Nachrichten 29.08.2016

Intensivere Reha-Maßnahmen ohne erhoffte Wirkung

Eine Studie untersuchte, ob verstärkte Rehabilitationsmaßnahmen nach Herzinfarkt das kardiovaskuläre Risiko reduzieren können. Eine längere Nachbetreuung zeigte zwar bei motivierten Teilnehmern Vorteile, insgesamt änderte sich aber wenig an Stoffwechselparametern und Risikoprofil.

914 Patienten mit akutem Koronarsyndrom wurden für die niederländische OPTICARE-Studie (OPTImal CArdiavc REhabilitation) in 3 Gruppen randomisiert: Die erste Gruppe bekam 3 Monate lang die kardiovaskulären Standard-Rehabilitationsmaßnahmen, bestehend aus Trainingsanleitung und Aufklärungsgesprächen zweimal wöchentlich (CR-only), die zweite Gruppe nahm zusätzlich zur Standard-Reha weitere 9 Monate an Gruppensitzungen zu den Themen Lifestyle und Fitnesstraining teil (CR+G) und die dritte Gruppe erhielt zusätzlich zu den ersten 3 Standard-Reha für weitere 9 Monate ein persönliches Telefon-Coaching zum Lebensstil (CR+T).

Kein Unterschied beim Risikoscore

Primärer Studienendpunkt war der 10-Jahres-Risikoscore für kardiovaskuläre Mortalität (Systematc COronary Risk Evaluation [SCORE]), der nach 18 Monaten erhoben wurde. Dieser Score basiert auf den 3 Risikomarkern systolischer Blutdruck, Gesamtcholesterin und Raucherverhalten.

Nach einer intention-to-treat-Analyse ergab sich zwischen allen 3 Gruppen kein Unterschied hinsichtlich des Risiko-Scores. Auch bei Cholesterinwerten, Blutdruck, BMI oder Taillenumfang konnten keine Unterschiede nachgewiesen werden.

Allerdings war die Compliance bei den verlängerten, über 1 Jahr laufenden Reha-Maßnahmen deutlich schlechter als bei der 3-monatigen Standardbetreuung: Nur 61 und 57 % (CR+G und CR+T) vs. 83 % (CR-only) der Teilnehmer blieben bis zum Schluss dabei. Daher wurden für eine ,per protocol‘-Analyse nur die Daten der Patienten berücksichtigt, die mindesten 75 % ihres jeweiligen Reha-Programmes absolviert hatten.

Weniger Raucher und niedrigere Cholesterinwerte

Unter diesen besser motivierten Patienten waren dann nach längerer Nachsorge signifikant weniger Raucher, nämlich 13,4 vs. 21,3 % (p < 0,05) und signifikant niedrigere Cholesterinspiegel von 3,9 vs. 4,3 mmol/l (p < 0,001; jeweils CR-G vs. CR-only) zu finden.

Die intensiveren Maßnahmen führten in beiden 12-Monats-Gruppen außerdem zu einer höheren Lebensqualität, zu mehr Bewegung (bis zu 700 Schritte mehr als in der CR-only-Gruppe) und zu weniger Ängsten. Das bestätigt den Nutzen der langfristigen Betreuung hinsichtlich einer Lebensstilverbesserung bei adhärenten Patienten, so der Studienleiter Dr. Ron van Domburg, Rotterdam, Niederlande.

Der Chairman der Hotline-Pressekonferenz, Prof. Josep Perk, Schweden, resümierte: „Wir müssen den Patienten klarmachen, dass ein Herzinfarkt die gelbe Karte bedeutet, und dass sie, wenn sie sich nicht an die Spielregeln halten, bei der zweiten gelben Karte – wie beim Fußball – womöglich gar nicht mehr am Spiel teilnehmen können.“

Literatur

Hot-Line-Pressekonferenz „Prevention and Lipids“ im Rahmen des ESC-Kongresses am 29.8.2016 in Rom

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen