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17.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

LEADERS FREE-ACS-Studie

Akutes Koronarsyndrom: Der „bare metal“-Stent hat ausgedient!

Autor:
Prof. Dr. Holger Eggebrecht

Ein polymerfreier beschichteter Stent punktet bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) und hohem Blutungsrisiko: Bei auf nur vier Wochen befristeter dualer Antiplättchen-Therapie (DAPT) waren die klinischen Ergebnisse im Vergleich zu einem unbeschichteten Metallstent deutlich besser.

Immer wieder stellt sich im klinischen Alltag die Frage: Was ist die optimale Interventionsstrategie für KHK-Patienten mit hohem Blutungsrisiko? Der „drug eluting“-Stent (DES) ist dem „bare metal“-Stent klar überlegen, benötigt aber eine längere duale Thrombozytenggregationshemmung.

Eine Alternative in dieser Situation könnte der polymerfreie, mit Biolimus A9 beschichtete „drug coated“-Stent (DCS) sein, der mit einer im Vergleich zum DES kürzeren dualen Plättchenhemmung auskommt.

Das Konzept des DCS wurde in der LEADERS FREE-Studie untersucht, deren Hauptergebnisse bereits auf dem TCT 2015 vorgestellt wurden: 2.466 Patienten mit hohem Blutungsrisiko wurden zur PCI mit DCS bzw. BMS randomisiert. Alle Patienten erhielten nur für 1 Monat eine duale Plättchenhemmung. Hinsichtlich Effektivität, aber auch Sicherheit war der DCS dem BMS signifikant überlegen [1].

Im Rahmen der ersten „late breaking clinical trial“-Sitzung des EuroPCR-Kongress 2016 wurden jetzt die Ergebnisse der LEADERS FREE ACS-Studie, einer vordefinierten Substudie, von PD Dr. Christoph Naber, Contilia Herz- und Gefäßzentrum Essen, vorgestellt und zeitgleich online im European Heart Journal publiziert [2].

Insgesamt wurden 662 Patienten mit akutem Koronarsyndrom (84,1 % NSTEMI, 15,9 % STEMI) und einem hohen Blutungsrisiko analysiert. Hauptkriterien für ein hohes Blutungsrisiko waren ein Alter > 75 Jahre (DCS: 70,6 % vs. BMS: 69,6 %), Notwendigkeit einer (zusätzlichen) oralen Antikoagulation (23,9 vs. 30,7 %), eingeschränkte Nierenfunktion mit einer glomerulären Filtrationsrate < 40 ml/min (18,8 vs. 24,3 %) sowie ein Hämoglobinwert < 11 g/dl oder Transfusion innerhalb der letzten 4 Wochen (22,1 vs. 24 %).

Hinsichtlich des primären Endpunkts (klinisch indizierte Re-Intervention der Zielläsion) zeigte sich innerhalb von 12 Monaten eine signifikante Überlegenheit des DCS gegenüber dem BMS (3,9 vs. 9,0 %; p = 0,009; HR 0,41; 95 % CI 0,21–0,82). In Bezug auf die Sicherheit zeigte sich ebenfalls ein deutlicher Vorteil für den DCS: Der kombinierte Endpunkt aus kardialem Tod, Myokardinfarkt, definitiver oder wahrscheinlicher Stentthrombose war in der DCS-Gruppe nach 12 Monaten um die Hälfte reduziert (9,3 vs. 18,5 %; p = 0,001; HR 0,48; 95 % CI 0,31–0,75).

Der DCS war in allen Einzelpunkten des kombinierten Endpunkts dem BMS überlegen, statistisch signifikant aber für kardialen Tod und Myokardinfarkt. Die Analyse bestätigte übrigens, dass es sich bei den eingeschlossenen Patienten in der Tat um ein Kollektiv mit hohem Blutungsrisiko handelte: So war die Rate an schweren Blutungen war in beiden Gruppen mit 9 % hoch.

Die LEADERS FREE ACS-Studie zeigt deutlich, dass der BMS beim akuten Koronarsyndrom ausgedient hat. Bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko (ältere Patienten, Notwendigkeit einer Antikoagulation, Niereninsuffizienz), die von einer verkürzten dualen Plättchenhemmung profitieren, ist der DCS dem BMS hinsichtlich Sicherheit und Effektivität signifikant überlegen. Die klinische Restenoserate nach DCS-Implantation ist mit 3,9 % innerhalb von 12 Monaten niedrig.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Prof. Dr. Holger Eggebercht ist Kardiologe und Internist am Cardioangiologischen Centrums Bethanien CCB Frankfurt am Main.

Literatur

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