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26.06.2017 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

Potenzieller Nebeneffekt

Mit Stillen das Herzinfarktrisiko senken?

Autor:
Veronika Schlimpert

Frauen, die stillen, haben einer chinesischen Untersuchung zufolge ein geringeres kardiovaskuläres Risiko. Ob das am Stillen selbst liegt, ist allerdings fraglich.

Wenn Mütter ihren Nachwuchs stillen, tun sie offensichtlich nicht nur dem Kind was Gutes. Auch für die eigene Gesundheit scheint der Stillvorgang zuträglich zu sein. Jedenfalls war das kardiovaskuläre Risiko in einer großen chinesischen Kohortenstudie mit fast 300.000 Müttern umso niedriger, je länger die Frauen stillten. 

Sollte man werdenden Müttern deshalb raten, möglichst lange zu stillen, um ihr Herzinfarktrisiko zu senken? Nach Ansicht der Autoren um Sanne Peters von der Universität Oxford sprechen diese Ergebnisse jedenfalls dafür, dass Stillen langfristig positive Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit der Mutter zu haben scheint. Daher sollte man das Stillen an sich und eine längere Dauer fördern, wenn der beobachtete Zusammenhang denn kausal sei.

Kausaler Zusammenhang fraglich

Und hier stößt diese Beobachtungsstudie wohl an ihre Grenzen. Dass Stillen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Kindes und wahrscheinlich auch auf die Gesundheit der Mutter auswirkt, ist kein Geheimnis.  So haben stillende Frauen beispielsweise ein bessere Betazellfunktion, ein geringeres Risiko für Bluthochdruck und Diabetes. Ob der Stillvorgang aber kausal der Entstehung einer Atherosklerose entgegen wirken kann, ist zu bezweifeln.

So geben auch die Studienautoren zu, dass Stillen womöglich eher ein Marker für ein gesundheitsbewusstes Verhalten ist als ein kausaler Faktor, der eine Besserung des kardiometabolischen Zustandes herbeiführt. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass stillende Frauen generell gesünder lebten als nicht-stillende Mütter.

Mütter in Deutschland stillen nicht so lange

Des Weiteren ist wohl unwahrscheinlich, dass sich Frauen in Industrieländern überzeugen lassen, zwei Jahre oder länger zu stillen.

Ab einer solchen Stilldauer ging das Schlaganfall- und KHK-Risiko in der aktuellen Analyse um 17 bzw. 18% zurück. Mit jedem zusätzlichem halben Jahr, das gestillt wurde, verringerte sich das Risiko um 4 bzw. 3%. Generell war das kardiovaskuläre Risiko der stillenden Frauen in dem achtjährigen Beobachtungszeitraum um relativ knapp 10% geringer als das der Mütter, die niemals stillten (Hazard Ratio: 0,91).

In Industrieländern ist die durchschnittliche Stilldauer allerdings deutlich geringer als in weniger entwickelten Ländern wie China. Laut einer Erhebung des Stillverhaltens aus Bayern von 2005 stillen hierzulande nach 6 Monaten gerade einmal noch 40 bis 50% der Mütter. In der Analyse aus China haben dagegen 91% der Frauen für mindestens sechs Monate gestillt, die mittlere Stilldauer lag bei 12 Monaten, knapp 7% taten dies über zwei Jahre lang.

Die Nationale Stillkommission, die zur Förderung des Stillens in Deutschland eingerichtet wurde, empfiehlt Müttern, in den ersten vier bis sechs Monate ausschließlich zu stillen.

Literatur

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