Skip to main content
main-content

28.03.2018 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

1-Jahres-Daten der EVITA-Studie

Akutes Koronarsyndrom: Frühe Vareniclin-Behandlung steigert Erfolg beim Rauchstopp

Autor:
Peter Overbeck

Bei  rauchenden Patienten mit akutem Koronarsyndrom ist eine schon vor der Klinikentlassung initiierte Raucherentwöhnung mit Vareniclin auch auf längere Sicht relativ erfolgreich, wie neue Daten der EVITA-Studie belegen.

Ein einschneidendes Ereignis wie ein akuter Myokardinfarkt  könnte eine günstige Gelegenheit sein, um davon betroffene Raucher zu motivieren, ihrer Nikotinsucht endgültig zu entsagen. Dabei können auch Medikamente, die Raucher bei der Entwöhnung unterstützen, hilfreich sein.

Wie erfolgreich eine solche schon vor der Klinikentlassung bei rauchenden Infarktpatienten initiierte Strategie sein kann,  verdeutlichen aktuell publizierte 1-Jahresdaten der EVITA-Studie. Sie zeigen, dass bei den Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS), bei denen bereits in der Klinik einer 12-wöchige Behandlung mit Vareniclin eingeleitet worden war, der Anteil jener, die auch nach einem Jahr noch ohne Tabakkonsum auskamen, signifikant höher war als in der Placebogruppe. Der absolute Unterschied bei der Abstinenzrate war mit nahezu 11 Prozentpunkten vergleichsweise groß.

Test bei 302 ACS-Patienten

In die randomisierte Multicenterstudie EVITA (Evaluation of Varenicline in Smoking Cessation for Patients Post-Acute Coronary Syndrome) haben kanadische Untersucher um  Prof. Mark Eisenberg aus Montreal  302 Raucher aufgenommen, die wegen eines ACS in Kliniken stationär behandelt wurden.  Ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme lässt vermuten, dass es sich um besonders motivierte ACS-Patienten gehandelt hat. Fraglich ist deshalb, inwieweit die Ergebnisse zum Erfolg beim Rauchstopp auch auf Patienten im normalen Praxisalltag übertragbar sind.

Die EVITA-Teilnehmer waren im Durchschnitt 55 Jahre alt und hatten im Median 35 Jahre lang täglich etwa 22 Zigaretten geraucht. 56 Prozent waren mit  ST-Hebungsinfarkt (STEMI), 37,8 Prozent mit  Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und 6,3 Prozent mit instabiler Angina pectoris eingeliefert worden.

Jeder Zehnte schaffte es mit Vareniclin-Hilfe

Nach randomisierter Aufteilung in zwei Gruppen wurden die Patienten 12 Wochen lang entweder mit Vareniclin  oder Placebo behandelt. Die erste Gabe  von Vareniclin/Placebo erfolgte im Schnitt bereits am zweiten Tag des  Krankenhausaufenthaltes. Eine Nikotinabstinenz, die nach Selbstauskunft der Teilnehmer mindestens in den letzten sieben Tagen bestanden haben musste, wurde zusätzlich mithilfe eines Kohlenmonoxid(CO)-Atemtests überprüft.

Zum Zeitpunkt nach 52 Wochen  hatten immerhin 34,4% aller zuvor rauchenden ACS-Patienten das Rauchen aufgegeben. Allerdings war der Anteil der Nichtraucher in der Vareniclin-Gruppe signifikant höher als in der Placebo-Gruppe  (39,9% vs. 29,1%). Der absolute Unterschied um 10,7 Prozentpunkte bedeutet, dass zehn Raucher mit Vareniclin behandelt werden mussten, um einen zum Nichtraucher werden zu lassen (number needed to treat: 10).

Rund 60% bleiben unverbesserliche Raucher

Mehr Patienten im Vareniclin-Arm der Studie gaben an, ihren täglichen Konsum an Zigaretten um mindestens 50% oder mehr eingeschränkt zu haben  (57,8% vs. 49,7%). Als traurige Tatsache ist aber auch zu vermerken, dass 60 Prozent aller ACS-Patienten den Übergang zum Nichtraucher trotz Vareniclin-Behandlung  nach einem Jahr nicht geschafft haben.

Die in der Vareniclin- und Placebo-Gruppe  beobachteten Raten für unerwünschte Begleiteffekte  (24,5% vs. 21,9%) und für aufgetretene kardiovaskuläre Ereignisse  (8,6% vs. 9,3%)  unterschieden sich nicht signifikant.

Die 1-Jahres-Ergebnisse stehen im Einklang mit den von Eisenberg bereits 2015 beim AHA-Kongress in Orlando vorgestellten 6-Monats-Daten der EVITA-Studie. Danach waren nach 4, 12 und 24 Wochen in der Vareniclin-Gruppe  jeweils signifikant mehr Nichtraucher als in der Placebo-Gruppe vertreten (60% vs. 37,7%, p=0,001; 57,7% vs. 36,4%, p=0,001 und 47,3% vs. 32,5%, p=0,002).

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.10.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Publikation der VEST-Studie: positiv, negativ oder neutral mit Trend?

Welchen Nutzen bietet die tragbare Defibrillatorweste nach akutem Myokardinfarkt?

Die kürzlich publizierte VEST-Studie liefert abhängig von dem statistischen Analyseverfahren unterschiedliche Ergebnisse zur Reduktion plötzlicher Todesfälle durch Einsatz der tragbaren Defibrillatorweste bei Postinfarktpatienten. Die Gesamtmortalität zeigt sich dagegen unabhängig vom Analyseverfahren reduziert. Über die Auslegung der VEST Studie wird unter Experten diskutiert.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
Prof. Dr. med. Dierk Thomas

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

Aus der Kardiothek

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

15.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Mindestmengen zur Qualitätskontrolle – Sinn oder Unsinn?

Prof. Hugo A. Katus diskutiert, ob Mindestmengen zur Sicherstellung der Behandlungsqualität sinnvoll sind.

13.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Kritische Bewertung von Studien am Beispiel von TAVI

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) boomt in Deutschland. Doch was ist wirklich belegt? Prof. Stefan Blankenberg wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise