Nachrichten 28.03.2017

Mehr Strahlenexposition für den Arzt bei radialem Zugang

Im Vergleich zum femoralen Gefäßzugang sind Ärzte bei einer Koronarangiografie mit radialem Zugang teilweise bis zu doppelt so stark strahlenexponiert. Darauf deutet die Auswertung von Daten einer Teilpopulation der MATRIX-Studie hin.

In der MATRIX-Studie waren 8.404 Patienten mit akutem Koronarsyndrom zu Koronarinterventionen mit radialem oder femoralem Zugang randomisiert worden. Diese und andere Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass der radiale Zugang mit weniger Blutungskomplikationen und vaskulären Komplikationen auf Seiten des Patienten einher geht als der femorale Zugang.

Bei der Strahlenbelastung dagegen schneidet der radiale Zugang offenbar nicht günstig ab. Bisherige Analysen zu dieser Thematik waren immer so interpretiert worden, dass die Strahlenbelastung beim radialen Zugang nur minimal höher sei als beim femoralen Zugang. Die jetzt beim ACC-Kongress in Washington DC vorgestellte RAD-MATRIX-Studie, für die insgesamt 777 Prozeduren ausgewertet wurden, spricht eine etwas andere Sprache.

Vor allem Thorax stärker exponiert

Obwohl die Operateure in Sachen radialem Zugang alle sehr erfahren waren, betrug die mit drei Dosimetern an der Brust, am Handgelenk und am Kopf gemessene Strahlenbelastung für den Operateur im Mittel 2,3 µSv, gegenüber 1,2 µSv beim femoralen Zugang. Sie war also knapp doppelt so hoch.

Die Spannbreite beim radialen Zugang lag zwischen 1,2 und 3,4 µSv, beim femoralen Zugang waren es 0,7 bis 1,8 µSv. Der Unterschied kam vor allem durch eine stärkere Strahlenexposition im Bereich des Thorax zustande. Mit 77 vs. 41 µSv wurde hier statistische Signifikanz erreicht. An Handgelenk und Kopf war die Strahlenexposition jeweils numerisch um etwa die Hälfte höher.

Strahlenschutz konsequent nutzen!

Studienleiter Dr. Alessandro Sciahbasi vom Sandro Pertini Hospital in Rom, der die Daten in Washington vorstellte, rechnete vor, was das konkret bedeutet. Ein Operateur, der 100 Interventionen durchführt, ist bei Prozeduren mit femoralem Zugang in Summe dem Äquivalent von etwa sechs Röntgen-Thorax-Aufnahmen exponiert. 100 radiale Interventionen entsprächen dagegen 11,5 Röntgen-Thorax-Aufnahmen.

Auch auf Patientenseite ist die Strahlenexposition in der RAD-MATRIX-Auswertung signifikant höher. Allerdings fällt der Unterschied bei den ohnehin wesentlich strahlenexponierteren Patienten klinisch wohl weniger ins Gewicht. Beim radialen Zugang lag die Patientenexposition im Mittel bei 13 mSv, beim femoralen waren es 12 mSv (p < 0,0001).

Insgesamt sprächen die Ergebnisse nicht gegen den radialen Zugang, betonte Sciahbasi, da der klinische Nutzen höher sei als die zusätzliche Gefährdung durch die Strahlung. Die RAD-MATRIX-Studie sollte aber als Aufruf verstanden werden, die Operateure gut zu trainieren und dazu anzuhalten, die existierenden Strahlenschutzvorrichtungen auch konsequent zu nutzen.

Literatur

Sciahbasi A, RAD Matrix: Radiation Exposure and Vascular Access in Acute Coronary Syndromes: The RAD Matrix Study; Sitzung: Featured Interventional Clinical Research II, Kongress des American College of Cardiology (ACC) 2017, 17.–19. März 2017, Washington DC

Sciahbasi A et al. Radiation Exposure and Vascular Access in Acute Coronary Syndromes: The RAD-MATRIX Trial. J Am Coll Cardiol 2017, doi: 10.1016/j.jacc.2017.03.018

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021 und der 87. Jahrestagung 2021 live und on demand.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Online-Kalkulator schätzt Risiko für schweren COVID-19-Verlauf

Der Zustand von COVID-19-Patienten kann sich schnell verändern. Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität haben jetzt ein Tool entwickelt, der das Risiko für schwere Verläufe dynamisch vorhersagen kann. Ärzte können es online nutzen.

Aortenklappenerkrankung in jungen Jahren – spezielle OP liefert „exzellente“ Ergebnisse

Bei jüngeren Menschen mit Aortenklappenerkrankungen sind die Aussichten eines konventionellen Klappenersatzes begrenzt. Ein Alternative ist die Ross-OP, die noch ein Nischendasein fristet. Vielleicht zu Unrecht, wie eine aktuelle Analyse andeutet. 

Kann „Dr. KI“ die künftige Entwicklung von Vorhofflimmern vorhersagen?

Kann Künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen, schon bei Personen mit normalem Sinusrhythmus für den Arzt nicht erkennbare Auffälligkeiten im EKG zu entdecken, die eine akkurate Voraussage von künftigem Vorhofflimmern ermöglichen? Die Autoren einer neuen Studie zeigen sich da optimistisch.

Aus der Kardiothek

80-jähriger Patient im CT – wie lautet Ihre Diagnose?

Kardiale Computertomografie bei einem 80-jährigen Patienten nach STEMI – was ist zu sehen?

62-Jähriger mit Schrittmacher – was ist im Röntgen zu sehen?

62-jähriger Patient mit Zustand nach 2-Kammer-Schrittmacher, aufgenommen bei respiratorischer Insuffizienz. Was ist auf den Röntgenbildern zu sehen?

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen