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28.03.2017 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

ACC 2017: Koronarinterventionen

Mehr Strahlenexposition für den Arzt bei radialem Zugang

Autor:
Philipp Grätzel

Im Vergleich zum femoralen Gefäßzugang sind Ärzte bei einer Koronarangiografie mit radialem Zugang teilweise bis zu doppelt so stark strahlenexponiert. Darauf deutet die Auswertung von Daten einer Teilpopulation der MATRIX-Studie hin.

In der MATRIX-Studie waren 8.404 Patienten mit akutem Koronarsyndrom zu Koronarinterventionen mit radialem oder femoralem Zugang randomisiert worden. Diese und andere Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass der radiale Zugang mit weniger Blutungskomplikationen und vaskulären Komplikationen auf Seiten des Patienten einher geht als der femorale Zugang.

Bei der Strahlenbelastung dagegen schneidet der radiale Zugang offenbar nicht günstig ab. Bisherige Analysen zu dieser Thematik waren immer so interpretiert worden, dass die Strahlenbelastung beim radialen Zugang nur minimal höher sei als beim femoralen Zugang. Die jetzt beim ACC-Kongress in Washington DC vorgestellte RAD-MATRIX-Studie, für die insgesamt 777 Prozeduren ausgewertet wurden, spricht eine etwas andere Sprache.

Vor allem Thorax stärker exponiert

Obwohl die Operateure in Sachen radialem Zugang alle sehr erfahren waren, betrug die mit drei Dosimetern an der Brust, am Handgelenk und am Kopf gemessene Strahlenbelastung für den Operateur im Mittel 2,3 µSv, gegenüber 1,2 µSv beim femoralen Zugang. Sie war also knapp doppelt so hoch.

Die Spannbreite beim radialen Zugang lag zwischen 1,2 und 3,4 µSv, beim femoralen Zugang waren es 0,7 bis 1,8 µSv. Der Unterschied kam vor allem durch eine stärkere Strahlenexposition im Bereich des Thorax zustande. Mit 77 vs. 41 µSv wurde hier statistische Signifikanz erreicht. An Handgelenk und Kopf war die Strahlenexposition jeweils numerisch um etwa die Hälfte höher.

Strahlenschutz konsequent nutzen!

Studienleiter Dr. Alessandro Sciahbasi vom Sandro Pertini Hospital in Rom, der die Daten in Washington vorstellte, rechnete vor, was das konkret bedeutet. Ein Operateur, der 100 Interventionen durchführt, ist bei Prozeduren mit femoralem Zugang in Summe dem Äquivalent von etwa sechs Röntgen-Thorax-Aufnahmen exponiert. 100 radiale Interventionen entsprächen dagegen 11,5 Röntgen-Thorax-Aufnahmen.

Auch auf Patientenseite ist die Strahlenexposition in der RAD-MATRIX-Auswertung signifikant höher. Allerdings fällt der Unterschied bei den ohnehin wesentlich strahlenexponierteren Patienten klinisch wohl weniger ins Gewicht. Beim radialen Zugang lag die Patientenexposition im Mittel bei 13 mSv, beim femoralen waren es 12 mSv (p < 0,0001).

Insgesamt sprächen die Ergebnisse nicht gegen den radialen Zugang, betonte Sciahbasi, da der klinische Nutzen höher sei als die zusätzliche Gefährdung durch die Strahlung. Die RAD-MATRIX-Studie sollte aber als Aufruf verstanden werden, die Operateure gut zu trainieren und dazu anzuhalten, die existierenden Strahlenschutzvorrichtungen auch konsequent zu nutzen.

Literatur

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