Nachrichten 25.07.2018

Antidepressivum senkt Herzinfarkt-Rate in randomisierter Studie

Bisher konnten Antidepressiva in Bezug auf die Herzgesundheit wenig überzeugen. Umso erstaunlicher sind die Effekte, die sich nun in einer randomisierten Studie gezeigt haben.

Ein Antidepressivum hat in einer randomisierten Studie bei depressiven Herzinfarkt-Patienten eine erstaunliche Wirkung gezeigt: Eine 24-wöchige Behandlung mit dem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Escitalopram reduzierte die Rate an schweren kardiovaskulären Ereignissen (MACE) im Vergleich zu Placebo um relative 31%.

Frühere Studien verliefen negativ

Das Ergebnis steht damit im Gegensatz zu zwei anderen randomisierten Studien, MIND-IT und SADHART, die einen solchen Nachweis nicht erbringen konnten.

In der aktuellen Studie erhielten 300 Patienten, die aufgrund eines Herzinfarktes in das Chonnan National University Hospital in Gwangju/Südkorea eingewiesen worden sind und bei denen eine Minor- oder Major-Depression diagnostiziert worden war, 24 Wochen lang entweder Escitalopram (5, 10, 15 oder 20 mg/Tag) oder Placebo.

Wenig überraschend sind die depressiven Beschwerden der Teilnehmer durch das Antidepressivum nach 24 Wochen deutlich zurückgegangen (von im Mittel 15,9 in der „Hamilton Depression Rating Scale“ [HAM-D] auf  ≤ 7). 

18% geringeres Sterberisiko

Erstaunlich ist aber, dass sich die psychische Genesung über acht Jahre hinweg auf die Herzgesundheit ausgewirkt zu haben scheint. So erlitten 81 Patienten in der Placebo-Gruppe eine MACE, aber nur 61 Patienten in der Escitalopram-Gruppe (53,6 vs. 40,9%; Hazard Ratio, HR: 0,69). Die Herzinfarkt-Rate wurde um 46% gesenkt (15,2 vs. 8,7%) und die Gesamtsterblichkeit war um 18% niedriger (24,5 vs. 20,8%).

Die Studienautoren um Dr. Jae-Min Kim vermuten, dass sich die stabilere Gemütslage der mit Escitalopram behandelten Teilnehmer deren kardiale Prognose positiv beeinflusst hat. Sie könnten sich aber auch vorstellen, dass Escitalopram darüber hinaus direkte Effekte entfaltet hat, die die Progression beider Erkrankungen beeinflusst haben, z.B. durch Senkung proinflammatorischer Zytokine. Warum diese Wirkung über acht Jahre lang anhalten soll, erklären die Studienautoren nicht.   

Bessere Psyche = bessere Herzgesundheit

Kim und Kollegen haben aber eine Erklärung dafür, warum diese Studie im Gegensatz zu den beiden früheren Studien positiv geendet hat: weil die antidepressive Therapie in den beiden anderen Studien die Depression der Teilnehmer nicht wesentlich lindern konnte. Dies könnte an dem kürzeren Follow-up dieser Studien (8,1 Jahre vs. 18 Monate in MIND-IT) und der gravierenderen Erkrankungsschwere der Depression und des akuten Koronarsyndroms gelegen haben (mittlerer HAM-D-Score 15,9 vs. 18,1 und 19,6 in MIND-IT und SADHEART).

Limitationen der aktuellen Studie sind das monozentrische Design und die relativ geringen Fallzahlen.

Literatur

Kim J, Stewart R, Lee Y, et al. Effect of Escitalopram vs Placebo Treatment for Depression on Long-term Cardiac Outcomes in Patients With Acute Coronary SyndromeA Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018;320(4):350–358. doi:10.1001/jama.2018.9422

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