die Hälfte aller ACS-Patienten war allerdings völlig untätig.

Die körperliche Aktivität wurde während des fünfwöchigen Follow-up mittels eines Akzelerometers erfasst, den die Teilnehmer für mindestens zehn Stunden an mindestens drei Tagen die Woche am Handgelenk tragen sollten.

Interventionen dringen notwendig

Damit hätten in ihrer Untersuchung deutlich weniger Patienten  die Ziele erreicht, als es etwa aus Studien bekannt sei, in denen die Teilnehmer ihre Aktivitätslevel selbst angegeben hätten, stellen die Studienautoren um Ian Kronish von der Columbia University in New York fest. Ihrer Ansicht nach verdeutlicht dies einen dringenden Bedarf an Interventionen, die zu einer Steigerung der körperlichen Aktivität von ACS-Patienten beitragen, wie etwa die Teilnahme an speziellen  Rehabilitationsprogrammen. Darin könne man den Patienten etwa die häufig noch vorhandene Angst, sich nach einem Infarkt zu belasten, nehmen. „Bisher ist die Teilnahme an solchen Programmen allerdings gering“, beklagen die US-amerikanischen Ärzte. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) wird eine solche trainingsbasierte Rehabilitation mit einer Klasse-1B-Empfehlung aufgeführt. 

Eine breit einsetzbare Maßnahme könnte nach Ansicht von Kronish und Kollegen auch der Einsatz von Devices zum objektiven Monitoring  der körperlichen Aktivität darstellen, die den Patienten und Ärzten direkt Feedback geben können. 

Literatur