Nachrichten 08.07.2021

Do-It-Yourself in der Herzinfarkt-Therapie

Ist es klinisch von Vorteil, wenn sich koronare Risikopatienten im Fall infarkttypischer Symptome sofort einen Thrombozytenhemmer per Autoinjektor selbst subkutan injizieren? Die SOS-AMI-Studie wird es zeigen.

Man kennt es etwa aus der Notfallbehandlung bei Anzeichen oder Symptomen von Anaphylaxie: In diesem Fall können sich Betroffene Adrenalin per Autoinjektor unmittelbar selbst zum Schutz verabreichen.

Lässt sich das Prinzip der Selbstverabreichung auch auf die Therapie beim akuten Myokardinfarkt übertragen? Hier gilt bekanntlich die Devise: Je früher, desto besser. Mit jeder Verzögerung beim Behandlungsbeginn erhöht sich das Risiko, dass Myokardgewebe irreversibel geschädigt wird. Kritisch ist hier die Phase zwischen Symptombeginn und Erstkontrakt mit medizinischem Personal. Aber auch wenn die medizinische Akutversorgung von Infarktpatienten sichergestellt ist, dauert es immer noch eine gewisse Zeit, bis oral applizierte Arzneimittel ihre Wirkung entfalten.

Therapiebeginn schon im Frühstadium der Thrombusbildung

Hier könnte die bei Auftreten von Infarktsymptomen sofort vom Patienten in die Wege geleitete Selbstverabreichung einer kardioprotektiven Therapie mit schnellem Wirkungseintritt eine Option sein, um den Folgen eines Myokardinfarkts frühestmöglich entgegenzuwirken. Dieses Konzept soll jetzt in der SOS-AMI-Studie auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden, wie das in der Schweiz ansässige biopharmazeutische Unternehmen Indorsia jüngst in einer Pressemitteilung angekündigt hat.

Indorsia hat mit Selatogrel einen thrombozytenhemmenden P2A12-Rezeptorantagonisten entwickelt, der mithilfe eine Autoinjektor subkutan verabreicht werden kann. Zwei Phase-II-Studies bei Patienten mit stabiler KHK (= chronisches Koronarsyndrom) und Patienten mit akutem Myokardinfarkt haben gezeigt, dass Selatogrel die Plättchenaggregation rasch (innerhalb von 15 Minuten) und reversibel hemmt.

Die Hoffnung ist, damit eine von Patienten selbst leicht anwendbare Therapiemöglichkeit geschaffen zu haben, mit der die intrakoronare Thrombusbildung beim akuten Herzinfarkt schon im Frühstadium günstig beeinflusst werden kann. Bei der Entwicklung dieses Therapiekonzepts arbeitet Indorsia seit 2019 mit dem US-Unternehmen Antares Pharma zusammen, das über große Erfahrungen in der Pen-Technologie und der Produktion von Autoinjektoren verfügt.

Studie mit rund 14.000 Risikopatienten geplant

Wirksamkeit und Sicherheit der neuen, den Patienten als Mitverantwortlichen stärker in die Behandlung einbindenden Strategie sollen in der Phase-III-Studie SOS-AMI geprüft werden. Für diese multinationale randomisierte placebokontrollierte Studie ist eine Teilnahme von rund 14.000 Patienten mit einem hohen Infarktrisiko geplant. Primärer Studienendpunkt ist eine Kombination aus Gesamtmortalität und nicht tödlichen Herzinfarkten.

Alle Studienteilnehmer werden an den rund 300 beteiligten Zentren von qualifizierten Beratern darüber informiert, wie infarkttypische Symptome erkannt werden, wie die zu prüfende Therapie mittels Autoinjektor selbst rasch appliziert werden kann und wie danach sofort über die Notfallrufnummer um medizinische Hilfe nachgesucht werden soll.

Literatur

Ankündigung des Unternehmens Indorsia vom 28. Juni 2019: Indorsia initiates the Phase 3 registration study with selatogrel for the treatment of acute myocardial infarction.

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