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09.06.2017 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

Thrombozytenhemmung ohne Blutungen

Potenziell risikoärmerer Plättchenhemmer im Schlangengift entdeckt

Autor:
Veronika Schlimpert

Im Schlangengift haben Forscher einen potenziellen Plättchenhemmer entdeckt. Die künstlich hergestellte Version eines Proteins war in der Lage, die Plättchenaggregation im Tiermodell zu verzögern – ohne Blutungskomplikationen zu provozieren.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein – ein Plättchenhemmer, der die Thrombusbildung effektiv verhindert, ohne ein Risiko für Blutungen zu bergen. Forscher aus Taiwan glauben nun tatsächlich, eine solche antithrombotische Substanz gefunden zu haben, die im Gegensatz zu den gängigen Plättchenhemmern kein oder nur ein geringes Blutungsrisiko mit sich bringt. Entdeckt haben sie den Hoffnungsträger im Schlangengift der Tempelotter (Tropidolaemus wagleri).

Untereinheiten des als Trowaglerix bezeichneten Proteins interagieren spezifisch mit Glykoprotein VI (GPVI). Dieser Kollagen-Rezeptor wird auf der Oberfläche von Thrombozyten exprimiert und  spielt damit eine wichtige Rolle bei der Kollagen-induzierten Aktivierung und Aggregation der Blutplättchen. 

Erstaunlicherweise leiden Menschen, bei denen GPVI aufgrund einer Genmutation seine Fähigkeit zur Aktivierung der Plättchenaggregation verloren hat, nicht vermehrt an schweren Blutungen. Diese Beobachtung macht GPVI zu einem interessanten Angriffsziel für die Erforschung neuer Plättchenhemmer.

Hemmung eines Kollagen-Rezeptors

Forscher um Chien-Hsin Chang von der National Taiwan University in Taipei haben es nun mit technischem Aufwand geschafft, eine Hexa/Decapeptid-Untereinheit von Trowaglerix zu synthetisieren, die spezifisch an GPVI bindet und dessen Aktivität blockiert.

Mit diesem GPVI-Hemmer ließ sich die kollagen-induzierte Thrombusbildung von Thrombozyten-angereichertem Plasma effektiv verhindern. Appliziert in Mäusen verzögerte die Substanz die Thrombusbildung ebenfalls signifikant. Die Blutungszeit wurde dadurch nicht verlängert.

Dieses Peptid könne somit als Molekülgerüst für eine neue vielversprechende antithrombotische Substanzklasse dienen, von der man sich weniger Blutungskomplikationen verspreche, resümieren Chang und Kollegen.

In Zukunft  hoffen die Wissenschaftler, dass sich diese ex vivo- und in vivo-Experimente im Menschen reproduzieren lassen. Dafür benötigt es allerdings zunächst technische Verbesserungen, die eine Applikation und ausreichende Wirkdauer im menschlichen Organismus gewährleisten, wie beispielsweise die Entwicklung eines speziellen Trägersystems für das niedermolekulare Peptid.

Literatur